© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-10 vom 20. November 2010

Forscher, Soldat, Diplomat und Gouverneur

Gustav Adolf von Götzen gehörte zu den Glücklichen, die zumindest zeitweise in ihrem Leben Hobby und Beruf miteinander verbinden können. Bevor er mit Mitte Zwanzig das erste Mal seinen Fuß auf afrikanischen Boden setzte, hatte der am 12. Mai 1866 in der Grafschaft Glatz auf Schloss Scharfeneck geborene Schlesier bereits Frankreich und Italien kennen gelernt. Götzen gehörte einer Offiziersgattung an, die anders als heute damals in Deutschland noch die Ausnahme darstellte: Er war Akademiker.

Erst nach einem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Paris, Berlin und Kiel trat er 1885 in das 2. Garde-Ulanen-Regiment ein. Zwei Jahre später wurde er ins Offizierskorps aufgenommen. Ein halbes Jahrzehnt darauf wurde er als Militärattaché nach Rom kommandiert. Noch im selben Jahr unternahm er von dort aus einen Jagdausflug zum Kilimandscharo in Deutsch-Ostafrika.

1893 startete er in der deutsch-ostafrikanischen Küstenstadt Pangani eine private Forschungsexpedition zur Erkundung des Hinterlandes. Begleitet wurde er von dem Afrikaforscher und Kolonialoffizier Georg von Prittwitz und Gaffron sowie dem Arzt Hermann Kersting. Die Expedition quer durch den Kontinent endete nach knapp einem Jahr in Matadi an der Kongomündung. Mit ihrer erstmaligen Querung Ruandas gilt sie als eine der letzten Afrikadurchquerungen mit Neulandentdeckungen.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahre 1895 veröffentlichte Götzen noch im selben Jahr die Ergebnisse dieser Expedition unter dem Titel „Durch Afrika von Ost nach West“.

Anschließend wurde er für zwei Jahre als Militärattaché nach Washington versetzt. Die letzten Jahre des 20. Jahrhunderts sahen ihn als Hauptmann im Großen Generalstab.

Ab 1900 setzte sein Dienstherr Götzen endlich entsprechend seinen (Deutsch-Ost-)Afrikakenntnissen in Deutsch-Ostafrika ein. Mit der Beförderung zum Major übernahm er sowohl den Gouverneursposten als auch das Kommando über die Schutztruppen. In seine Amtszeit fiel der Maji-Maji-Aufstand. Nur mit militärischer Unterstützung aus dem Mutterland gelang es Götzen, den Aufstand niederzuschlagen. Auch dieses Erlebnis verarbeitete Götzen zu einem Buch. 1909 erschien in Berlin „Deutsch-Ostafrika im Aufstand“.

1906 zwang sein angegriffener Gesundheitszustand den 40-Jährigen, sich in die Heimat zurück­versetzen zu lassen. 1908 wurde er preußischer Gesandter in Hamburg. Dort ist er denn auch am 2. Dezember 1910 verstorben und auf dem Friedhof Ohlsdorf begraben. Sein Grabmal mit der von Gustav Eberlein geschaffenen 1,90 Meter hohen Götzen-Darstellung ist noch heute ein Muss bei jeder ordentlichen Führung über den alten Cordes-Teil des größten Friedhofs der Welt.       Manuel Ruoff


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