© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-11 vom 27. August 2011

Farben und Formen erfasst
Vor 50 Jahren starb der Maler Hans Kallmeyer

Er hat nie den Ehrgeiz gekannt, sich einen Platz in der Kunstgeschichte zu sichern; seine Arbeit war bestimmt durch Naturliebe, Beobachtungsgabe und seine handwerkliche Malerei“, schrieb Lothar Kallmeyer über seinen Vater, den Maler Hans Kallmeyer, einmal im Ostpreußenblatt. „Er stellte die Dinge nicht in Frage, sondern näherte sich ihnen ganz direkt und ließ ihnen dabei ihr eigenes Recht. Gerade damit konnte er Bilder schaffen, die seinen ostpreußischen Landsleuten zu Zeichen ihrer Heimat wurden. Mich“, so der Architekt Lothar Kallmeyer, „hat er nicht nur Sehen, sondern auch Erinnern gelehrt.“

Geboren wurde der Künstler Hans Kallmeyer, der ein halbes Jahrhundert in dem Land zwischen Memel und Weichsel verbringen sollte, am 1. September 1882 in Erfurt. Durch die Versetzung des Vaters, eines preußisch-korrekten Offiziers, gelangte die Familie nach Goldap. Dort sowie  in Gumbinnen und Königsberg besuchte Kallmeyer die Schule, studierte in Mansfeld zunächst das Bergfach, dann Jura, um sich schließlich endgültig der Malerei zuzuwenden. Er besuchte die Kunstakademie in Dresden als Schüler von Emanuel Hegenbarth und ließ sich später in Königsberg als freischaffender Maler nieder.

Immer wieder besuchte er die Kurische Nehrung, wo er 1905 als wandernder Student seinem ersten Elch begegnet war. In seiner offenen Art fand er bald, wie Sohn Lothar zu berichten weiß, Kontakt zu den Fischern und Förstern; auch der „Vogelprofessor“ Johannes Thienemann gehörte zu seinen Gesprächspartnern. Mit den Malerkollegen Max Pechstein und Ernst Mollenhauer verband ihn ein freundschaftliches Verhältnis. Ein kleines Atelier im Fischerhaus Sakuth in Nidden-Skrusdin ermöglichte weitere naturnahe Studien der Tierwelt, die es dem Erfurter so sehr angetan hatte.

Die ostpreußische Landschaft mit ihren so typischen Tieren wie dem urwüchsigen Elch, den Hirschen, Seeadlern, Reihern, Kranichen und Wildenten hielt Kallmeyer mit Pinsel und Farbe fest. Dabei kam ihm seine Fähigkeit zugute, Eindrücke präzise zu erfassen. Lothar Kallmeyer: „Meines Vaters Metier war nicht das abstrakte Denken, sondern das Erfassen von Formen und Farben, die spontane Kommunikation im Gespräch, ja auch das freie Fantasieren am Klavier ...“ Daneben war Kallmeyer auch ein begeisterter Sportler, Mitbegründer des Königsberger Sportvereins ASCO; er führte das Eishockeyspiel in Königsberg ein und ebenso neue Speerwurftechniken.

Doch zurück zu seinem künstlerischen Schaffen. Kallmeyer, weithin bekannt (und oft belächelt) als der „Elchmaler“, hat mit seinen Bildern von der ostpreußischen Tierwelt auch nach der Flucht, die ihn nach Bayreuth führte, immer wieder Zeugnis abgelegt von seiner Liebe zu diesem Land. Seine Bilder der Erinnerung sind vielen Ostpreußen ein wertvoller Besitz. Feinsinnig wie er war, zeigte er mit seinem Werk die Schönheit dieses unvergessenen Landes. Hans Kallmeyer starb vor 50 Jahren, am 28. August 1961 in Bayreuth.     Os

Foto: Hans Kallmeyer: Elche vor Dünen


Artikel per E-Mail versenden
  Artikel ausdrucken Probeabobestellen Registrieren