© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 33-10 vom 21. August 2010

Wissenschaftler, Industrieller und Wohltäter

Schon als kleiner Junge war der am 17. Dezember 1851 im westfälischen Witten geborene Otto Schott vom Handwerk in der väterlichen Glashütte fasziniert. Die Familientradition des Glasmachens begeisterte ihn so sehr, dass er nach der Reifeprüfung, die er an der Provinzial-Gewerbeschule in Hagen ablegte, an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und der Universität Leipzig Chemie, Mineralogie und Physik studierte.

Nach der Promotion mit „Beiträgen zur Theorie und Praxis der Glasfabrikation“ im Jahre 1875 und Tätigkeiten in chemischen Fabriken in Haspe bei Hagen und im spanischen Oviedo kehrte er in sein Elternhaus zurück, wo er sich der Forschung hingab. Er begann, das Schmelz-, Glasbildungs- und Kristallisationsverhalten verschiedenster chemischer Verbindungen systematisch zu erforschen. Ihm gelang dabei die Entwicklung einer neuen Glassorte von einer Homogenität, die es ermöglichte, spektrometrische Messungen durchzuführen.

Unter anderem schickte Schott auch eine Probe an Ernst Abbe. Da Schott der Lösung des Abbe und Carl Zeiss plagenden Problems der gleichbleibende Qualität des Glases auf der Spur zu sein schien, holten die beiden den gebürtigen Preußen 1882 zu sich nach Jena, wo die drei zwei Jahre später das „Glastechnische Laboratorium Schott & Genossen“ gründeten, das ursprünglich nur für „Carl Zeiss“ forschen sollte, später jedoch als „Jenaer Glaswerk Schott & Gen.“ selber seine Entwicklungen produzierte und zur Keimzelle der heutigen „Schott AG“ wurde. Vor seinem Weggang nach Jena hatte Schott noch in seiner Heimatstadt mit der Herstellung von Deckgläsern für mikroskopische Präparate begonnen, und das zu Herstellungskosten, die ein Fünftel unterhalb jener der britischen Konkurrenz lagen.

In Jena konzentrierte sich Schott zunächst auf die Schmelze von optischen Gläsern, wie sie für Mikroskope und Teleskope benötigt werden. Nach der Erfindung des chemisch resistenten sowie hitze- und temperaturwechselbeständigen Borsilikatglases 1887 weitete das Unternehmen seine Produktpalette jedoch rasch aus. Neben Thermometern, Labor- und Röhrengläsern für pharmazeutische Ampullen und Fläschen sowie Teegläsern und Babymilchflaschen sind hier vor allem die hitzebeständiger Glasglühlichtzylinder für Gas- und Petroleumlampen zu nennen, deren Massenproduktion den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens begründeten. Mehr als 30 Millionen dieser Beleuchtungskörper wurden bis 1909 hergestellt.

Schott gilt jedoch nicht nur als Begründer der modernen Glaswissenschaft und Glastechnologie sowie der Spezialglasindustrie als einem neuen Industriezweig. Er trat auch als Wohltäter hervor. Das „Jenaer Glaswerk“ setzte wie „Carl Zeiss“ im Umgang mit seinen Mitarbeitern Maßstäbe, zudem trat Schott nach dem Ersten Weltkrieg seine Geschäftsanteile an die 1889 von Abbe gegründete Carl-Zeiss-Stiftung ab. Als Schott sich 1926 aus der Geschäfts­führung zurück­zog, hatte das Glaswerk bereits über 1500 Mitarbeiter. Am 27. August 1935 starb er in Jena.       Manuel Ruoff


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