© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 32-10 vom 14. August 2010

Bildhauerkunst auf dem Gipfel
Vor 125 Jahren starb Jean-Baptiste Pigalle – Friedrich der Große schätzte ihn sehr

Das Rondell um die Große Fontäne im Park von Sanssouci erstrahlt wieder in altem Glanz. Nach jahrelanger Arbeit konnten jetzt zwei Marmorkopien zweier Skulpturen von Jean-Baptiste Pigalle aufgestellt werden. Die Originale von „Merkur“ und „Venus“ stehen seit langem im Bode-Museum in Berlin. Von ihnen wurden Gipsabgüsse gefertigt, nach denen die Bildhauer Wolfgang Wille und Rudolf Böhm die Marmorkopien schufen. Die Kopien der Werke von Pigalle waren nötig, um die kostbaren Originale zu schützen.

 „Pigalle, Pigalle, das ist die große Mausefalle mitten in Paris“, sang Bill Ramsey in den frühen 60er Jahren. Pigalle steht allgemein für den Rotlicht-Bezirk am Hügel des Monmartre in Paris rund um den Place Pigalle. Weniger bekannt sein dürfte der Bildhauer Jean-Baptiste Pigalle, dessen Werke bereits Friedrich den Großen entzückten. Er wurde am 26. Januar 1714 in Paris geboren und stammte aus einer handwerklich tätigen Künstlerfamilie. Sein Großvater und sein Vater waren Menuisiers (Möbeltischler), die nicht furnierte Möbel schnitzten sowie Wand- und Deckenverkleidungen aus Holz fertigten.

Pigalle lernte bei verschiedenen Künstlern in Rom, wo er antike Statuen kopierte. 1744 wurde er Mitglied der Academie Royale in Paris aufgrund seiner Statue von „Merkur, der sich die Flügelsandalen anschnallt“. Seitdem schuf er zahlreiche Skulpturen, die aber nach Ansicht von Kunstverständigen nie wieder die Schönheit des Merkurs erreichten. Immerhin waren seine Werke so angesehen, dass er zu den drei größten Bildhauern Frankreichs gezählt wurde.

Friedrich II. hatte für den Garten seines Schlosses Sanssouci 1750 zwei Statuen Pigalles von König Ludwig XV. von Frankreich (1710/1715–1774) geschenkt bekommen. Es waren „Merkur“ und „Venus“, die der König am Rondell in seinem Park von Sanssouci aufstellte. Seitdem interessierte er sich für den Künstler, machte aber nie den Versuch, ihn nach Berlin zu ziehen.

„Er hat die Bildhauerkunst auf den höchsten Gipfel gebracht“, schrieb er in seiner „Eloge du baron de Knobelsdorff“ (1754) über Pigalle. Ein Freund des Königs, Marquis d’Argens (1703–1771), berichtete ihm am 9. Ok-tober 1764 aus Straßburg über das Marmorgrabmal des Marschalls Moritz von Sachsen in der Thomaskirche, an dem Pigalle arbeitete.

Als Verehrer Voltaires (1694–1778) im Jahre 1770 beschlossen hatten, dem Dichter-Philosophen ein Denkmal zu setzen, wollten sie Pigalle dafür gewinnen. Auch der Preußenkönig trug sich mit 200 Louis d’or in die Reihe der Subskribenten ein und beabsichtigte, eine Kopie davon zu bestellen.

Aber erst 1776 kam die Skulptur zustande. Pigalle bildete Voltaire nackt auf einem Baumstumpf sitzend ab, wobei er als Vorbild die Statue „Ares Ludovisi“ (um 320 vor Christus) verwandte, die er aus dem Palazzo Altemps in Rom kannte. Fried-rich ließ sich die Kopie des Denkmals herstellen und stellte sie im Vestibül von Sanssouci auf. – Jean-Baptiste Pigalle starb am 21. August 1785. Jürgen Ziechmann/os


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