© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 15-12 vom 14. April 2012

Baupfusch an Königsbergs Oberteich
Drei Milliarden Rubel wurden investiert, welche die öffentliche Hand besser hätte einsetzen können

Drei Milliarden Rubel (rund 77 Millionen Euro) wurden für die Verschönerung des Oberteichs ausgegeben. Die einen kritisieren, dass man für das viele Geld bessere Bauarbeiten mit weniger Pfusch hätte erwarten können, die anderen, dass das Geld überhaupt für diesen Zweck ausgegeben wurde.

Seit fünf Jahren wird am Oberteich in Königsberg gebaut. Es sind neue Uferbefestigungen sowie eine Promenade entstanden. Für diese Baumaßnahmen muss­ten alle Bäume und Sträucher in Ufernähe wie auch der Strand weichen. Das Ufer wird von schicken Marmorwänden, Metallkonstruktionen und Mauern begrenzt. Darüber hinaus wurden zwei öffentliche Toiletten aufgestellt, die allerdings ständig defekt sind. Eine Skateboard-Bahn, die eigentlich Jugendliche zur Beschäftigung an der frischen Luft Anreiz bieten soll, beginnt schon zu rosten und teilweise zu verfallen, so dass aus Sicherheitsgründen eine Reparatur dringend notwendig wäre. Auch die mit Granitsteinen verkleidete Uhr mit Barometer hat noch nie die Zeit richtig angezeigt.

All dies wirft kein gutes Licht auf die oft sehr teuren, aus dem Stadtsäckel finanzierten Bauarbeiten in Königsberg. Insgesamt wurden drei Milliarden Rubel (rund 77 Millionen Euro) für die Verschönerung des Oberteichs ausgegeben. Viele Bürger ärgern sich darüber, dass Geld für etwas ausgegeben wird, das ohnehin nach kurzer Zeit wieder verfällt, zumal es in der Stadt wichtigere Probleme gibt, für die das Geld sinnvoller hätte genutzt werden können.

Auch die Seehundskulpturen von Hermann Thiele, die erstmals 1913 am Oberteich aufgestellt worden waren, sind Opfer von Pfusch geworden. Sie befinden sich heute in einem bedauernswerten Zustand. Die regionale Denkmalschutzbehörde hat festgestellt, dass die Arbeiten sehr schlecht ausgeführt wurden. Sie hatte Spezialisten aus St. Petersburg beauftragt, die Restaurierung einer örtlichen Firma zu begutachten. Die Experten bemängelten, dass sich unter der Blumendekoration eine Schicht von Schimmel und Jahre altem Moos befindet, die vor den Restaurierungsarbeiten nicht entfernt worden war. Die dafür verantwortliche Firma hat sich jedoch bislang geweigert, die geforderte Nachbesserung zu erledigen. Experten schätzen den durch derartigen Pfusch entstandenen Schaden auf zirka sieben Millionen Rubel (etwa 180000 Euro).

Doch damit nicht genug. Vor kurzem hatten Unbekannte eine Seehundkralle mit roter Farbe beschmiert. Eine Unsitte, die die Stadt Königsberg schon seit längerem beschäftigt. Ein begehrtes Objekt für Vandalismus sind die kämpfenden Wisente vor dem ehemaligen Lands- und Amtsgericht, der heutigen technischen Universität. Von Zeit zu Zeit werden die Wisente Opfer von Sprayerattacken und Zerstörungswut.     Jurij Tschernyschew


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