© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 24-10 vom 19. Juni 2010

Doppelbett im Cockpit
In Stockholm kann man in einem ausgedienten Jumbo übernachten

Im Februar 1969 hob die Boeing 747 zu ihrem Jungfernflug ab. Eine der im Jahr 2002 ausgemusterten Exemplare startet jetzt noch einmal richtig durch – am Boden. Als weltweit erste Unterkunft seiner Art entstand am Stockholmer Flughafen Arlanda das „Jumbo-Hostel“.

Besitzer und Initiator Oscar Dios hat sich und vielen anderen Jumbo-Fans einen Traum erfüllt. Er nahm eine alte ausrangierte Boing 747-200 und ließ diese aufwendig umbauen. Anstelle von 500 Sitzplätzen bietet sie jetzt Schlafgelegenheiten für 85 Träumer an. 25 Euro kostet die günstigste Übernachtung – inklusive Frühstück und Internetzugang. Mit dieser Summe sichert man sich eine Schlafmöglichkeit im Vierbettzimmer – muss also damit rechnen, dass dort auch fremde Menschen sind. Die teuerste Variante, in dem Ex-Flieger zu logieren, findet natürlich auch an einem herausragenden Platz statt: im Cockpit. Dort, wo früher Kapitän, Co-Pilot und Navigator ihren Dienst taten, können sich nun zwei Gäste in eine luxuriöse Suite zurückziehen – zwischen Bordcomputer, Knöpfen, Reglern und Steuerknüppel. Hier haben die Gäste nicht nur einen besonders exquisiten Ausblick auf das Rollfeld, sondern können auch ein eigenes WC samt Dusche benutzen. Die Kosten für eine Cockpit-Nacht: 235 Euro. Dazwischen gibt es verschiedene Preisklassen für Einbett-Kabinen, Zweibett-Varianten oder Dreibett-Zimmer. Alle Zimmer sind mit Flachbildschirmen ausgestattet, auf denen man auch die Starts und Landungen auf dem Flughafen verfolgen kann. Flugzeug-Ambiente herrscht nicht nur durch die Maschine selbst: In marine-blauen Uniformen, wie sie früher die Crew-Mitglieder einer mittlerweile nicht mehr aktiven schwedischen Fluggesellschaft trugen, empfangen Gisela Olsson und ihre sechs Kollegen die Gäste und zeigen ihnen ihre „Zimmer“. „Zu unserer Zielgruppe zählen nicht nur Reisende mit kleinem Budget und Pauschaltouristen, sondern auch Luftfahrt-Fans und interessierte Tagesgäste“, erklärt Oscar Diös die Strategie. „Wir haben uns das Technikmuseum in Speyer angesehen und uns beim dort ausgestellten Lufthansa-Jumbo ein paar Inspirationen für unser Hostel geholt“, so Diös weiter. Die Idee wurde aber nicht in Speyer geboren, sondern schon früher, im schwedischen Uppsala, wo Diös eine Jugendherberge betreibt. Als er von der vor sich hinrostenden Maschine auf dem Stockholmer Flughafen hörte, kam ihm der Gedanke, daraus ebenfalls eine günstige Herberge zu schaffen.

Der Standort ist gut gewählt: Mit dem eigenen Auto, Taxi, Shuttle-Bus, zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreicht man problemlos das Zentrum von Stockholm.    C.W.

Nähere Informationen: Jumbo Hostel, PO Box 160, SE – 190 46 Stockholm Arlanda / Schweden, info@jumbohostel.com

Foto: Gute Nacht: Blick in eine umgebaute Kabine


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