© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 19-11 vom 14. Mai 2011

»Ohne Begeisterung geschah nichts Großes und Gutes«
Rückblick und Ausblick auf die Kulturpreise der Landsmannschaft Ostpreußen – Preisverleihung 2011 auf dem Deutschlandtreffen in Erfurt

Wenn Ende Mai anlässlich des Deutschlandtreffens der Ostpreußen in der Erfurter Messe wieder der Ostpreußische Kulturpreis überreicht wird, dann werden die Gedanken auch zurückwandern in die Zeit, da die Idee, Männer und Frauen für außergewöhnliche Leistungen auszuzeichnen, geboren wurde. Es waren – und sind – Männer und Frauen, die mit ihrem Werk und ihrem Leben Vorbilder waren, getreu dem Herderschen Motto: „Ohne Begeisterung geschah nichts Großes und Gutes auf der Erde ...“

Mehr als ein halbes Jahrhundert ist nun vergangen, da die Landsmannschaft Ostpreußen (LO) einen Ostpreußischen Kulturpreis stiftete (am 30. März 1957). Ursprünglich sollte diese Auszeichnung alljährlich am 1. Mai, dem Geburtstag des ehemaligen Sprechers der LO, Ottomar Schreiber, verliehen werden. Zunächst gab es drei Sparten – Literatur, Bildende Kunst und Musik –, in denen Künstler und Kulturschaffende ausgezeichnet wurden. Bedingung war – und ist es bis heute –, dass sich die Arbeit auf Ostpreußen bezieht oder von einem Ostpreußen stammt. Mittlerweile wird der Ostpreußische Kulturpreis meist alle drei Jahre auf dem Deutschlandtreffen verliehen; zu den drei ursprünglichen Sparten sind noch die Gebiete Wissenschaft und Publizistik hinzugekommen.

Ende April 1958 war es dann soweit: Auf der Sitzung der Ostpreußischen Landesvertretung in Hamburg wurden die ersten Kulturpreise überreicht. Walter von Sanden-Guja, Schriftsteller und Fotograf, Karl Eulenstein, Maler, und Otto Besch, Komponist und Musikschriftsteller, waren die ersten Preisträger. Im darauffolgenden Jahr wurden der Schriftsteller Hans-Georg Buchholtz und der Maler Professor Eduard Bischoff geehrt. 1960 erhielten der Lyriker Walter Scheffler, der Maler Ernst Mollenhauer sowie der Musikschriftsteller und Kritiker Erwin Kroll den Preis; ein Jahr später waren es die Schriftsteller Martin A. Borrmann und Siegfried Lenz sowie der Musiker Paul Mühlen.

Es vergingen zwei Jahre, bis wieder Kulturpreise an ostpreußische Persönlichkeiten vergeben wurden: 1963 waren es die Graphikerin Gertrud Lerbs-Bernecker, der Maler und Graphiker Hans Orlowski sowie der Komponist Günther Suckow. 1964 wurden der Dichter Fritz Kudnig, die Bildhauer Hilde Leest und Georg Fuhg sowie der letzte Domorganist von Königsberg, Herbert Wilhelmi, ausgezeichnet. 1966 dann waren es zwei Schriftstellerinnen, Charlotte Keyser und Gertrud Papendick, sowie der Zeichner Erich Behrendt, die mit der Verleihung des Preises geehrt wurden. Drei Jahre später – 1969 – erhielten der Schriftsteller Paul Brock, der Maler Arthur Degner und der Komponist Professor Heinz Tiessen den Preis. Die Bildhauerin Ute Steffens wurde mit einem Förderpreis bedacht.

1973 waren es zwei Frauen, die für ihr Schaffen geehrt wurden: die Schriftstellerin Hedwig von Lölhöffel und die Bildhauerin Annemarie Suckow-von Heydendorff. 1976 dann kam man wieder zum Pfingsttreffen nach Köln. Bei dieser Gelegenheit wurden in feierlichem Rahmen die Kulturpreise an die Maler Rolf Burchard und Robert Hoffmann-Salpia sowie an den Pianisten Gottfried Herbst und den Volkskundler Erhard Riemann vergeben. Schon ein Jahr später wurde der zweite Kulturpreis für Wissenschaft überreicht: Preisträger war Bibliotheksdirektor Ernst Wermke. 1978 erhielt die Lyrikerin, Graphikerin und Bildhauerin Ursula Enseleit den Kulturpreis für Bildende Kunst.

Pfingsttreffen in Köln – man schrieb das Jahr 1979. Die Malerin und Bildhauerin Erika Eisenblätter-Laskowksi erhielt den Kulturpreis für Bildende Kunst und Chordirigent Heinz von Schumann den Preis für Musik.

1982 wurde zum ersten Mal ein Preis für Publizistik vergeben; er ging an den damaligen Chefredakteur der Wochenzeitung Das Ostpreußenblatt und Herausgeber der swg-Schriftenreihe, Hugo Wellems. Im gleichen Jahr wurden auch der Schriftsteller Arno Surminski, der Literaturwissenschaftler Helmut Motekat und die Graphikerin Lieselotte Plangger-Popp geehrt. 1985 sah man die Bildhauerin Maria Ewel, den Dichter und Schriftsteller Willy Kramp, den Organisten und Komponisten Oskar Gottlieb Blarr sowie den Historiker Reinhard

Wenskus als Preisträger. Beim Deutschlandtreffen drei Jahre später in Düsseldorf wurden die Schriftstellerin Annemarie in der Au, der Journalist Norbert Matern, der Musikwissenschaftler Eike Funck und der Tierfilmer Heinz Sielmann ausgezeichnet. 1991 dann, wieder in Düsseldorf, erhielten die Schriftstellerin und Journalistin Ruth Geede und der Rundfunkjournalist Hans Ulrich Engel den Preis für Publizistik, während der Kunsthistoriker. Günther Krüger in der Sparte Bildende Kunst und Claus von der Groeben mit dem Kulturpreis für Wissenschaft ausgezeichnet wurden. Schon ein Jahr später, 1992, wurde im Rahmen eines Festaktes in der Bayerischen Landesvertretung in Bonn Hansheinrich Trunz mit dem Kulturpreis für Wissenschaft geehrt. Auch der Volkskundler Alfred Cammann und die Schriftstellerin Helga Lippelt erhielten für ihre herausragenden Leistungen den Ostpreußischen Kulturpreis (1994). Zum 45. „Geburtstag“ des Ostpreußenblattes schließlich wurde der Verleger und Drucker Gerhard Rautenberg mit einem Kulturpreis ausgezeichnet (1995). Ihm folgten 1997 auf dem Deutschlandtreffen in Düsseldorf der Komponist Siegfried Matthus (Musik) sowie der Maler und Graphiker Otto Schliwinski (Bildende Kunst).

1998 wurde die Journalistin Gudrun Schmidt „außer der Reihe“ ausgezeichnet. Im Jahr 2000 folgten in Leipzig Frans du Buy mit dem Kulturpreis für Wissenschaft und Henning v. Löwis of Menar mit dem Kulturpreis für Publizistik. Ein Jahr später ging der Kulturpreis an den Königsberger Fotografen Anatolij Bachtin, 2002 folgten der Maler Boris Kimmina und der Publizist Alfred de Zayas. 2005 ging der Preis an den russischen Dichter Sem Simkin und an die Institution Preußisches Wörterbuch.

Drei Jahre später wurden dann die Schriftstellerin Hildegard Rauschenbach und der Historiker Wulf Wagner ausgezeichnet. In diesem Jahr nun erhält der Architekt, Autor und Fotograf Christian Papendick aus Königsberg auf dem Deutschlandtreffen der Landsmannschaft Ostpreußen in Erfurt am 28. Mai (14 Uhr, Halle 1 der Messe) den Kulturpreis für Publizistik. – 45 Jahre, nachdem seine Tante Gertrud Papendick den Preis für Literatur erhielt. Papendick erhält die Auszeichnung für seinen unermüdlichen Feldzug gegen die Zerstörung ostpreußischer Kulturdenkmäler.

Mehr als fünf Jahrzehnte Ostpreußischer Kulturpreis. Geehrt wurden Männer und Frauen, die Außergewöhnliches für Ostpreußen geleistet haben und die gewiss alle der Erkenntnis des ostpreußischen Schauspielers Paul Wegener zustimmen würden, der einmal sagte: „Ich glaube, dass das, was mich weitergebracht hat, im wesentlichen war, dass ich nicht irgendwelchen Dingen aus Gefallsucht nachlief. Ich glaube, dass es des Ostpreußen Bestes ist, dass er sich selbst nicht aufgibt und dass er nicht des Scheines wegen nachgibt, sondern den Mut und die Kraft hat, er selbst zu sein.“ Silke Osman


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