© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 01-10 vom 09. Januar 2010

Ein verhinderter Preuße
Vor 150 Jahren starb der gebürtige Sachse Konteradmiral Karl Rudolf Bromme

Die erste gesamtdeutsche Marine war die deutsche Reichsflotte. Maßgeblich aufgebaut und später auch kommandiert wurde diese aus der 48er Revolution hervorgegangene Streitmacht von Karl Rudolf Bromme.

„Karl Rudolf Brommy ruht in diesem Grabe, / Der ersten deutschen Flotte Admiral. / Gedenkt des Wackren und gedenkt der Zeiten, / an schöner Hoffnung reich und bittrer Täuschung, / Und welche Wendung dann durch Gottes Fügung“ heißt es auf seinem Grabstein aus der Kaiserzeit. „... an schöner Hoffnung reich und bittrer Täuschung ...“ – das war die 48er Revolution tatsächlich und Bromme war ein Kind dieser Revolution.

Brommes Karriere war ihm nicht in die Wiege gelegt. Früh verwaist erhielt der am 10. September 1804 in einem Dorf bei Leipzig geborene Sachse 1818 von seinem Vormund die Erlaubnis, entsprechend seinem Wunsche Seemann zu werden. Wie des Öfteren bei Menschen, die erst durch revolutionäre Umbrüche „nach oben geschwemmt“ wurden, ist auch über Brommes frühe Jahre wenig Nachweisliches bekannt. Nach dem Besuch der Navigationsschule in Hamburg ist er wohl auf der Brigg „Heinrich“ nach Amerika gereist und hat sich anschließend auf amerikanischen Schiffen bis zum Captain hochgearbeitet. Da Bromme englisch ausgesprochen wie „Brommy“ klingt, änderte er seinen Namen in Brommy.

Der als liberaler Schöngeist beschriebene Seemann begeisterte sich wie viele Gleichgesinnte für den Freiheitskampf der Griechen. Er trat in griechische Dienste über und beteiligte sich am Aufbau der griechischen Seestreitkräfte. So verfasste er für sie ein lange beibehaltenes Dienstreglement.

1843 führte eine Rebellion dazu, dass die Ausländer aus Griechenland ausgewiesen wurden. Ob seiner Verdienste wurde für Bromme zwar eine Ausnahme gemacht, doch ist er wohl trotzdem um diese Zeit nach Berlin übergesiedelt, wo er sich 1845 beim preußischen König um die Übernahme in dessen Marine bewarb – jedoch vergebens. Drei bis vier Jahre später veröffentlichte er in der Spreemetropole das Lehrbuch „Die Marine – eine gemeinverständliche Darstellung des gesamten Seewesens für Gebildete aller Stände“.

Durch diese theoretische und die vorausgegangene praktische Qualifikation prädestiniert, bot Bromme dem Präsidenten der aus der 48er Revolution hervorgegangenen Frankfurter Nationalversammlung seine Hilfe beim Aufbau der deutschen Reichsflotte an. Der Handels- und Marineminister antwortete positiv und so fing Bromme 1849 an, sich in der von Prinz Adalbert von Preußen geleiteten technischen Marinekommission der Marineabteilung am Aufbau der Reichsflotte zu beteiligen. Als der Preußenprinz wenig später von dessen König abberufen wurde, übernahm Bromme dessen Amt. Auch hier verfasste Bromme wieder eine Dienstvorschrift, die Bestand hatte. Als Jahrzehnte später die Kaiserliche Marine die Nachfolge der Reichsflotte antrat, übernahm sie im Wesentlichen das Brommesche Reglement.

Als Folge des bereits im Vorjahr begonnenen Schleswig-Holsteinischen Krieges kam es am 4. Juni 1849 bei Helgoland zu einem Seegefecht von Brommes Flaggschiff, der Dampffregatte „Barbarossa“, sowie den Dampfkorvetten „Lübeck“ und „Hamburg“ mit der Segelkorvette „Valkyrien“ und dem Raddampfer „Geijser“ auf dänischer Seite. Das Gefecht ging unentschieden aus und verlief auf beiden Seiten ohne Verluste, doch machte es Bromme zum ersten und bislang einzigen, der einen unter Schwarz-Rot-Gold fahrenden Verband in ein Seegefecht geführt hat.

Mit dem Scheitern der 48er Revolution und ihres gesamtdeutschen Projektes kam auch das Ende der ersten gesamtdeutschen Marine. Bis zu seinem eigenen Abschied 1853 bestand Brommes traurige Aufgabe darin, die von ihm maßgeblich aufgebaute Reichsflotte abzuwickeln.

Anschließend versuchte er abermals in preußische Dienste zu treten – und wieder vergebens. Dafür gab ihm die andere deutsche Großmacht eine Chance. 1857 trat er als Chef der technischen Abteilung bei der Sektion der Admiralität zu Mailand in österreichische Dienste, musste diese Position aber bereits nach wenigen Monaten krankheitsbedingt wieder aufgeben. Er zog sich nach St. Magnus bei Bremen zurück, wo er am 9. Januar 1860 starb. Manuel Ruoff

Foto: „Der ersten deutschen Flotte Admiral“: Karl Rudolf Bromme


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