© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 12-11 vom 26. März 2011

Heilpflaster-Pionier
Paul Carl Beiersdorf gründete den »Nivea«- und »Tesa«-Hersteller

Wohl jeder Leser kennt „Tesa“, „Leukoplast“, „Hansaplast“, den Lippenstift „Labello“ oder aber „Nivea“, die größte Körperpflegemittelmarke der Welt. Alles sind Produkte oder Marken des Hauses Beiersdorf. Dieses Unternehmen hat seinen Sitz in Hamburg, doch die Wiege seines Gründers stand in Preußen.

Am 26. März 1836 kam Paul Carl Beiersdorf in Neuruppin zur Welt. Sein Beruf wurde die Heilmittelkunde. Er absolvierte eine Apothekerlehre und studierte anschließend in Berlin Pharmazie.

Nach Staatsexamen und Approbation zog es ihn in die Fremde. Er übernahm in Moskau die technische Leitung einer Fabrik und wurde Mitinhaber eines Unternehmens, das optische Instrumente herstellte.

Doch Beiersdorf kehrte zu seinen Wurzeln zurück, und das gleich in zweierlei Hinsicht. Ab 1864 lebte er wieder im preußischen Berlin und zehn Jahre später verließ er das erfolgreiche Unternehmen, um sich als Apothekenbesitzer selbständig zu machen. Nach Apotheken in den kleineren preußischen Städten Bärwalde und Grünberg erwarb er 1880 eine in der Großstadt Hamburg.

Mehr Erfolg als mit dieser Merkur-Apotheke hatte Beiersdorf mit einem Laboratorium, das er nebenbei betrieb. Dort entwickelte er mit dem befreundeten Hautarzt Paul Unna die Guttapercha­pflastermulle. Dieses Pflaster hatte gegenüber den bis dahin üblichen diverse Vorteile. Statt Harzen wird Kautschuk verarbeitet, so dass das Pflaster auch im kalten Zustand klebt. Durch die Verwendung des Guttaperchapapiers, das für Hautausdünstungen undurchlässig ist, wird die Tiefenwirkung der aufgetragenen Heilmittel enorm gesteigert. Dadurch waren mit Heilmitteln bestrichene Heilpflaster nun möglich. Schließlich liegt das neue Heilpflaster gut auf der Haut auf. Die Neuentwick­lung war dem bisher Verwendeten derart überlegen, dass das Datum der Anmeldung der „Herstellung von gestrichenen Pflastern“ zum Patent im Jahre 1882 bis heute als Gründungsdatum des Unternehmens Beiersdorf gilt.

Das Produkt war derart erfolgreich, dass Beiersdorf die Apotheke aufgab und sich auf die Herstellung und Vermarktung des neuen Heilpflasters konzentrierte. Daneben entwickelte er weitere Heilmittel. Als Beispiel seien die 1886 eingeführten Salbenstifte genannt. Bis 1890 stieg die Zahl der Guttalaste-Erzeugnisse auf 105.

Doch dann warf der Selbstmord seines ältesten Sohnes Beiersdorf aus der Bahn. Als Carl Albert Beiersdorf erfuhr, dass er im renommierten Christianeum sitzenbleiben würde, erschoss er sich. 1890 verkaufte Beiersdorf sein Unternehmen an Oscar Troplowitz. Er selber nahm ein ähnlich tragisches Schicksal wie sein Sohn. Er verlor sein Vermögen an Bauspekulanten und als sein Bemühen um eine zweite Chance am fürs Apothekenwesen zuständigen Medizinalrat scheiterte, setzte er noch in dessen Amtssitz seinem Leben mit Gift ein Ende. Das geschah am 17. Dezember 1896.

Richtig groß machte das Beiersdorf-Unternehmen erst sein zweiter Besitzer Troplowitz, aber den Namen seines Gründers trägt es bis heute.     M.R.


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