© Preußische Allgemeine Zeitung / 12. November 2005

"Spion" mit Skizzenblock
Vor 50 Jahren starb der Maler Ernst Schaumann

Zeitgenossen hoben ihn als einen der Könner in der Komposition und farbigen Gestaltung, der Zeichnung und Empfindung hervor. Heute, ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod, kennen nur noch wenige Eingeweihte den Maler und Zeichner Ernst Schaumann. Als Sohn des Landschaftsmalers Ernst Schaumann am 7. Februar 1890 in Königsberg geboren, absolvierte er zunächst eine Kaufmannslehre, bevor er die Kunstakademie seiner Vaterstadt besuchte. Dort war er Schüler von Otto Heichert und Ludwig Dettmann. Von 1909 bis 1914 war er in Berlin zu finden, wo er an der dortigen Akademie seine Studien fortsetzte. Neben verschiedenen Preisen erhielt er für seine künstlerische Arbeit 1913 den Menzelpreis.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges meldete sich Schaumann wie so viele seiner Landsleute als Freiwilliger und wurde als Kriegsmaler eingesetzt. Als anschaulicher Schilderer des Geschehens fand er bald Beachtung. So schuf er das Gemälde "Kürassier-Regiment 3 auf dem Vormarsch in der Winterschlacht", das später im Offizierskasino der Aufklärungsabteilung 1 in Königsberg hing, welche die Tradition der Wrangel-Kürassiere übernommen hatte. Daß es durchaus kein Zuckerschlecken war, als Kriegsmaler zu arbeiten, zeigt folgende Begebenheit: Schaumann, der selbst diesem Regiment angehörte, hatte an den Bildrand verschiedene Skizzen und Studien gezeichnet. Das wäre ihm beinahe zum Verhängnis geworden. Ein aufmerksamer und besonders eifriger Wachtmeister in Raudonatschen, Kreis Ragnit, sah diese Zeichnungen und schöpfte Verdacht. Schaumann wurde der Spionage verdächtigt und kurzerhand verhaftet. Der Irrtum sollte sich jedoch bald aufklären.

Auf einer Siedlerstelle in Warnicken lebte Schaumann nach dem Krieg als freier Künstler. Dort hielt er sich auch einige Pferde, um ihren Bewegungsablauf eingehend studieren zu können. Seine Pferdebilder zählen denn auch zu ausgewiesenen Meisterwerken. Wie die meisten anderen Arbeiten, so Wandmalereien in öffentlichen Gebäuden und in Behörden, sind aber auch sie später ein Opfer des Zweiten Weltkrieges geworden.

Neben den Pferdedarstellungen sind vor allem die Bildnisse bedeutender Musiker seiner Zeit zu erwähnen. So schuf Schaumann, der ein Musikfreund war, Ende der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts Zeichnungen beachteter Auftritte von Heinrich Schlusnus, Richard Strauß, Hans Pfitzner oder Wilhelm Furtwängler in Königsberg - beredte Zeugnisse eines lebendigen Musiklebens dieser Zeit.

Um seiner Familie die Strapazen der Flucht zu ersparen, blieb Schaumann während des Zweiten Weltkriegs in der zur Festung erklärten Stadt Königsberg und lebte dort bis zur Ausweisung 1948. Es verschlug ihn nach Teltow, Kreis Potsdam, wo er sich und seine Familie mit Auftragsarbeiten über Wasser zu halten versuchte. Als es ein wenig aufwärts ging, war Schaumann häufiger Sommergast in Ahrenshoop. Auch das Dünengebiet der Halbinsel Zingst war ein beliebter Aufenthaltsort, zumal die Landschaft den Künstler sehr an die Kurische Nehrung erinnerte. Im Oktober 1955 starb Ernst Schaumann in Pramort / Zingst; seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof in Ahrenshoop. SiS

Ernst Schaumann: Reiter am Strand (Öl) Foto: privat


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