© Preußische Allgemeine Zeitung www.preussische-allgemeine.de

Ausgabe 14/20 03.04.20

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Krisen-Management
Lob für Merkel, Tadel für Trump?
Während deutsche Medien die eigene Regierung für deren Agieren in der Krise loben, kritisieren sie den US-Präsidenten scharf. Zu beidem besteht kein Anlass
Hans Heckel

Den Parteien der Großen Koalition wächst in der Corona-Krise viel Vertrauen zu, das sie in den Jahren eines scheinbar unaufhaltbaren Niedergangs zuvor verloren hatten. Die Union hat sich in Umfragen zu ihrem Ergebnis bei der Bundestagswahl von 2017 zurückgearbeitet, die Sozialdemokraten kommen zumindest ein wenig aus dem Tal heraus.

Es ist unübersehbar: Die Deutschen sind in ihrer Mehrheit mit dem Krisenmanagement des Kabinetts Merkel zufrieden. Allerdings bleibt fraglich, inwieweit dieses Vertrauen auf dem tatsächlichen Handeln der Regierung fußt – oder ob es nicht vor allem von ganz anderen Faktoren gestützt wird.

In Krisenzeiten neigen die Menschen – und die Deutschen zumal – dazu, sich um ihre Regierung zu scharen. Opposition wirkt auf viele in solch schweren Tagen fast wie Verrat. Zum Zweiten stehen die dominierenden deutschen Medien fast geschlossen hinter der politischen Führung des Landes. Während etwa in den USA und Großbritannien kontrovers über die Krisenbewältigungsstrategie der Regierungen gestritten wird, scheint sich der Großteil der deutschen Medien auf einen Burgfrieden verständigt zu haben.

Bemerkenswert ist jedoch, dass deutsche Medien mit aller Schärfe in die Kritik an den Regierungen in London und erst recht in Washington einstimmen und dabei Maßnahmen in aller Schärfe kritisieren, die sie, sobald Berlin das Gleiche tut, als besonnen und notwendig loben. Erinnert sei an die Grenzschließung von US-Präsident Trump, die diesseits des Atlantiks scharf verurteilt wurde. Als die Regierung Merkel kurz darauf das Gleiche tat, erntete sie Lob.

Am durchschaubarsten ist der Vorwurf an Trump, zu spät und zu zögerlich gehandelt und die Gefahr unterschätzt zu haben. Es ist erst Wochen her, da wollte auch Bundesgesundheitsminister Spahn nichts wissen von einer besonderen Gefahr für Deutschland durch das Corona-Virus. Doch dies bleibt unkritisiert. Als Kanzlerin Merkel nach wochenlangem Schweigen am 27. Februar endlich einen Krisenstab einberief, hatte Trump diesen Schritt bereits vier Wochen hinter sich.

Nun kommt auch noch ans Licht, dass die Bundesregierung schon vor mehr als sieben Jahren vom Bundesnachrichtendienst auf das Corona-Szenario vorbereitet wurde durch verblüffend detaillierte Warnungen (siehe Seite 12). Doch diese Warnungen führten, wie sich heute schmerzlich zeigt, zu keinerlei verstärkter Krisenvorsorge.  

Corona-Hilfen
Alter Wein in neuen Schläuchen
Mit den Forderungen nach „Corona-Bonds“ versuchen interessierte Kreise, die Krise für alte Forderungen zu instrumentalisieren
René Nehring

Seien wir fair: In nie dagewesenen Situationen wie der Corona-Pandemie gibt es keine Patentlösungen. Deshalb verdient jeder Vorschlag zur Lösung der Krise zunächst Beachtung und Respekt. Dennoch ist es erstaunlich, wie derzeit einige Politiker und Berater versuchen, unter Berufung auf die aktuelle Lage finanzpolitische Maßnahmen zu fordern, mit denen sie bisher nicht durchgedrungen sind. 

So plädierte Grünen-Chef Robert Habeck in der „Welt am Sonntag“ als Zeichen der Solidarität mit den vom Coronavirus besonders betroffenen Euro-Ländern Italien, Spanien und Frankreich für sogenannte „Corona-Bonds“. Mit diesen gemeinschaftlichen „europäischen Anleihen“ sollen die Kosten für die Rettung der angeschlagenen Volkswirtschaften gemeinsam getragen werden. 

Habecks Vorschlag – der dieser Tage auch von anderen zu hören ist – ist freilich nichts anderes als alter Wein in neuen Schläuchen. Schon während der Staatsschuldenkrise der Südeuropäer in den Jahren 2010 ff. war wiederholt die Forderung zu vernehmen, zur Vermeidung der exorbitant hohen Zinssätze für Griechenland, Italien und Spanien doch gemeinsame Anleihen auszugeben, die den EU-Partnern erlauben würden, günstiger an neue Finanzmittel zu kommen. „Euro-Bonds“ nannte man das damals. 

Doch wie vor zehn Jahren ist auch diesmal Vorsicht geboten. Denn die Euro-Länder und die EZB blieben seinerzeit keineswegs tatenlos. 2012 gründeten sie als Teil des „Euro-Rettungsschirms“ den Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM, der gefährdete Staaten mit Krediten und Bürgschaften solange förderte, bis diese selbst wieder zu normalen Konditionen an den Finanzmärkten Geld leihen  konnten. Der Unterschied zu den geforderten „Euro-Bonds“ freilich war, dass die bedürftigen Länder die ESM-Mittel nur dann bekamen, wenn sie sich strikten Maßnahmen zur Sanierung ihrer Haushalte unterwarfen. 

Auch jetzt steht der ESM zur Finanzierung notwendiger Wirtschaftshilfen zur Verfügung. Wer dennoch „Corona-Bonds“ fordert, will also in Wirklichkeit keine finanzielle Förderung für die betroffenen EU-Länder, sondern zurück zu einem unkontrollierten „Laissez-faire“ in den öffentlichen Haushalten. Erwähnt sei hierzu noch, dass derzeit kein Euro-Land Probleme hat, überhaupt Geld an den Kapitalmärkten zu leihen. Dies nicht zuletzt, weil die anderen Mitglieder der Euro-Zone seinerzeit hartnäckig geblieben sind und „Euro-Bonds“ eine Absage erteilt haben. 

S. 2 Hintergrund

Uniter Laut Medienberichten formiert sich in Deutschland eine Untergrundbewegung mit Verbindungen zu rechtsextremen Netzwerken. Doch die Sicherheitsbehörden halten sich mit derlei Bewertungen bisher zurück
Eine „Schattenarmee“?
Wie diverse Behörden den Verein auf Herz und Nieren geprüft haben
Wolfgang Kaufmann

Seit Ende 2018 argwöhnen Blätter wie die linksorientierte „taz“, aber auch das Wochenmagazin „Focus“, dass sich in Deutschland eine „Schattenarmee“ formiere, die mit rechtsextremen Netzwerken in Verbindung stehe. Wichtiger Teil dieser Bewegung soll der Verein Uniter sein, zu dessen Leitsprüchen die deutsche Übersetzung seines lateinischen Namens gehört: „in eins verbunden“.

Soldaten, Polizisten, Wachleute

Erklärter Zweck des 2012 in Halle an der Saale entstandenen Vereins ist es, ehemalige und aktive Elitesoldaten, Polizisten und Personenschützer deutschlandweit zu vernetzen und bei Bedarf neue Tätigkeitsperspektiven außerhalb des Staatsdienstes zu eröffnen. Darüber hinaus will er den Angehörigen des Kommandos Spezialkräfte der Bundeswehr die Möglichkeit verschaffen, ihr „Berufsrisiko“ zusätzlich privat zu versichern. Nach internen Querelen löste sich der Verein bald wieder auf.

Im Sommer 2016 erfolgte eine Neugründung. Anschließend wuchs die Mitgliederzahl auf über 2000, darunter nun auch Anwälte, Feuerwehrleute sowie drei CDU-Politiker aus Sachsen-Anhalt: Robert Möritz, Kai Mehliß und Theodor Schöpfel. Die Leitung des Vereins, der angeblich einem „Kontinentalen Oberkommando“ für Europa untersteht, hatte bis Ende 2019 der Ex-Soldat und Manager in der Firma Faro Technologies, Marco D’Arcangelo, inne.

Der Verfassungsschutz prüft

Weil einer der Uniter-Gründer mit dem unter Terrorverdacht stehenden Bundeswehroffizier Franco Albrecht und mutmaßlich rechtsextremen Netzwerken wie der Gruppe „Nordkreuz“ in Verbindung gebracht wurde, begannen 2019 weitere deutsche Medien, die Tätigkeit des Vereins zu skandalisieren. Gleichzeitig eröffnete die Generalbundesanwaltschaft einen „Beobachtungsvorgang“. In dessen Rahmen wurde geprüft, ob konkret greifbare Verdachtsmomente bestehen, die ein Ermittlungsverfahren rechtfertigen. Dies musste bis zum heutigen Tage verneint werden. Das hinderte das Bundesamt für Verfassungsschutz und das Bundesamt für den Militärischen Abschirmdienst (BAMAD) indes nicht daran, eine gemeinsame „Arbeitsgruppe Reservisten“ ins Leben zu rufen, um „mögliche Extremismusbezüge“ bei Uniter aufzudecken. Darüber hinaus betrachtet der Verfassungsschutz den Verein seit Mitte Februar 2020 als „Prüffall“, weil er „erste tatsächliche Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung“ sieht. Ein „Prüffall“ ist aber nicht mehr als die Vorstufe zum „Verdachtsfall“, aus dem dann später möglicherweise ein offizieller „Beobachtungsfall“ erwachsen kann.

Trotzdem wurde Uniter damit substanziell getroffen. Die Mitgliederzahl sank schlagartig auf unter 1000, weil viele Staatsdiener sich zum Austritt genötigt sahen. Gleichzeitig erkannten die Behörden dem Verein die Gemeinnützigkeit ab. Die Führung von Uniter reagierte darauf mit einer Verlagerung des Vereinssitzes von Stuttgart nach Rotkreuz im Schweizer Kanton Zug. Seitdem unterliegt Uniter der Zuständigkeit des eidgenössischen Nachrichtendienstes des Bundes (NDB), der keinerlei Gefahrenmomente sieht.

Bisher keine Straftaten gefunden

Und auch die deutsche Bundesregierung, beziehungsweise das Bundesverteidigungsministerium und das Bundesamt für Verfassungsschutz, mussten auf Anfrage der Medien immer wieder eingestehen, dass man Uniter nicht eine einzige strafrechtlich relevante Handlung habe nachweisen können. Ebenso konstatierte der BAMAD-Chef Christof Gramm am 29. Oktober 2019 vor dem Parlamentarischen Kontrollgremium zur Überwachung der Nachrichtendienste, bisher seien keine gewaltbereiten rechtsextremen Netzwerke in der Bundeswehr gefunden worden.





Kurzporträts

Der CDU-Kommunalpolitiker Robert Möritz aus Sachsen-Anhalt stürzte Ende 2019 unter anderem über seine Mitgliedschaft in dem Verein Uniter

Im Umgang mit dem Uniter-Mitbegründer Ringo L. gab sich der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) auffallend inkonsequent

Trotz intensiver Bemühungen des Militärischen Abschirmdienstes kann Behördenchef Christof Gramm kein belastendes Material über Uniter vorlegen

„In eins verbunden“
Ein „Netzwerk für Sicherheit“
Konkrete Aktivitäten des Vereins Uniter – die Kontakte reichen bis in die Wirtschaft und in den Sport hinein

Die konkreten Aktivitäten des Vereins Uniter, der sich selbst als „Netzwerk für Sicherheit“ bezeichnet, sind überaus vielgestaltig. So unterhält er beispielsweise die Medical Response Unit (MRU), eine Sanitäter-Gruppe, die unter anderem schon bei Fußballspielen in Erscheinung trat. 2019 schulte die MRU zudem Angehörige der staatlichen Sicherheitsorgane auf den Philippinen in Techniken der Notfallmedizin sowie im richtigen Verhalten in Extremsituationen. Was für die Tageszeitung „taz“ insofern ein ernsthaftes Problem darstellte, als es sich bei den Teilnehmern an der Maßnahme offensichtlich um Anhänger des gewählten Präsidenten Rodrigo Duerte handelte.

Hinzu kamen Kurse zum Thema Krisenvorsorge, das den linken Medien ebenfalls per se verdächtig war – jedenfalls bis Corona kam. Mit Schlagwörtern wie „paramilitärisch anmutend“ wurde verschleiert, dass es an den Schulungen und Übungen im Training Center Retten und Helfen in Mosbach nichts Nennenswertes zu beanstanden gab.

„Paramilitärisch anmutend“

Angeblich soll auch eine „bewaffnete Kampfeinheit“ von Uniter namens „Defence“ in Mosbach gesichtet worden sein. Der Verein selbst spricht indes von Selbstverteidigungskursen mit Waffenattrappen. Fest steht hingegen, dass Uniter-Mitglieder in privaten Sicherheitsunternehmen tätig sind. Einige von ihnen kamen im Juni 2019 bei den Demonstrationen gegen den Energiekonzern RWE zum Einsatz. Sie hatten die Aufgabe, militante „Umweltaktivisten“ daran zu hindern, in den Braunkohlentagebau Garzweiler einzudringen. 

Aus einer Website des Vereins ging 2019 hervor, dass er auf nationaler und internationaler Ebene Stellen als Personen- und Objektschützer, Fahrer „sondergeschützter Fahrzeuge“ sowie Polizeiausbilder im Regierungsauftrag vermittelte. Hierbei dürfte es sich nicht bloß um Prahlerei gehandelt haben, wie von manchen Blättern unterstellt wurde. Immerhin reichen die Kontakte von Uniter tatsächlich bemerkenswert weit. 

Breite Vernetzung

So gehörte eines seiner Mitglieder zu den Personenschützern, die der Deutsche Fußball-Bund zum Schutz der Nationalmannschaft angeheuert hatte. Und der Sicherheitschef des Autovermieters Sixt war ebenfalls bei Uniter aktiv. Das Gleiche gilt für einen leitenden Mitarbeiter des Rüstungsunternehmens Diehl Defence in Überlingen, das bestens mit ausländischen Firmen vernetzt ist. Dies alles deutet nicht gerade darauf hin, dass Uniter einer „rechtsextremen verfassungsfeindlichen Schattenarmee“ angehört.W.K.

Ringo
Ein LfV-Mann gehörte zu den Neubegründern

Zu den Neubegründern des zwischenzeitlich aufgelösten Vereins Uniter, der jetzt im Fokus des Verfassungsschutzes steht, gehörte auch ein Mitarbeiter ebendieser Behörde. Ja, mehr noch: Ringo L. (heute Ringo M.) vom Stuttgarter Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) Baden-Württemberg avancierte im Sommer 2016 sogar zum Vorstandsvorsitzenden von Uniter. Diese Position hatte er bis zum 16. Januar 2017 inne. Dann zog L. sich zurück – angeblich „aus dringenden privaten Gründen“.

Die Personalie L. beziehungsweise M. ist gleich aus mehreren Gründen bemerkenswert. L. war von 2005 bis 2013 Truppführer im Zug 523 der Beweissicherungs- und Festnahme-Einheit der baden-württembergischen Bereitschaftspolizei in Böblingen und damit unmittelbarer Vorgesetzter der angeblich vom Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) erschossenen Beamtin Michèle Kiesewetter. 2013 wechselte er zunächst ins Innenministerium und im Herbst 2015 schließlich zum Verfassungsschutz. Dort gehörte der zeitweilige Uniter-Chef L. der Abteilung Internationaler Extremismus und Terrorismus an. Allerdings nur bis Ende 2018. Dann berichtete die „taz“ über die frühere Rolle von L. innerhalb des Vereins. Daraufhin sah sich der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) veranlasst, den Beamten zu versetzen, da er „nicht mit Sicherheit ausschließen“ könne, dass dessen Mitgliedschaft bei Uniter „die Integrität der Sicherheitsbehörden von Bund und Land“ tangiere.

L., der sich nun M. nannte, landete daraufhin bei der Kriminalpolizei. Auf Rückfragen seitens der Presse teilte das Stuttgarter Innenministerium im März 2020 mit, die Sicherheitsüberprüfungen hätten „keine Hinweise auf eine extremistische Gesinnung des Mitarbeiters“ ergeben. L. hob also als Verfassungsschützer einen Verein mit aus der Taufe, der jetzt als mögliches Beispiel für die rechtsextreme Unterwanderung der deutschen Sicherheitsbehörden sowie der Bundeswehr hingestellt wird.W.K.

S. 3 Seite drei

Streitbare Begleiterin des Zeitgeschehens
Von Beginn an war das Ostpreußenblatt und später die Preußische Allgemeine Zeitung eine besondere Stimme in der Presselandschaft. Rückblicke auf 70 Jahre Blattgeschichte – und Ausblicke auf die Zukunft
René Nehring

Am Anfang stand ein Fluchtbericht. Am 5. April 1950 erschien mit 48 Seiten im Berliner Format die erste Ausgabe des Ostpreußenblatts. „Der Passionsweg einer tapferen ostpreußischen Frau“ lautete die erste Titelgeschichte. Ein paar Tage zuvor war eine Probeausgabe erschienen, in der die Notwendigkeit eines eigenen „Organs der Landsmannschaft Ostpreußen e.V.“, so der Untertitel der Zeitung, erläutert wurde. 

Anfänge als Verbandsorgan

In den ersten zwei Jahrzehnten war das Ostpreußenblatt im wesentlichen eine klassische Verbandszeitung. Die Artikel thematisierten die Schicksale und sozialen Nöte der Vertriebenen aus dem deutschen Osten; sie halfen bei der Erfassung und Zusammenführung der während der Flucht und Vertreibung versprengten Landsleute; sie gaben Lebenshilfe bei der Integration in die sich neu formierende Gesellschaft der drei West-Zonen und später der Bundesrepublik; und natürlich thematisierte das Ostpreußenblatt auch und gerade die politischen Forderungen der ostdeutschen Landsmannschaften (unter anderem in der Frage des Lastenausgleichs). 

Eine wichtige Aufgabe des Blatts war naturgemäß die Bewahrung der ostpreußischen Identität im Nachkriegsdeutschland. Umgeben von Holsteinern, Hannoveranern, Westfalen, Rheinländern, Hessen, Schwaben oder Bayern wurde das Ostpreußenblatt für viele Landsleute zur wahren Ersatzheimat. Artikel und Geschichten aus der Feder von Agnes Miegel, Hansgeorg Buchholtz, Erminia v. Olfers-Batocki und vielen anderen hielten die Erinnerung an das „Land der dunklen Wälder und kristall’nen Seen“ wach. Eine Mitwirkende der ersten Stunde war die unvergessene Ruth Geede, die fast 70 Jahre lang diese Zeitung prägte wie niemand sonst, bis sie im Frühjahr 2018 mit 102 Jahren als älteste aktive Journalistin der Welt verstarb. 

Mahnende Stimme im geteilten Deutschland

Als sich zu Beginn der 1970er Jahre die Lage der Vertriebenen änderte, wandelte sich auch der Charakter des Ostpreußenblatts. Die gröbsten Nöte der Nachkriegszeit für die Ostpreußen, Pommern, Schlesier, Sudetendeutschen etc. waren überwunden. Fast alle Landsleute aus dem Osten hatten inzwischen eine feste Bleibe und eine Erwerbstätigkeit gefunden. Entsprechend rückten soziale Themen in den Hintergrund. 

Um so wichtiger wurden die politischen Grundsatzfragen. In der Frühphase der Bundesrepublik waren die Vertriebenenverbände die größte politische Kraft im Lande; zu ihren Treffen kamen Hunderttausende – und alle politischen Parteien warben bei Wahlen lange Zeit um ihre Stimme. Dies änderte sich mit der „Neuen Ostpolitik“ der sozialliberalen Bundesregierung zu Beginn der siebziger Jahre. Hatten bis dato alle Parteien – einschließlich der SPD – Parolen wie „Dreigeteilt niemals“, „Das ganze Deutschland soll es sein“ oder „Verzicht ist Verrat“ verkündet, so wechselten die Sozialdemokraten nach dem Amtsantritt des Bundeskanzlers Willy Brandt ihren deutschlandpolitischen Kurs und suchten die Verständigung mit der DDR sowie mit der Volksrepublik Polen und der Sowjetunion. 

Auf diese Entwicklung reagierte auch das Ostpreußenblatt. In Zeiten, in denen immer mehr Rufe zu vernehmen waren, doch endlich die Realitäten der Nachkriegszeit anzuerkennen, erinnerte diese Zeitung als eine der wenigen publizistischen Stimmen konsequent an das oberste Ziel der Verfassung, „in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden“. Da das „Verbandsorgan für die Landsmannschaft Ostpreußen e.V.“ sein Themenspektrum längst erweitert hatte, war es nur konsequent, dass das Ostpreußenblatt vom 7. April 1973 an im Untertitel „Unabhängige Zeitung für Deutschland“ hieß. Den damaligen Aufmacher schrieb kein geringerer als der nachmalige Bundespräsident Karl Carstens. 

Wer die Artikel und Interviews jener Zeit heute liest, findet dort keineswegs die „revanchistischen“ oder „ewiggestrigen“ Töne, wie sie den Vertriebenenverbänden von Kritikern immer wieder unterstellt worden sind, sondern durchaus zahlreiche Bekenntnisse zu einem Europa freier Nationen, in dem jedoch auch die Deutschen ein Recht auf Selbstbestimmung über ihre inneren und äußeren Angelegenheiten haben sollten. Entschieden gefordert wurde, das Ziel der Einheit der geteilten Nation nicht aufzugeben; und kritisiert wurde, dass die Bundesrepublik mit der Ostpolitik wesentliche Positionen aufgab, ohne von den östlichen Nachbarn angemessene Gegenleistungen zu erhalten. 

Prominente Gesprächspartner des Ostpreußenblatts in jener Zeit waren unter anderem der damalige Oppositionsführer Helmut Kohl, der vormalige Postminister und spätere Bundestagspräsident Richard Stücklen, der frühere Ministerpräsident, Bundesminister und ebenfalls Bundestagspräsident Kai Uwe von Hassell sowie Otto von Habsburg. Dass neben den Vertretern der Landsmannschaft Ostpreußen auch die Schlesier Herbert Hupka und Herbert Czaja regelmäßig für das Ostpreußenblatt schrieben, belegt die führende Rolle dieser Zeitung im Vertriebenenbereich. 

Zu neuen Ufern

Nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ rückten zunehmend Artikel über die wieder erfahrbare Heimat ins Blatt, darunter Berichte von Hilfstransporten – vor allem ins Königsberger Gebiet und ins Memelland – und Schilderungen erster Wiederaufbauprojekte für während der kommunistischen Zeit verfallene Kirchen. Auch die allmählich entstehenden Partnerschaften zwischen den Gliederungen der Landsmannschaft und den heutigen Gebietskörperschaften in Ostpreußen wurden im Ostpreußenblatt breit beschrieben. 

Parallel dazu vollzog sich ein Generationenwechsel in der Mitgliedschaft der Landsmannschaft und unter den Lesern ihrer Zeitung. Rund 50 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gab es immer weniger Landsleute, die Ostpreußen noch bewusst als Kind oder junge Erwachsene erlebt hatten. 

Um mit der Zeitung neue Zielgruppen ansprechen zu können, leiteten die Redaktion und die Landsmannschaft als Herausgeberin ab der zweiten Hälfte der neunziger Jahre grundlegende Veränderungen ein. So bekam das Ostpreußenblatt 1997 einen eigenen Internetauftritt; wenig später kam die gelegentliche Beilage Preußische Zeitung hinzu. Technische Innovationen waren die Einführung des Farbdrucks sowie die Umstellung auf das Rheinische Format. Zu Ostern 2003 wurde dann aus dem Ostpreußenblatt die Preußische Allgemeine Zeitung. Der ursprüngliche Name blieb jedoch im Inneren – quasi als ostpreußischer Lokalteil – erhalten. 

Mit der Namensänderung vollzog sich eine abermalige Erweiterung des Themenspektrums. Die PAZ wurde zu einer streitbaren Begleiterin der Zeitläufte; sie setzte sich unter anderem kritisch mit der steigenden Staatsverschuldung, der Finanzpolitik von EU und EZB sowie der ungesteuerten Migrationspolitik auseinander. Gleichwohl blieb die Zeitung auch unter dem neuen Namen ihren Wurzeln treu. So erinnert sie weiter an die deutschen Opfer in den Weltkriegen, vor allem an die Flüchtlinge und Vertriebenen aus dem Osten. Seit Juni 2018 erscheint zudem die Pommersche Zeitung als wöchentliche Beilage der PAZ.

Zum 70. den Blick nach vorn

Ende 2019 erhielt die PAZ ein neues Layout. Diese Auffrischung war erforderlich, da zum einen die in die Jahre gekommene Technik und das Graphikprogramm erneuert werden mussten; zum anderen galt und gilt es, Antworten auf den digitalen Wandel unserer Gesellschaft zu finden und die Zeitung auch für jüngere Lesergruppen attraktiv zu gestalten. Erfreulicherweise hielt sich die Kritik an diesem Schritt unter den bisherigen Lesern, die ihre gewohnte PAZ seit vielen Jahren schätzen und lieben, in Grenzen. 

Nun geht die PAZ einen weiteren Schritt. Waren zu vergangenen runden Jahrestagen Beilagen erschienen, die ausführlich die Geschichte dieser Zeitung erzählten, so gibt es zum 70. Geburtstag von Ostpreußenblatt und Preußischer Allgemeiner Zeitung einen neuen Internetauftritt: Unter „www.paz.de“ können Sie künftig im Design der gedruckten Zeitung ausgewählte Beiträge aus der Print-Ausgabe kostenlos lesen – oder die gesamte Online-Ausgabe der PAZ als E-Paper erwerben. 

Mit diesem Schritt richten Redaktion und Herausgeberin den Blick bewusst nach vorn. Auf dass die Preußische Allgemeine Zeitung auch in Zukunft eine starke Stimme in unserer Medienlandschaft bleibt – als einzigartige publizistische Brücke zwischen dem Gestern, Heute und Morgen, zwischen den Ländern und Regionen in West und Ost – sowie als offenes Debattenforum im Sinne des traditionellen preußischen Wertekanons, zu dem religiöse und weltanschauliche Toleranz ebenso gehören wie Heimatliebe und Weltoffenheit, wie Rechtsstaatlichkeit und intellektuelle Redlichkeit. Ad multos annos! 

Wie alles begann Lesen Sie zum Jubiläum Ruth Geedes Erinnerungen an die Anfangsjahre des Ostpreußenblatts unter www.paz.de 





Schlaglichter der Geschichte

1950

Am 5. April 1950 erschien die erste Ausgabe des Ostpreußenblatts in einer fast schon magazinartigen Aufmachung. Das programmatische Titelthema war der Leidensweg einer Ostpreußin. 

Vom 1. Januar 1951 an erschien das „Organ der Landsmannschaft Ostpreußen e.V.“ im typischen Zeitungslayout jener Jahre (rechts).  

1973

Vom 7. April 1973 an führte das Ostpreußen-blatt den Untertitel „Unabhängige Wochenzeitung für Deutschland“. Den Aufmacher schrieb niemand geringeres als der spätere Bundespräsident Karl Carstens.  

2003

Am 19. April 2003 wurde aus dem Ostpreußenblatt die Preußische Allgemeine Zeitung. Der alte Name blieb jedoch im Untertitel erhalten.

2019

Am Nikolaustag 2019 erhielt die PAZ ein vollständig neues Gewand. Sie erscheint nun in einem zeitgemäßen magazinartigen Layout.

2020

Zu ihrem 70. Geburtstag am 5. April erhält die PAZ eine vollständig neue Webseite: paz.de

S. 4 Deutschland

Immigration
Asyl in Zeiten von Corona
Das UN-Resettlement-Programm wird ausgesetzt, aber die EU-Umverteilung nicht
Bodo Bost

Eine Pandemie kann Gesellschaften im Laufe von wenigen Tagen verändern und zum Umdenken zwingen. Auch Flüchtlingsströme können von Pandemien beeinflusst und von diesen sogar umgeleitet werden. So stellen immer mehr im Mittelmeer tätige Schlepperschiffe ihre Dienste für Migranten ein. Nicht, dass etwa plötzlich in Libyen keine Migranten mehr wären, nur wollen diese nicht mehr nach Italien. 

Es hat sich selbst in den Migrantenzentren in Libyen herumgesprochen, dass Italien das Hauptrisikoland der Corona-Pandemie geworden ist. Einige der Herkunftsländer der schwarzafrikanischen Migranten sind dagegen bislang noch Corona-frei. Dies könnte zum ersten Mal seit Jahren zu einer freiwilligen Umkehrbewegung der Armutsmigration wieder Richtung Süden führen. 

Asylantrag nur nach Corona-Test

Auch in Deutschland wird es technisch infolge von Corona immer schwieriger, einen Asylantrag zu stellen. Seit die Bundesrepublik ihre Grenzen wieder fast überall bewacht und grundsätzlich nur noch Deutsche einreisen dürfen, kommt es bereits in Zehntausenden von Fällen zu Zurückweisungen an der Grenze. 

Das Zauberwort Asyl, das bislang wie ein „Sesam öffne dich“ gewirkt hat, reicht jetzt einfach nicht mehr, um durchgelassen zu werden. Selbst ausländischen EU-Bürgern und deren Familienangehörigen sowie Briten, Isländern, Liechtensteinern, Norwegern und Schweizern werde die Einreise in die Bundesrepublik nur zum Zwecke der Durchreise in den Heimatstaat gestattet, erklärte das Bundesinnenministerium. Drittstaatsangehörige brauchen an der Grenze entweder einen Aufenthaltstitel oder ein längerfristiges Visum samt dazugehörigen Dokumenten. Außerdem müssen sie erklären, wo sie herkommen und mit wem sie Kontakt hatten. Machen sie das nicht, werden auch sie an der Grenze zurückgewiesen. 

All dies benötigten Asylbewerber bislang nicht. Sie brauchten keine Dokumente oder Visa, Angaben zum Namen waren freiwillig. Eine solche Großzügigkeit kann in Zeiten von Corona, wo es darum geht, Ansteckungs- und auch Migrationswege zum Schutze der Allgemeinheit lückenlos aufzuklären, tödlich sein. 

Für diejenigen Immigranten, denen es gelingt, trotz Kontrollen über die grüne Grenze nach Deutschland zu gelangen, ist das Recht, einen Asylantrag zu stellen, zwar durch Corona eingeschränkt, aber nicht ausgesetzt, wie etwa in Griechenland. So dürfen laut einem Sprecher des Bundesinnenministeriums Immigranten einen Asylantrag stellen, wenn sie vorher negativ auf das Virus getestet wurden oder eine 14-tägige Quarantäne nachweisen können. 

Corona-Fälle auf den Inseln

Die humanitären Migranten-Aufnahmeverfahren von außerhalb der EU sind wegen verschiedener Reisebeschränkungen und operativer Einschränkungen faktisch zum Erliegen gekommen. Ausgesetzt sind nach Angaben des Ministeriums auch die Resettlement-Verfahren, über die als besonders schutzbedürftige Flüchtlinge eingestufte Personen etwa aus ausländischen Migrantenlagern direkt in die Bundesrepublik geholt werden. Das Umsiedlungs-Programm läuft in Zusammenarbeit mit dem Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR, United Nations High Commissioner for Refugees). Für dieses Jahr hatte die Bundesregierung 5500 Plätze zugesagt. 

Dessen ungeachtet sollen weiterhin als minderjährig geltende Migranten von den griechischen Inseln, auf denen bereits Corona-Fälle nachgewiesen wurden, in andere EU-Staaten verteilt werden. Unbeantwortet bleibt dabei die Frage, was es nutzen soll, den Tourismus weltweit zu verbieten, wenn der Asyl-Tourismus aus sogenannten humanitären Gründen entsprechend den Forderungen der Grünen und Linken weiter zugelassen wird. Unlängst wurde in einem Asylbewerberaufnahmezentrum in Suhl ein afghanischer Immigrant, der als Asyl-Tourist über Schweden eingereist war, positiv auf Corona getestet, woraufhin die Behörden das gesamte Lager inklusive Betreuungspersonal zwei Wochen lang unter Quarantäne gesetzt hat.

AfD
Eine bange Frage treibt die Alternative um
Nimmt der Verfassungsschutz nach der Auflösung des „Flügels“ nun die Gesamtpartei ins Visier?
Peter Entinger

 „Zweck erfüllt“, lautete das knappe Fazit der Landesvorsitzenden von Thüringen und Brandenburg, Björn Höcke und Andreas Kalbitz. Auf eine große Machtprobe wollten es die beiden Protagonisten des sogenannten Flügels dann doch nicht ankommen lassen. Wohlwissend, dass eine Spaltung der AfD dann wohl unausweichlich geworden wäre. Zwar vertreten Höcke und Kalbitz den Standpunkt, man könne nicht auflösen, was formal gar nicht existiere, sie riefen ihre Anhänger aber immerhin dazu auf, „alle Aktivitäten im Rahmen des Flügels“ einzustellen. 

Wenn es sich der Auffassung von Höcke und Kalbitz nach beim „Flügel“ auch lediglich um einen losen Zusammenschluss Gleichgesinnter gehandelt habe, so steht doch außer Frage, dass dieser gerade vor Parteitagen ein erhebliches Mobilisierungspotenzial besaß. Kritiker wie Pazderski oder Junge wurden während des vergangenen Bundesparteitages abgestraft, auch, weil die „Flügel“-Führung vorher den Daumen gesenkt hatte. 

Vor allem sorgte die Gruppierung des „Flügels“, dem sich etwa 7000 der rund 35 000 Parteigänger zugehörig gefühlt haben sollen, für einen heftigen Ost-West-Konflikt. „Im Osten ist mit ihm auch durch das Bündnis mit Bürgerbewegungen etwas sehr Positives entstanden, das bei Wahlen gut funktioniert. Im Westen ist das Bild eher negativ, weil es dort im Zusammenhang mit dem Flügel zu Ausgrenzungen und Streitereien gekommen ist“, erklärte der AfD-Ehrenvorsitzende Alexander Gauland gegenüber der „Welt“. 

Dieser Einschätzung konnte sich auch Höcke nicht ganz verschließen. Der „Flügel“ sei einerseits Motor vieler Wahlerfolge im Osten gewesen, habe andererseits aber auch nicht nur politikfähige Menschen angezogen. Damit dürften vor allem ehemalige Funktionäre aus Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen gemeint sein, die dort für heftige Streitigkeiten gesorgt hatten. 

Die Debatte um die Auflösung erfolgte zu dem Zeitpunkt, als das Bundesamt für Verfassungsschutz die Gruppe als extremistisch eingestuft hatte. Der Thüringer Verfassungsschutz sieht in der Vorgehensweise „eine Nebelkerze“. Viel wichtiger sei, ob sich die Partei tatsächlich vom „Flügel“ distanziere. „Davon ist bisher nicht sehr viel zu sehen“, sagte Behördenleiter Stephan Kramer (SPD). 

Innerhalb der AfD wird hinter vorgehaltener Hand inzwischen die Befürchtung geäußert, durch den Wegfall der „Flügel“-Struktur könnte nun die ganze Partei ins Visier des Inlandgeheimdienstes geraten. 

Meldungen

Zumutungen fürs Klima

Frankfurt am Main – Hans Joachim Schellnhuber, Gründer und bis 2018 Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, hat in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ („FR“) dargelegt, welche Lehren aus der „Corona-Krise“ für die weitere Klimapolitik zu ziehen seien. Der von der „FR“ als „Deutschlands renommiertester Klimaforscher“ vorgestellte 69-Jährige betont, man solle „den Experten gut zuhören“. Wie bei dem Virus drohe beim „menschengemachten Klimawandel“ ebenfalls „ein Verlauf, der sich mit den Standardpraktiken des politischen Geschäfts nicht mehr beherrschen“ lasse. Ihm schwebe ein „Klima-Corona-Vertrag“ vor, bei Corona würde die Solidarität der Jüngeren mit den Älteren eingefordert, beim Klima sei es umgekehrt. Er ist zuversichtlich, dass die Bevölkerung auch künftige Klima-Zwangsmaßnamen hinnehmen würde: „Wir erleben ja gerade, dass solche Zumutungen – bis hin zur Ausgangssperre – akzeptiert werden, wenn deren Notwendigkeit gut begründet ist.“E.L.





Heimische Arznei fördern

Berlin – Angesichts der Versorgungsengpässe bei medizinischen Produkten wie Atemschutzmasken oder Schutzanzügen während der aktuellen Corona-Krise erwägt Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), künftig die Produktion medizinischer Güter in Deutschland per Gesetz festzuschreiben. Der Bund könne ein entsprechendes Gesetz erlassen. Der Minister begründete seinen Vorstoß damit, dass es nicht sein könne, dass Deutschland im Krisenfall auf Lieferungen aus China angewiesen ist. Deshalb sei es wichtig, die Herstellung dieser wichtigen medizinischen Produkte hierzulande zu erhöhen, damit im Krisenfall eine ausreichende Reserve zur Verfügung steht.MRK





Neue Studie zur Pandemie 

Braunschweig – Das Helmholtz-Institut für Infektionsforschung in Braunschweig hat eine Meldung des „Spiegel“ bestätigt, wonach deutsche Forscher eine Studie vorbereiten, in der Forschungsergebnisse darüber vorgestellt werden, wie viele Patienten nach einer Corona-Infektion immun gegen die Lungenkrankheit Covid-19 sind und Antikörper gebildet haben. Die Wissenschaftler beabsichtigen, dazu das Blut von mehr als 100 000 Infizierten auf Antikörper gegen das Coronavirus zu untersuchen. An der Untersuchung wollen sich neben dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung unter anderem Blutspendedienste, dass Robert-Koch-Institut sowie das Institut für Virologie der Charité in Berlin beteiligen. Die Beteiligten hoffen, bis Ende April die Ergebnisse ihrer Forschung als Studie veröffentlichen zu können. Sie könnte Aufschluss über die Entwicklung der Pandemie geben und die Empfehlungen zur Aufhebung von Kontaktsperren oder Schul- und Kindergartenöffnungen erleichtern. MRK

S. 5 Preussen & Berlin

GrenzPendler
Warschau zwingt zur Wahl
Verschärfte Einreiseregelungen: In Deutschland arbeitende Polen stehen vor schwerer Entscheidung
Norman Hanert

Nachdem Polens Regierung durch die überraschende Wiedereinführung von Kontrollen an Oder und Neiße ein tagelanges Chaos auf deutschen Autobahnen ausgelöst hatte, folgte Ende März die nächste Maßnahme mit schwerwiegenden Folgen.

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, verschärfte Warschau die Einreiseregeln und stellte damit die vielen Polen, die als Berufspendler im Ausland ihr Brot verdienen, vor eine schwierige Wahl. Relativ kurzfristig forderte Innenminister Micha? Kaminski am 25. März polnische Pendler auf, innerhalb von zwei Tagen ihre berufliche Situation zu regeln. Für Polen, die nach dem 27. März aus anderen Ländern zurückkehren, bedeutet diese Regelung, dass sie zunächst 14 Tage unter Quarantäne verbringen müssen.

Warschaus Aussetzung der Schengenregelung für Arbeitnehmer bedeutet nicht nur für die Pendler einen harten Einschnitt. Nach Angaben von Wirtschaftsverbänden pendeln allein in die Region Berlin-Brandenburg rund 17 000 Polen regelmäßig zur Arbeit. Die Menschen, die meist aus der Neumark anreisen, arbeiten als Ärzte und Krankenschwestern, in der Altenpflege, als Reinigungskräfte, Kraftfahrer oder Handwerker. Auch in der märkischen Landwirtschaft sind polnische Erntehelfer seit vielen Jahren kaum wegzudenken. Bleiben die Pendler nun aus, dann hat dies insbesondere für den Ostteil des Bundeslandes Brandenburg weitreichende Folgen. 

17 000 kommen regelmäßig

Carsten Christ, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostbrandenburg, warnte nach Bekanntwerden der polnischen Einreiseregelung, der Mangel an Arbeitskräften „macht es noch schwieriger, die Wirtschaft in der Grenzregion am Laufen zu halten“. Besonders gravierende Folgen drohen in der medizinischen Versorgung: In einigen märkischen Krankenhäusern liegt der Anteil polnischer Berufspendler unter den Ärzten bei fast der Hälfte. 

Allein im Asklepios Klinikum in Schwedt arbeiten 55 polnische Ärzte und Krankenschwestern. Nachdem die Regierung in Warschau ihre Quarantäneregelung angekündigt hatte, loten die betroffenen Krankenhäuser nun verschiedene Lösungswege aus: Einige Kliniken bieten den pendelnden Ärzten beispielsweise an, sie in Hotels unterzubringen. Nachdem sie zwei Wochen am Stück arbeiten, sollen die Ärzte dann zwei Wochen frei erhalten, in denen sie dann wieder in ihre Heimatorte reisen können.

Alarmiert von der jüngsten Entwicklung sind auch Agrarbetriebe in Brandenburg und in ganz Deutschland. Aus Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus oder aus Sorge vor Quarantäneregelungen in ihren Heimatländern haben viele osteuropäische Erntehelfer bereits in der zweiten Märzhälfte ihre Saisonarbeit auf deutschen Feldern für dieses Jahr abgesagt. Am 25. März hat das Bundesinnenministerium Saisonarbeitern aus Nicht-Schengen-Staaten, wie etwa Rumänien und Bulgarien, obendrein die Einreise nach Deutschland untersagt.

Üblicherweise kommen jedes Jahr bis zu 300 000 Erntehelfer, zumeist Polen und Rumänen, nach Deutschland. Brandenburgs Finanz- und Europaministerin Katrin Lange (SPD) hat zusammen mit Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) inzwischen eine Regelung angekündigt, wonach polnische Berufspendler in Brandenburg eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 65 Euro pro Tag erhalten sollen. Dazu will das Land für jedes Familienmitglied des Beschäftigten, das sich im Land Brandenburg aufhält, noch täglich zusätzlich 20 Euro zahlen. 

Posse um junge Mediziner

Der Freistaat Sachsen hat eine ähnliche Regelung für Pendler auch aus Tschechien auf den Weg gebracht. Bislang noch keine Lösung ist beim Problem der deutschen Medizinstudenten erreicht, die an polnischen Universitäten studiert haben (PAZ 8/2020). Während im ganzen Land extreme Anstrengungen laufen, das deutsche Gesundheitssystem auf die weitere Ausbreitung der Corona-Epidemie vorzubereiten, warten fertig ausgebildete Mediziner seit Monaten auf ihre Approbation. Aktuell sind allein in Berlin mehrere Dutzend Mediziner, die an polnischen Universitäten studiert haben, arbeitslos. Nach einer Änderung der polnischen Zulassungsordnung erhalten sie von den zuständigen deutschen Landesbehörden keine Approbation. 

In diesem Jahr werden wahrscheinlich weitere 350 Deutsche ihre ärztliche Ausbildung an der Pommerschen Medizinischen Universität in Stettin, in Posen oder in Breslau beenden. Während die Landesregierungen in Berlin und Brandenburg noch immer nach einer Lösung suchen und auf die Hilfe von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hoffen, ist Mecklenburg-Vorpommern bereits weiter: Das Land erteilt den betroffenen Medizinern zwar keine Approbation – per Ministererlass erhalten die jungen Deutschen aber immerhin erst einmal eine einjährige Arbeitserlaubnis. 

Berliner Flughäfen
SPD-Politiker wollen Tegel wegen Corona schließen
Ende eigentlich erst nach Indienstnahme von BER geplant – Nun preschen Parlamentarier vor
Frank Bücker

Flughafenkritiker in der Berliner SPD wollen die Corona-Krise dazu benutzen, den Flughafen Berlin-Tegel vorzeitig zu schließen. Wegen der Seuchengefahr ist der Flugbetrieb der beiden Berliner Flughäfen derzeit um 90 Prozent eingebrochen. Für 2200 Mitarbeiter ist beim zuständigen Arbeitsamt die Gewährung von Kurzarbeitergeld beantragt worden. Es sollen Entlassungen vermieden werden. 

2200 Mitarbeiter in Kurzarbeit

Zwei Berliner SPD-Abgeordnete wollen nun die Gelegenheit nutzen, den Flughafen Tegel endgültig zu schließen. Dies ist eigentlich erst für den Zeitpunkt vorgesehen, wenn der neue Flughafen BER tatsächlich eröffnet werden sollte. Der SPD-Parlamentarier Daniel Buchholz will von dem Plan nun abweichen: „Kräfte in Schönefeld bündeln, Geld sparen“ lautet seine Devise, denn, so meint Buchholz: „Jetzt ist der genau richtige Zeitpunkt.“ 

Auch der Reinickendorfer Abgeordnete Jörg Stroedter glaubt dies, versucht aber zu differenzieren: Die Idee der vorzeitigen Tegel-Schließung finde er gut. „Dies allerdings mit einer Einschränkung: Die Passagierströme müssten in Schönefeld-Alt so entzerrt werden, dass sich infizierte Reisende nicht gegenseitig anstecken. Das ist ja im Moment das von ankommenden Passagieren heftig beklagte Problem in Tegel: In überfüllten Bussen werden die Ankommenden in das ,Großraumbüro‘ Terminal C gefahren, wo sich wirklich alle auf der Pelle hocken. Am Terminal A hingegen könnte man die Reiseströme wegen der verschiedenen Fingerdocks leicht entzerren“, schränkt Stroedter ein. 

Die SPD scheint hier aber – abgesehen davon, dass dem ein erfolgreiches Bürgerbegehren „Pro Tegel“ entgegen steht – die Rechnung ohne den Wirt gemacht zu haben, und der heißt Bundesregierung. Der Bund ist nämlich Miteigentümer des Flughafens Tegel, er ist damit auch im Aufsichtsrat vertreten. Die Bundeswehr aber will Tegel weiternutzen, sogar bis 2029. Aus der Truppe heißt es unmissverständlich, es gebe „keine geeignete Infrastruktur am BER für die drei mittelschweren Hubschrauber“.

Bundeswehr: Tegel unverzichtbar

So dürfte es nicht einmal mit der vom Senat beabsichtigten Schließung von Tegel nach der Inbetriebnahme von BER etwas werden. Und was sagt die SPD-geführte Landesregierung von Brandenburg? Regierungssprecher Florian Engels: „Aktuell steht das für die Landesregierung Brandenburg nicht auf der Tagesordnung. Die weitere Entwicklung muss abgewartet werden.“ Auch die Bundesregierung äußert Bedenken gegen die Gedankenspiele in der Berliner Landespolitik hinsichtlich einer Schließung von Tegel. „Im Verkehrsministerium gibt es starke Vorbehalte gegen eine vorübergehende Schließung des Flughafens Tegel“, erfuhr die Deutsche Presseagentur aus Regierungskreisen. 

Das alles wussten sicherlich auch Stroedter und Buchholz, als sie sich mit ihren Ansichten an die Öffentlichkeit wandten. Sie müssten eigentlich geahnt haben, dass ihr Vorbringen aussichtslos ist.  

Kolumne
„Hitler“ wollte nur nach Berlin
Theo Maass

2012 kam Timur Vermes’ Erstlingswerk „Er ist wieder da“ heraus und wurde als Buch und Hörbuch ein großer Erfolg. Es wurde in 41 Ländern und allein in Deutschland zwei Millionen Mal verkauft, führte 20 Wochen lang die „Spiegel“-Bestsellerliste an. Weniger erfolgreich war die Verfilmung des Stoffs, der den Versuch unternahm, das Buch inhaltlich zu konterkarieren, indem es die Geschichte politisch korrekt deformiert hat.

Nun scheint sich ein 19-Jähriger gedacht zu haben, was Vermes’ „Föhrer“ kann, das kann ich auch. In Münster fiel der junge Mann der Fahrkartenkontrolle auf, als er ohne 

Fahrschein (und ohne Geld) im Intercity-Express aus Münster kommend in Hannover eintraf. Er sei Adolf Hitler und wolle nach Berlin. Zuvor erhielt er auf der Fahrt mehrere SMS aufs Handy – jedes Mal ertönte als Nachrichtenton „Vielen Dank, Heil Hitler“. 

Der Aufforderung, den Zug in Hannover zu verlassen, kam der Mann nicht nach. Gegenüber der dann alarmierten Polizei soll er sich sogar aggressiv gezeigt haben, ist einem Boulevardblatt zu entnehmen. Schließlich transportierte die Bundespolizei ihn gewaltsam aus dem Zug. 

Gegenüber dem psychiatrischen Notdienst wollte er sich nicht äußern. Erstaunlicherweise war aber sofort ein Richter erreichbar, der den Hitler-Darsteller per Beschluss in eine psychiatrische Einrichtung einwies. Ob der 

19-Jährige tatsächlich geistig verwirrt ist oder nur Aufmerksamkeit erregen wollte, dafür wird sich die veröffentlichte Meinung später wohl nicht mehr interessieren. 

Hitler, in welcher Form auch immer, macht nach wie vor Auflage. Doch die von einigen Schreiberlingen herbeiphantasierte Hitlergläubigkeit der Deutschen scheint wohl eher in der Einbildung der Autoren zu existieren. Immer wieder versuchen Medien, mit Hitler auf der Titelseite die Leser an die Kioskkasse zu nötigen. 

Meldung

Licht in Knabes Entlassung 

Berlin – Im Berliner Abgeordnetenhaus hat sich am 24. März der Untersuchungsausschuss zur Stasi-Opfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen zu einer konstituierenden Sitzung getroffen. Das Gremium soll bis zum Jahresende die Vorgänge um die Entlassung von Hubertus Knabe im November 2018 prüfen. Knabe war vorgeworfen worden, als Leiter der Gedenkstätte nicht entschieden genug gegen mutmaßliche sexuelle Belästigungen von Mitarbeiterinnen durch seinen Stellvertreter vorgegangen zu sein. Erwartet wird, dass der parlamentarische Untersuchungsausschuss unter anderem Kultursenator Klaus Lederer (Linkspartei) und die Kulturstaatsministerin und ehemalige CDU-Landeschefin Monika Grütters als Zeugen zur Befragung vorladen wird. Lederer hatte als Vorsitzender des Stiftungsrates Knabe mit Grütters’ Unterstützung von seinen Aufgaben entbunden. N.H.


S. 6 Ausland

Corona in Russland
Krankenhausbau und Kontaktsperren
Putin reagiert spät auf sprunghaften Anstieg der Erkrankungen – Moskau ist das Zentrum der Epidemie
Manuela Rosenthal-Kappi

Deprimiert sitzt die allein lebende 64-jährige Galina Alexandrowna in ihrer schicken Eigentumswohnung im Zen-trum von Moskau vor dem Fernseher. Die Informationen über das Coronavirus und die Ratschläge des Bürgermeisters Sergej Sobjanin, sich auf die Datscha zu begeben, ängstigen sie. Die Wohnung verlässt Galina nur, um einzukaufen oder mit ihrem Hund Gassi zu gehen. Mit Atemschutzmaske, Einmalhandschuhen und im Umkreis von 100 Metern um das Wohnhaus herum ist das erlaubt. Ansonsten herrscht in Moskau Kontakt- und Ausgangssperre. 

Beliebte Ausflugsorte, wie der Gorkij-Park, Kolomenskoje oder Zaryzina, dürfen nicht mehr betreten werden. Den Zugang zum Gorkij-Park verhindert ein Bretterzaun. Moskau ist das Epizentrum der Corona-Krise in Russland. Deshalb ist die Stadt seit dem 30. März abgeriegelt. Die Städter dürfen ohne triftigen Grund ihre Wohnungen nicht mehr verlassen, Züge und Busse fahren kaum noch, auf den Flughäfen campieren gestrandete Gastarbeiter aus den zentralasiatischen Republiken, die es nicht mehr rechtzeitig nach Hause geschafft haben. 

Zunächst schien es, als ob Russland von der Epidemie weitgehend verschont geblieben wäre. Dass es nicht mehr Erkrankungsfälle gibt, wird der schnellen Reaktion von Regierungschef Michail Mischustin auf den Ausbruch des Coronavirus in Wuhan Anfang März zugeschrieben, indem er ein sofortiges Einreiseverbot für Chinesen verhängte. Dass es nun doch zu einem sprunghaften Anstieg der Infizierten kam, führen Experten auf aus dem Ausland zurückgekehrte Landsleute zurück, die den Erreger importiert haben könnten.

Ähnlich wie Kanzlerin Merkel in Deutschland reagierte Präsident Putin erst spät, als es im Millionenzentrum Moskau über 2000 bestätigte Corona-Fälle gab und Ärzte vor einem weiteren sprunghaften Anstieg warnten. Als Sofortmaßnahme ordnete Putin einen einwöchigen bezahlten Zwangsurlaub für alle an, und über 65-Jährige in Moskau und Umland sowie alle chronisch Kranken mussten sich in häusliche Quarantäne begeben. In Moskau und weiteren Städten wurden Einkaufszentren, Vergnügungseinrichtungen und Friseurläden geschlossen. Immer mehr Firmen schicken ihre Angestellten nach Hause. Von der Krise besonders Betroffenen verspricht die Regierung schnelle Hilfe. Banken sollen Kleinunternehmern eine Stundung ihrer Zins- und Tilgungszahlungen gewähren, Rentner erhalten umgerechnet 40 Euro Soforthilfe, wenn sie die Anweisungen befolgen. Sinkende Einnahmen aufgrund des niedrigen Ölpreises könnten eine große Zahl von Unternehmen, Konsumenten und Banken unter Druck bringen. Betriebe sollen für die nächsten sechs Monate neben Stundungen einen Steueraufschub erhalten. Ohne umfangreiche staatliche Hilfe könnten drei Millionen Unternehmen Pleite gehen, neun Millionen Arbeitsplätze wären in Gefahr. 

Vertrauensbildende Maßnahmen

Wirtschaftshilfen sind eine Möglichkeit, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen. Sie können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Russen dem staatlichen Gesundheitssystem wenig zutrauen. Zwar gibt es eine kostenlose medizinische Versorgung für jeden Bürger, doch sowohl das Personal als auch die medizinischen Einrichtungen gelten seit Jahren als qualitativ schlecht. Wer es sich leisten kann, lässt sich deshalb lieber in Privatkliniken behandeln. Das stellt nun vor allem Superreiche vor ein Problem: Die Möglichkeit, sich in Israel, Finnland oder Deutschland behandeln zu lassen, fällt wegen der Reisebeschränkungen weg. In der Vergangenheit gaben sie teils bis zu 40 000 Euro pro medizinischem Aufenthalt, etwa für Operationen, im Ausland aus. Jetzt stehen sie in der Kritik, weil Fälle von Hamsterkäufen bekannt wurden: Reiche sollen massenhaft Beatmungsgeräte für bis zu 20 000 Euro pro Stück aufgekauft haben.

Der Staat bemüht sich – mit Taten und Durchhalteparolen wie zur Sowjetzeit –, Abhilfe zu schaffen. Dem Beispiel Chinas folgend wird in Golochwastowo, 50 Kilometer außerhalb Moskaus, eine Spezialklinik für Infektionskrankheiten gebaut. Auch in anderen Regionen wird die Krankenhauskapazität ausgebaut. Bisher wurden 197 300 Tests auf das Vorhandensein des Coronavirus durchgeführt. Vier Menschen starben bisher, 38 gelten als genesen.

Russland blickt zu Südkorea auf, das auf die Bedrohung der Epidemie besser reagiert hat als China, die EU oder Amerika. Von Letztgenannten enttäuscht, sucht Moskau eher die Kooperation mit China und Indien. Der Westen wirft Putin dagegen vor, die Krise für sein beschädigtes Image nutzen zu wollen. Beim G20-Videogipfel habe er eine zeitweilige Aussetzung internationaler Sanktionen auf wichtige Güter wie Medikamente, Nahrungsmittel, Technik und Ausrüstung verlangt. 

Corona im Iran
Viel schlimmer, als es scheint
Heimgekehrte Iraner sprechen von einer Katastrophe – Teheran redet währenddessen die Lage schön
Bodo Bost

Wie Medien berichten, hat Irans Präsident Hassan Rouhani sich mit wichtigen Beratern und Beamten getroffen, um die Zensur der Medienberichte über den Coronavirus-Ausbruch im Iran zu koordinieren. Während zahlreiche aus dem Iran zurückgekehrte Iraker erklärt haben, dass sich im Mullahstaat eine massive Katastrophe abspiele, bezeichnet die Regierung in Teheran derartige Berichte als „Klatsch“ und will sie stoppen. 

Von Anfang an hat die Regierung die Corona-Krise heruntergespielt und falsche Behauptungen verbreitet wie die, dass das Virus durch eine ausländische Verschwörung ins Land gekommen sei. Rouhani selbst hat das Virus schon einige Male mit den US-Sanktionen in Verbindung gebracht, aber es abgelehnt, konkrete US-Hilfe in Anspruch zu nehmen. Statt Hilfe vom „großen Satan“ anzunehmen, hat der Iran einen Hilfsantrag über fünf Milliarden US-Dollar an den Internationalen Währungsfonds gestellt, von dem das Land zum letzten Mal 1962 eine Hilfe erhalten hat. Um die Menschen dazu zu bewegen, noch zur Parlamentswahl am 21. Februar zu gehen, hatte Teheran bereits bei Ausbruch der Krankheit die Berichterstattung unterdrückt. Dies hat zu zahlreichen Infektionen unter Politikern und vielen Todesfällen geführt. Der Iran hat nun mehr als 13 000 offizielle Infektionsfälle und bereits 700 Tote. Die iranische Todesrate gehört damit zu den höchsten der Welt.

Eine der höchsten Todesraten

Rouhani erklärte, dass feindliche Kräfte diese Krankheit benutzen wollten, um den Staat zu zerstören. Die Regierung möchte, dass die Medien die Moral des medizinischen Personals stärken und erklären müssten, dass das Gesundheitssystem trotz des Drucks der USA und der unmenschlichen Sanktionen erfolgreich wäre. Die Realität im Iran ist eine ganz andere. Iraker, die vor Kurzem vor dem Virus aus dem Iran geflohen sind, berichten von „Geisterstädten“. Alles sei durch die Krankheit zum Stillstand gekommen.

Viele berichten, die Zahl der Kranken sei weit höher als die, welche die Behörden angeben. Das Leben habe im Iran aufgehört, sagen die Menschen. „Es wird von Tag zu Tag schlimmer“, heißt es. Sogar die Freitagsgebete und damit auch die Regierungspropaganda sind eingestellt. Die iranische Armee wird nun zur Kontrolle des Virus eingesetzt. Mohammed Bagheri, der Stabschef der Streitkräfte, berichtete, dass die Armee die Menschen mit Gewalt von den Straßen entfernen und die Geschäfte schließen werde.

Meldungen

Kritik wegen Italienhilfe

Rom/Moskau – Kaum war eine Delegation von 104 Militär-Krankenpflegern und -Ärzten in der von der Corona-Krise am meisten heimgesuchten italienischen Stadt Bergamo eingetroffen, hagelte es Kritik an Russland. Die Kooperation unter dem Motto „From Russia with Love“ wird als Versuch Putins gewertet, sein durch die Ukrainekrise im Westen beschädigtes Image aufzubessern und die durch die Sanktionen bedingte Isolation des Landes zu lockern. Schärfere Anschuldigungen kamen seitens der Zeitung „La Stampa“, die in einem Artikel eine Parallele zur Ankunft russischer Fachkräfte in Italien mit dem Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan im Jahr 1979 zog. Ein tschechischer Politiker zog Vergleiche zur „Krim-Annexion“ und zum Einmarsch sowjetischer Truppen beim Prager Frühling 1968. Außer medizinischem Personal schickte Russland Hilfsgüter zur Bekämpfung der Krise sowie technische Geräte zur Diagnostik und Desinfektionsmittel, wofür die italienische Regierung sich dankbar zeigte.MRK





Zerreißprobe wegen Donbass

Kiew – Im Schatten der Corona-Krise droht der ukrainischen Regierung die Zerreißprobe. Großer Widerstand schlägt Präsident Wladimir Selenskij in der Frage der Beilegung des Krieges in der Ostukraine entgegen. Seinem als russlandfreundlich geltenden Stabschef Andrej Jermak wird unterstellt, die Notsituation auszunutzen, um unpopuläre Entscheidungen umzusetzen. Aus Verhandlungen der trilateralen Kontaktgruppe (Ukraine, Russland und OSZE) in Minsk wurde bekannt, dass direkte Gespräche zwischen Vertretern Kiews und der selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk in Betracht gezogen werden. Das lehnen nicht nur Teile der Opposition ab, sondern auch Mitglieder der Präsidentenpartei „Diener des Volkes“. MRK





Polen lässt Clan-Chef frei

Posen – Ein polnisches Gericht hat die Entlassung von Arkadiusz Lakatosz aus der Untersuchungshaft angeordnet. Lakatosz gilt als Kopf der von Polen aus operierenden „Enkeltrick-Mafia“, die EU-weit Senioren um hohe Geldbeträge bringt. Lakatosz, mutmaßlicher Erfinder der Betrugsmasche, floh bereits 2001 vor deutschen Ermittlungen nach Polen. Dort wurde der Chef eines Roma-Clans im Jahr 2014 im Zuge einer internationalen Polizeiaktion festgenommen, jedoch gegen Kaution wieder freigelassen. Auch 2017 entließ ein polnischer Haftrichter Lakatosz nach einer Festnahme, sodass er erneut abtauchen konnte. Im Herbst 2019 erging gegen den Clan-Boss zwar ein Urteil, dies ist jedoch noch nicht rechtskräftig. Da im März 2020 ein Posener Gericht in einem weiteren Verfahren eine Einstellung anordnete, entfiel wegen der fehlenden Rechtskraft des Urteils von 2019 nun insgesamt die rechtliche Grundlage, um Lakatosz weiter in U-Haft behalten zu können.N.H.

S. 7 Wirtschaft

Gold
Warum der Preis bisher noch nicht explodiert ist
Und warum mit einer preistreibenden Flucht in das Edelmetall analog zur Weltfinanzkrise bereits in Kürze zu rechnen ist
Wolfgang Kaufmann

Der Erwerb und Besitz von physischem Gold gilt als der Königsweg der Krisenvorsorge schlechthin. Schließlich ist die Kaufkraft des gelben Metalls in den letzten 2000 Jahren ungeachtet aller Revolutionen, Kriege, Katastrophen und Währungszusammenbrüche weitgehend gleich geblieben. So bekommt man heute für den Preis von einem Gramm Gold immer noch in etwa die gleiche Menge Brot wie zur Zeit von Christi Geburt. 

Angesichts der deshalb zu konstatierenden Flucht ins Gold in Krisenzeiten wäre eigentlich zu erwarten, dass der Goldpreis in der gegenwärtigen Corona-Krise, die sich zu einer gigantischen Finanz- und Wirtschaftskrise auszuweiten droht, ähnlich drastisch steigt wie die Zahl der an Covid-19 Erkrankten. Doch das tut er nicht, und das trotz starken Kursstürzen auf den Aktienmärkten von bis zu 40 Prozent.

Zurückhaltung der Großinvestoren

Zwar kletterte der Preis für eine Feinunze, also 31,1 Gramm, Gold seit Ende November von rund 1400 auf aktuell gut 1600 US-Dollar, aber das ist keine wirklich gravierende Steigerung, wie sie etwa vor knapp neun Jahren zu konstatieren war, als im September 2011 für die Feinunze 1920 Dollar gezahlt wurden. Der Preisexplosion vorausgegangen waren damals das T?hoku-Erdbeben an der japanischen Pazifikküste und der daraus resultierende Reaktorunfall in Fukushima. 

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach den Gründen dafür, dass ausgerechnet in der schwersten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg der große Nachfrageschub auf das „Krisenmetall“ ausbleibt, sodass sich bei so manchen Goldbesitzern bereits Enttäuschung breitmacht. Die Ursache liegt nicht im Verhalten der Käufer kleinerer Mengen an Münzen und Barren. Die bombardieren Goldhändler wie Pro Aurum in München derzeit mit Bestellungen. Doch das sind Peanuts, um es mit einem Wort des damaligen Deutsch-Bank-Chefs Hilmar Kopper zu sagen. Dabei handelt es sich um eine Quantité négligeable, eine vernachlässigbare Größe, was die Bestimmung des Goldpreises angeht. 

Der Preis des Edelmetalls wird vielmehr von den spekulativ agierenden Großinvestoren bestimmt. Und die sehen sich derzeit durch dramatische Aktienkursverluste mit Nachzahlungsforderungen ihrer Banken und Finanzdienstleister konfrontiert. Sie müssen Sicherheiten hinterlegen, um überhaupt noch weiter am Börsenhandel teilnehmen zu können. Dafür brauchen sie Geld. Und deshalb verkaufen sie momentan auch größere Mengen Gold. Letzteres fällt ihnen umso leichter, als der Goldpreis ja wenigstens etwas zugelegt hat, sodass sie Gewinne realisieren können.

Allein am 13. März veräußerten Investoren Anteile an mit physischem Gold abgesicherten Schuldverschreibungen, sogenannten Gold-ETC, im Wert von 17 Tonnen Gold. Das war der höchste Umsatz dieser Art seit Dezember 2016. Insgesamt lag das Handelsvolumen bei Gold in der zweiten Märzwoche allein an der Londoner Rohstoffbörse bei 100 Milliarden US-Dollar pro Tag.

Diese Entwicklung entspricht der während des Höhepunktes der globalen Finanzkrise nach dem Zusammenbruch der US-Großbank Lehman Brothers im September 2008. Damals kam es ebenfalls zu keinen größeren Sprüngen beim Goldpreis, sondern eher zu zwischenzeitlichen Einbrüchen. Allerdings dauerten die nur wenige Wochen, bis der Tiefpunkt erreicht war. Dann setzte zur Mitte des Folgejahres ein kontinuierlicher Anstieg ein, der bis 2011 anhielt.

Rettungsversuche der Zentralbanken

Und so wird es wahrscheinlich auch diesmal sein. Momentan pumpen die Zentralbanken bei ihren Rettungsversuchen gewaltige Geldmengen in den Finanzkreislauf – bei extrem niedrigen Zinsen. Die Billionen dürften aber nur zum Teil in der Realwirtschaft ankommen und vielmehr wieder den Aktien- oder Goldhandel beleben. Je weiter man die Geldhähne angesichts der Corona-Krise aufdreht, desto wahrscheinlicher erscheint, dass der Wert des Geldes sinkt und der Preis des Goldes steigt.

Das wird möglicherweise schon bald der Fall sein. Potenzielle Anleger, die sich durch den Kauf des Edelmetalls absichern wollen, scheinen deshalb gut beraten, umgehend zu handeln – auch wenn das momentan wegen der oktroyierten Ausgangsbeschränkungen und Geschäftsschließungen organisatorisch schwierig ist und die Lieferzeiten der Edelmetallhäuser immer länger ausfallen. 

Dabei gilt es auch zu bedenken, dass Staaten den Besitz von physischem Gold unter Androhung drakonischer Maßnahmen bis hin zur Todesstrafe verbieten und Zwangsaufkaufpreise festlegen können, die bei den Anlegern in aller Regel zu herben Verlusten führen. So geschehen beispielsweise in Russland 1918, Deutschland 1923, 1931, 1936 und 1945, den USA 1933, Frankreich 1936, China 1949, Polen 1950, Indien 1963 und Großbritannien 1966.

Europäische Zentralbank
Neue Tabubrüche in Zeiten von Corona
„Pandemic Emergency Purchase Programme“: EZB bläht die Geldblase noch weiter auf
Norman Hanert

Die Europäische Zentralbank (EZB) will bis Ende des Jahres mit einem neuen 750 Milliarden Euro schweren sogenannten Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP, Pandemie-Notfall-Kaufprogramm) weiteres Geld in den Markt drücken. Die französische EZB-Präsidentin Christine Lagarde begründete das Kaufprogramm für Staatsanleihen und andere Wertpapiere über Twitter: „Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliches Handeln.“ 

Mit dem Kaufprogramm schreibt die EZB nicht einfach nur den schon unter dem Italiener Mario Draghi eingeschlagenen Kurs ultralockerer Geldpolitik fort. Um dem Vorwurf einer Staatsfinanzierung etwas entgegenzusetzen, hat es die EZB bei ihren Anleihekäufen bislang vermieden, bei Tranchen von Staatsanleihen mehr als ein Drittel anzukaufen. Wie aus einem veröffentlichten Dokument hervorgeht, will die EZB die Drittel-Begrenzung nun aufheben. Von dieser Regelabschaffung könnten insbesondere die von Corona besonders betroffenen EU-Mitglieder Spanien und Italien profitieren. Die EZB will künftig aber auch wieder griechische Anleihen erwerben.

Neuland betritt die EZB mit dem Ankauf kurzlaufender Firmenanleihen. Die Währungshüter begründen die Ausweitung der Käufe auf diese Papiere mit der Absicht, Unternehmen vor Finanzierungsengpässen zu bewahren. Zusammen mit den bereits laufenden Ankäufen werden sich mit dem neuen Pandemie-Notfall-Programm die Wertpapierkäufe der EZB allein in diesem Jahr auf rund 1,1 Billionen Euro belaufen. Dabei muss es nicht bleiben. Noch unter Draghi hat die EZB im Jahr 2012 ein Programm namens OMT zum unbegrenzten Aufkauf von Staatsanleihen von Krisenländern angekündigt. 

Draghis Bazooka soll starten

Dieses Programm wurde bislang noch nicht in die Tat umgesetzt, aber zumindest die Nachrichtenagentur Bloomberg rechnet mittlerweile mit keinem ernsthaften Widerstand mehr, wenn die Verantwortlichen die Umsetzung des Programms als notwendig darstellen. Dieses würde es den Währungshütern erlauben, unabhängig vom Kapitalanteil der einzelnen Euroländer beispielsweise nur spanische oder italienische Anleihen zu kaufen. Als formelle Bedingung müssten die begünstigten Länder aber eine Kreditlinie des Rettungsfonds ESM in Anspruch nehmen. Vor diesem Hintergrund war die Diskussion auf dem EU-Videogipfel interessant. Bereits im Vorfeld hatte sich eine Gruppe von neun EU-Ländern, darunter Italien, Frankreich, Griechenland und Spanien, für eine gemeinsame Schuldenaufnahme durch nun „Corona-Bonds“ genannte Euro-Bonds stark gemacht. 

Kanzlerin Angela Merkel plädierte dagegen für den Einsatz des Eurorettungsfonds ESM zur „Pandemiekrisenunterstützung“. Merkel sagte: „Ich glaube, dass wir eben mit dem ESM ein Kriseninstrument haben, das uns viele Möglichkeiten eröffnet.“ Tatsächlich würde der Einsatz des ESM für Länder wie Italien die formelle Bedingung schaffen, damit die EZB „Draghis Bazooka“, das OMT-Programm zum unbegrenzten Anleihenkauf, starten kann.

Meldungen

Kaufrausch beim Heizöl

Berlin – Viele Hausbesitzer nutzen die Rabattschlacht auf dem Rohölmarkt, um sich günstig mit Heizöl einzudecken. Nach Angaben des Messgeräte-Herstellers Tecson ist der Preis für Heizöl im bundesweiten Durchschnitt auf 57,20 Euro für 100 Liter beim Kauf von 3000 Litern inklusive Mehrwertsteuer gesunken. Noch Anfang Januar mussten die Verbraucher 71,20 Euro bezahlen. Händler berichten inzwischen von Lieferzeiten, die vielerorts bei zehn bis zwölf Wochen liegen. Als Ursache werden ausgeschöpfte Lager- und Lieferkapazitäten durch eine extrem hohe Nachfrage nach Heizöl genannt. Die Nachfrage hat sogar dazu geführt, dass sich die Heizölpreise vom stark gesunkenen Rohölpreis abgekoppelt haben. Derzeit müssen die Verbraucher für Heizöl ungefähr so viel bezahlen, wie es schon bei einem Rohölpreis von 55 US-Dollar je Barrel Öl der Fall war. Auf dem Weltmarkt liegt der Ölpreis derzeit bei unter 30 Dollar.N.H.





Altpapier wird Mangelware

Berlin – Hatten die Hamsterer von Toilettenpapier etwa recht mit ihrer vielfach belächelten Panik? Aus der Altpapierbranche mehren sich Warnungen vor Engpässen. Die kommunale Altpapiersammlung stockt an einigen Orten bereits wegen Personalausfalls, der Einzelhandel, bei dem durch Verpackungsmüll ein Großteil des Altpapiers abfällt, ist weitestgehend lahmgelegt. Auch der Import – Deutschland importiert fast doppelt so viel Altpapier, wie es exportiert – stockt wegen der zähen Lage an den Grenzübergängen. Toilettenpapier aber besteht zur Hälfte aus aufbereitetem Material, Schachteln für Lebensmittel zu 85 Prozent und Wellpappe sogar gänzlich. Auch Zeitungspapier ist aus Altpapier gewonnen. Noch, so heißt es, sind Einbrüche bei der Sammlung Einzelfälle, auch gab es einen Rückstau wegen des Überangebots an Altpapier vor der Corona-Krise. Dies könne aber nun schnell in einen Mangel übergehen.H.H.





Mukran Teil der Seidenstraße

Mukran – Nach bisher vier erfolgten Testläufen hat sich die Gesellschaft „Mukran Port Terminals“ in Kooperation mit der Firma „Bahn Operator“ dazu entschieden, eine feste Seeroute im Ostseeraum als Teil der Neuen Seidenstraße einzurichten. Das Containerschiff „SVS Vega“ verkehrt dazu regelmäßig zwischen Sassnitz und Pillau [Baltijsk] im nördlichen Ostpreußen, von wo aus die Route per Bahn weiter nach China führt. Der Liniendienst ist für Industriegüter für West- und Nordeuropa bestimmt. Die Verbindung soll nicht nur Mecklenburg-Vorpommern an die Neue Seidenstraße anbinden, sondern es ist auch die Anbindung der Häfen Kopenhagen Malmö (CMP) und Karlshamm geplant. In Zukunft sollen auch Container aus Skandinavien und Russland in das Netz eingebunden werden können. Für die Auslastung der Seidenstraßenroute ist „Bahn Operator“ zuständig.MRK

S. 8 Forum

Betrachtungen
Man nimmt es hin in Zeiten von Corona
Erik Lommatzsch

Das Bemerkenswerte an der „Corona-Krise“ ist, wie nahezu widerspruchsfrei sich die Bevölkerung mit neuen „Normalitäten“ abfindet. Mit Auswüchsen, obrigkeitsstaatlichen Anmaßungen oder, im harmloseren Fall, unsäglichen Peinlichkeiten.

Zumindest Zeuge von Diskussionen mit Kassiererinnen über die erlaubte Anzahl von Toilettenpapierpackungen sind inzwischen die meisten geworden. Kunden werden kreativ, etwa: „Das sind verschiedene Marken, da darf ich die doppelte Menge nehmen!“ Um auf die Absurdität der Dinge aufmerksam zu werden, bedarf es inzwischen ausgefallenerer Vorgänge, wie etwa der Meldung, eine Frau in Bergneustadt habe sich auf das Kassenband gesetzt, bis die Polizei sie weggetragen habe – ihr war der Kauf der gewünschten Toilettenpapiermenge verwehrt worden. 

Auch Politikerdümmlichkeiten werden im Zusammenhang mit dem neuerdings so begehrten Produkt geäußert und – schlimmer noch – von der Presse gefeiert. So präsentierte die „Bild“-Zeitung als „Zitat des Tages“ die Worte des brandenburgischen Landesvaters Dietmar Woidke: „Nicht einer alleine von uns kommt gut durch die Krise, weil er zuhause 100 Rollen Klopapier gehortet hat, sondern wir schaffen’s alle nur gemeinsam.“ Dieselbe Zeitung war es auch, die verkündete: „Corona-Krise trifft die Bauern. Syrische Flüchtlinge: ‚Wir sind bereit, die Ernte zu retten!‘“

Anderes hingegen ist jedoch deutlich jenseits des Bereichs der mitunter unterhaltsamen Realsatire angesiedelt. Wie angemessen ist es, polizeilich kontrollieren zu lassen, ob sich das Volk gehorsam ausschließlich in Zweiergruppen zusammenfindet, sofern die Beteiligten nicht unter eine der wenigen Ausnahmeklauseln fallen, und das Ganze bei Verstoß handfest zu ahnden? 

Stört es niemanden, dass die Stadt Dresden mitteilt, zum „Vorliegen triftiger Gründe“, welche Zuwiderhandlungen gegen die „Ausgangssperre“ rechtfertigten, zähle die „Abwendung einer unmittelbaren Gefahr für Leib, Leben und Eigentum“? Die Obrigkeit gestattet also ausdrücklich das Verlassen des Hauses im Brandfall. 

Generös gibt sich auch Ministerpräsidentin Manuela Schwesig: „Eltern mit drei Kindern können natürlich weiterhin noch zu fünft nach draußen gehen.“

Völlig verloren gegangen sind die Maßstäbe bei Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz: „Es geht um Leben und Tod für uns alle!“ Nein, bei „Corona“ handelt es sich nicht um die Pest. Verlautbarungen wie die von Scholz zeugen nicht von Engagement, sondern von Inkompetenz. Von derartigen Amtsträgern sind in einer nicht zuletzt selbst verursachten Krise, die durch verbalen Unfug noch verstärkt wird, kaum umsichtige Entscheidungen im Sinne der gesamten Bevölkerung zu erwarten. 

Nur ein trauriges Beispiel für den Abschätzungshorizont der Regierenden, das den sich allerorten ausbreitenden blinden Aktionismus offenbar werden lässt, sei genannt. Es handelt sich um die Regelung, Betroffene der „Corona-Krise“ könnten Mietzahlungen für die nächsten Monate aussetzen. Für die Entscheidungsträger völlig überraschend, schicken sich nun auch große Unternehmen wie „Deichmann“ oder „H&M“ an, für ihre Ladengeschäfte davon Gebrauch zu machen. In ihrer Hilflosigkeit nennt die Bundesjustizministerin so etwas „unanständig“ und „nicht akzeptabel“ – mehr ist nicht zu machen, nachdem das Ganze bar jeder Überlegung einmal in Gang gesetzt wurde. 

Wann werden die das Alltagsleben schwer einschränkenden „Maßnahmen“ gestoppt? Nahezu allerorten wird davon ausgegangen, dass die unterbrochenen Abläufe dann nahtlos fortgesetzt werden. Befürchtungen, Beschränkungen würden teilweise in Kraft bleiben, erhalten Nahrung, wenn etwa der einflussreiche „Klimaschützer“ Hans Joachim Schellnhuber meint, auch für seine Sache würde die Bevölkerung künftig „Zumutungen“ in Kauf nehmen (siehe Meldung Seite 4). Der Versandriese Amazon nutzt die Situation derweil, um den lahmenden, für ihn aber gewinnträchtigen E-Book-Absatz voranzutreiben, gedruckte Bücher werden gegenwärtig nur nach langer Wartezeit geliefert. 

„Corona“ hat noch ganz andere Dimensionen: Mehr als erschreckend ist es, dass kein namhafter Kirchenvertreter seine Stimme gegen das staatliche Gottesdienstverbot – ein welthistorisch in dieser Form nie dagewesener Vorgang – erhoben hat. Die Geistlichkeit nimmt es hin – wie die Tatsache, dass Toilettenpapier Mangelware geworden ist.

Leitartikel
Wo bleibt Brüssel?
René Nehring

Wie schlecht muss es um eine Politikerin stehen, wenn wohlwollende Medien inmitten einer Krise anfangen, Jubelartikel über sie zu schreiben? So geschehen am vergangenen Sonntag, als die „FAS“ den scheinbar übermenschlichen Kampf der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in der gegenwärtigen Lage beschrieb. „Den Sturm nutzen“ stand dort in großen Lettern, und in der Unterzeile war zu lesen: „Ursula von der Leyen kämpft dafür, dass die EU in der Corona-Krise zusammenbleibt. Sie schläft neben ihrem Büro, ihre Familie hat sie seit Wochen nicht mehr gesehen.“ Geht es noch heldenhafter? 

Auch im Artikel selbst ging das peinliche Lob der großen Vorsitzenden weiter: „Von der Leyen zeigt mitunter sogar mütterliche Instinkte, etwa, wenn sie ausgehungerte Mitarbeiter mit Sandwiches versorgt.“ Und natürlich wird auch die EU-Kommission gewürdigt: „Ihre Innenkommissarin erarbeitete Leitlinien für Grenzkontrollen, inklusive Vorfahrtspuren für Lastwagen. Ihre Gesundheitskommissarin leitete die gemeinsame Beschaffung von Schutzkleidung ein. Ihr Kommissar für Krisenmanagement baut eine strategische Reserve für alles auf, was zur Behandlung von Corona-Patienten benötigt wird.“ 

Dummerweise nur enthüllen gerade derlei Jubelworte die Behäbigkeit von der Leyens und ihrer Kommission. Denn wo täglich tausende Menschen sterben, gilt es nicht, Reserven anzulegen, sondern schnell und unbürokratisch zu handeln. 

Nicht nur in jenem Artikel erklang in den letzten Tagen die Klage über eine Rückkehr der Nationalstaaten. Der Politologe Wolfgang Merkel etwa sprach im „Europamagazin“ der ARD gar davon, dass diese „fröhliche Urständ“ feierten. Ganz abgesehen von der Frage, was schlimm daran sein soll, wenn souveräne Staaten zum Schutze ihrer Bürger handeln, fallen derlei Vorwürfe umgehend auf von der Leyen und ihre Mannschaft zurück. 

Denn niemand hat Frau von der Leyen daran gehindert, frühzeitig die Aktivitäten der Mitgliedsländer zu koordinieren und Vorschläge für eine gemeinsame Abwehr des Virus zu unterbreiten. Und niemand hat Brüssel daran gehindert, von bürokratischen Vorschriften abzuweichen, damit Hilfsgelder schnell fließen können. 

Am Sonntagabend erklärte Bundeswirtschaftsminister Altmaier in der Sendung „Anne Will“, dass der Bund derzeit Haftungszusagen für KfW-Kredite nur zu 90 Prozent übernehmen könne, weil die EU-Kommission derzeit nicht mehr genehmige. Dadurch verzögert sich jedoch das Antragsverfahren um etliche Wochen. Was wäre passiert, wenn die EU-Kommission unter von der Leyen gesagt hätte, „Ihr dürft aufgrund der Krise befristet auch zu 100 Prozent garantieren“? Ob dann irgendjemand gewagt hätte, dagegen zu klagen? 

In der Sturmflut des Jahres 1962 kümmerte sich der Hamburger Polizeisenator Helmut Schmidt nicht um die Grenzen seines Kompetenzbereichs, als es darum ging, Menschenleben zu retten. Sondern er handelte – und spannte dazu alle Kräfte ein, die er damals bekommen konnte (einschließlich der britischen Besatzungsstreitkräfte). 

Im Falle von der Leyen rächt sich nun, dass die Politikerin bis dato von den Medien immer äußerst wohlwollend behandelt worden ist. Ihr Scheitern bei der groß angekündigten Verbesserung der Ausrüstung der Bundeswehr wurde ebenso wenig problematisiert wie ihre stillosen Aussagen über die Truppe, der sie angesichts einiger weniger rechtsradikaler Vorfälle in Gänze ein „Haltungsproblem“ unterstellte. Wo andere Politiker längst ihren Hut hätten nehmen müssen, konnte von der Leyen an die Spitze der EU wechseln. 

Die Corona-Krise wäre für sie die Chance gewesen zu zeigen, dass sie eine echte Anführerin und „Macherin“ ist. Dass sie diese Chance nicht nutzt, kann niemand den Nationalstaaten zuschreiben. 


Porträt
Trumps pandemischer Doktor Fauci
Harald Tews

Im Zuge der großen Seuche haben zwei sonst eher unscheinbare Berufsgruppen ihren ganz großen Auftritt: Immunologen und Virologen. Während in Deutschland der Charité-Mediziner Christian Drosten und Lothar Wieler vom Robert-Koch-Institut die bekanntesten Gesichter der Corona-Krise sind, ist es in den USA der 79-jährige Anthony Fauci.

Der Immunologe gilt als Donald Trumps wichtigster Mann im Coronavirus-Krisenstab des Weißen Hauses. Obwohl er das 22-köpfige Beraterteam nicht leitet – das obliegt dem Vizepräsidenten Mike Pence –, ist er es, der seine Landsleute mit unangenehmen Wahrheiten konfrontiert. 100 000 bis 200 000 Menschen würden in Folge der Pandemie sterben, sagte er dem TV-Sender CNN. 

Kurz darauf nahm auch Trump diese Zahl in den Mund, obwohl er wenige Tage zuvor dem Volk noch Hoffnung machte, nach Ostern die Wirtschaftsbeschränkungen wieder aufzuheben. Das ist nun Makulatur. Fauci ist einer der wenigen Berater, auf die der Präsident zu hören scheint und der ihm ungestraft öffentlich widersprechen darf.

Seit er Ronald Reagan in der AIDS-Krise beraten hat, war der Apothekersohn aus Brooklyn unter jedem nachfolgenden Präsidenten so etwas wie deren Pandemie-Sprecher. Nach den Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 entwarf er Impfpläne gegen Biowaffen, später war er Obamas Mann gegen Ebola. Sein medizinisches Renommee erwarb er sich als Direktor des Nationalen Instituts für Allergie und Infektionskrankheiten, das er seit 1984 leitet. Den Amtszeitrekord will der frühere Marathonläufer weiter ausbauen. Hauptsache, er zählt nicht zu den von ihm erwähnten 200 000. Denn trotz bester Gesundheit zählt er aufgrund seines hohen Alters zur Risikogruppe.

S. 9 Kultur

Ein „Gott“ im Vatikan
Vor 500 Jahren starb in Rom der Künstler Raffael – Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts galt er als der bedeutendste Renaissancemaler. Sein Gemälde „Verklärung Christi“ war berühmter als die „Mona Lisa“
Veit-Mario Thiede

Vor einem halben Jahrtausend verschied ein „sterblicher Gott“. Mit diesem Ehrentitel bedachte der Künstlerbiograf Vasari den am 6. April 1520 in Rom gestorbenen Raffael. Der bis heute hoch Verehrte war über Jahrhunderte das Maß aller künstlerischen Dinge. Stefano Zuffi erklärt in seiner jüngst erschienenen Raffael-Publikation: „Was sich in der Entwicklung der Malerei vom 16. bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts vollzog, geschah stets in Auseinandersetzung mit Raffael.“

Diesen überragenden Einfluss auf nachfolgende Künstler will Dresdens Gemäldegalerie Alte Meister am Beispiel der berühmten Bildteppiche mit Szenen aus dem Leben der Apostel Petrus und Paulus veranschaulichen, für die Raffael und dessen Werkstattmitarbeiter die Vorlagen entwarfen. Die Eröffnung der Sonderausstellung war für den 3. April geplant. Doch wegen der Corona-Pandemie bleiben die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden vorerst bis 19. April geschlossen. 

Andernorts hatten die Ehrungen Raffaels bereits begonnen. Die in der Scuderie del Quirinale von Rom eröffnete größte Raffael-Schau aller Zeiten hatte eine Lebensdauer von drei Tagen, bevor sie zur Eindämmung der Corona-Pandemie geschlossen wurde. Im Internet hat sie ihre Wiederauferstehung gefeiert. Unter dem Hashtag „#RaffaelloInMostra“ kann man in den sozialen Netzwerken Videospaziergänge durch die Ausstellung unternehmen. In der Berliner Gemäldegalerie sollte bis 26. April eine Kabinettschau mit Madonnen-Gemälden Raffaels laufen. Aber nun ist sie bis auf Weiteres geschlossen. Und die Hamburger Kunsthalle hat ihre ursprünglich ab dem 21. Mai vorgesehene Raffael-Ausstellung mit Zeichnungen und Grafiken aus dem eigenen Bestand auf den 22. Januar 2021 verschoben.

Was wissen wir überhaupt über den vermutlich am 28. März 1483 in Urbino geborenen Raffaelo Sanzio? Arnold Nesselrath, Verfasser der neuen Raffael-Monografie, schreibt: „Wir können zwar viele Vermutungen zum Leben des Künstlers anstellen, aber die eigentliche Befundlage ist äußerst spärlich.“

Raffael ging bei dem angesehenen Maler Perugino in die Lehre, schulte in Florenz sein Können an den Werken Michelangelos und Leonardo da Vincis. Papst Julius II. berief ihn 1508 nach Rom und betraute ihn mit der Ausmalung der als „Stanzen“ berühmten päpstlichen Gemächer. Sein Nachfolger Leo X. ernannte Raffael zum Oberaufseher der römischen Altertümer sowie Chefarchitekten des neuen Petersdoms – und damit der bedeutendsten Baustelle der Renaissance. Raffael war aber kein einsames Genie. Seine zahlreichen Aufträge bewältigte er seit 1511 als Dirigent einer vielköpfigen Werkstatt.

Laut Vasari brachte Raffael die idealen Voraussetzungen mit, um seine Werkstatt erfolgreich zu leiten und mit seinen hochrangigen kirchlichen wie weltlichen Auftraggebern bestens auszukommen. Er berichtet in seiner 1550 verfassten und 1568 überarbeiteten Lebensbeschreibung, dass Raffael sich durch Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit, Güte und Großzügigkeit auszeichnete. Vor allem aber beschreibt und kommentiert der Biograf dessen Kunstwerke. Dazu rät auch Nesselrath, der über 30 Jahre die 2012 abgeschlossene Restaurierung der vatikanischen Stanzen leitete: „Das Werk in all seinen vielfältigen Aspekten ist die direkteste, intimste und komplexeste Begegnung“ mit Raffael.

Die Figuren „reden“

Besonders die liebenswürdigen Madonnen-Gemälde des jungen Raffael haben viele Verehrer. Etwa die „Heilige Familie aus dem Hause Canigiani“ (1507) in Münchens Alter Pinakothek. Maria sitzt mit dem Jesuskind im Freien. Sie haben Besuch von Elisabet und dem Johannesknaben. Hinter den dicht zusammengerückten Müttern und Kindern steht Josef. Weit weniger gut organisiert wirkt der Auftritt der an der viel bewunderten „Grablegung Christi“ (1507, Rom, Galleria Borghese) beteiligten Figuren. Josef von Arimathäa tritt Maria Magdalena auf den Fuß, und dem rückwärts gehenden vorderen Träger des Leichnams Christi steht Johannes im Weg. 

Aber schon bald bewährt sich Raffael als begnadeter Regisseur weit größerer Menschenmengen. Das beweist das eindrucksvolle Fresko des „Disputs über das Sakrament“ (1510-1511) in der Stanza della Segnatura. Während in der Himmelsph re Moses und Petrus, Maria und Johannes der Täufer sowie zehn weitere Glaubenszeugen zu Seiten Christi sitzen, sind in der irdischen Sphäre links und rechts des Altars über 40 gestikulierende Gestalten harmonisch gruppiert.

Der ungemeine Reiz der Werke Raffaels besteht darin, dass sie einen „ansprechen“. Das liegt an der wie aus dem Leben abgeschauten Mitteilungsfreudigkeit des Bildpersonals. Die Figuren „reden“ durch Gesten, Blicke oder Mienenspiel miteinander – und sprechen uns durch Fingerzeige oder Augenkontakt direkt an. Das zeigt aufs Schönste die „Sixtinische Madonna“ (1512–1513, Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister). Mit dem Kind auf dem Arm scheint sie uns Betrachtern vom Himmel herab entgegenzukommen und uns dabei anzusehen. Derweil wirken die beiden berühmtesten Kinderengel der Welt, die Raffael an den unteren Bildrand gemalt hat, gelangweilt, wie ihre verdrehten Augen verraten.

Nicht etwa Leonardos „Mona Lisa“, sondern Raffaels „Verklärung Christi“ (1518–1520, Vatikanische Museen) galt über Jahrhunderte als das berühmteste Gemälde der Welt. Vasari berichtet, dass der verstorbene Raffael in seinem Atelier aufgebahrt lag, „ihm zu Häupten das Bild der Verklärung“. Sein im Jubiläumsjahr mit einer Rose geschmücktes Grabmal im Pantheon von Rom hat sich Raffael selbst entworfen.

b Neue Bücher zum Jubiläum Giorgio Vasari: „Das Leben des Raffael von Urbino“, Reclam, 122 Seiten, 7 Euro. Stefano Zuffi: „Raffael – Meisterwerke im Detail“, Verlag Bernd Detsch, 224 Seiten, 29,95 Euro. Arnold Nesselrath: „Raffael!“ Belser, 224 Seiten mit 150 Farbfotos, 89 Euro.

William Wordsworth
250. Geburtstag des See-Poeten
H. Tews

Der Ausdruck „Stay at home“, mit dem die Bevölkerung in Pandemie-geplagten Zeiten zu Stubenhockern genötigt wird, hätte von William Wordsworth stammen können. Der vor 250 Jahren geborene englische Dichter begab sich im Lake District, jener seenreichen Gebirgslandschaft im Nordwesten Englands kurz vor der schottischen Grenze, in freiwillige Selbstisolation, um in aller Ruhe über die Natur sinnieren zu können.

Er war aber nicht ganz allein. Neben seiner Familie lebten dort auch der Dichterfreund Samuel Taylor Coleridge und Robert Southey, den Wordsworth nach dessen Tod als offizieller Hofdichter des britischen Königshauses beerben sollte. Gemeinsam sind sie in der englischen Literatur als die „Lake Poets“, also die See-Poeten, bekannt geworden. 

Besonders der am 7. April 1770 nördlich des Lake District geborene Wordsworth und der zwei Jahre jüngere Coleridge waren als Team für die englische Romantik so einflussreich wie es Goethe und Schiller für die deutsche Klassik waren. So wie Letztere 1797 mit den „Xenien“ ein Gemeinschaftsprojekt herausgebracht hatten, taten es die beiden Briten ein Jahr später mit ihren „Lyrical Ballads“ (Lyrische Balladen), die als Geburtsurkunde der Romantik auf der Insel zu den bedeutendsten Gedichtwerken der britischen Literatur zählen. Wordsworths „Lines written above Tintern Abbey“ (Zeilen, geschrieben oberhalb der Abtei von Tintern) und Coleridges „Rime of the Ancient Mariner“ (Lied des alten Seemanns) kennt in England jedes Schulkind. 

Bevor der Lake District als Pilgerort zum britischen Weimar wurde, nahmen beide Poeten Anschauungsunterricht in Deutschland. Während Coleridge sich in die deutsche Sprache verliebte, ging Wordsworth im eisigen Winter das Geld aus, wodurch die geplante Weiterfahrt nach Weimar platzte. Viel weiter als bis nach Goslar kam er nicht. Dafür entstanden dort die ersten Zeilen seines autobiografischen Poems „The Prelude“, das ein monumentales dreiteiliges Gedichtzyklus über Naturharmonie einleiten sollte. 

Daran verhob er sich gewaltig. Volle 50 Jahre bis zu seinem Tod am 

23. April 1850 im – natürlich – Lake District bastelte er daran, doch außer dem „Prelude“ und einem Mittelteil namens „The Excursion“ (Die Wanderung) ist nichts weiter entstanden. Wordsworth scheiterte daran, Anspruch und Wirklichkeit in dichterischen Einklang zu bringen. Es war dieses Versagen, das dazu führte, dass andere romantische Dichter wie Percy B. Shelley oder Lord Byron ihm später den Rang ablaufen sollten.

S. 10 Geschichte & Preussen

Armin Mohler
Für die Rechte, mit Ernst Jünger und gegen den Zeitgeist
Die „Konservative Revolution“ war eines der bestimmenden Themen seines Lebens. Er gilt als Vordenker der Rechten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Erik Lommatzsch

Auch denen, die auf seiner Seite standen, hat es Armin Mohler nie leicht gemacht. Vor allem im fortgeschrittenen Alter platzierte der Intellektuelle Stellungnamen, die viele Konservative, die ihn in ihrem Lager zu verorten suchten, Abstand nehmen ließ. Auf die Frage, ob er Adolf Hitler noch immer bewundere, antwortete er, dieser habe „immerhin eine richtige Führung geschaffen. Die Kader, die er heranzog, hatten Stil.“ Faschismus sei für ihn, so Mohler 1995, „wenn enttäuschte Sozialisten und enttäuschte Liberale sich zu etwas Neuem zusammenfinden. Daraus entsteht, was man Konservative Revolution nennt.“ Der „Konservativen Revolution“ war bereits seine 1950 erschienene Dissertation gewidmet, die inzwischen zum mehrfach überarbeiteten Standardwerk avanciert ist. Den auf den ersten Blick paradoxen Begriff wusste er hier differenzierter zu umreißen.

„Was die Deutschen fürchten“

Geboren wurde Mohler am 12. April 1920 in Basel. Die Schweizer Staatsbürgerschaft behielt er bei, obwohl er den größten Teil seines Lebens in Deutschland verbrachte. In der Jugend zur äußeren Linken tendierend, nahm er 1938 in seiner Heimatstadt das Studium der Kunstgeschichte auf. Infolge einer radikalen Umkehr seines Denkens ging er Anfang 1942 ins Reich, mit dem Ziel, in den Reihen der Waffen-SS am Feldzug gegen die Sowjetunion teilzunehmen. Dazu kam es nicht. Er studierte kurzeitig in Berlin, nach der Rückkehr in die Schweiz wurde er unter anderem wegen „illegalen Grenzübertritts“ und „Dienstversäumnis“ zu einem halben Jahr Festungshaft verurteilt. Nach der Fortsetzung seines Studiums, nun mit dem Schwerpunkt Philosophie, wurde er in Basel bei Herman Schmalenbach und Karl Jaspers promoviert. 

So ganz wohl war Letzterem bei der Ausrichtung der Studie „Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932“ wohl nicht. Gegenüber Mohler äußerte er nämlich, „wir Philosophen sind nun einmal so: wir züchten unsere Schlangen an unserer eigenen Brust.“ Mit Mohlers Doktorarbeit fand der Begriff „Konservative Revolution“ eine feste Verankerung im Diskurs. „Konservative Revolution“ war für Mohler die Sammelbezeichnung für die „Völkischen“, die „Jungkonservativen“, die „Nationalrevolutionäre“, die „Bündischen“ und die „Landvolkbewegung“ oder – um es mit dem Historiker Karlheinz Weißmann zu sagen – die nicht-nationalsozialistische Rechte. „Er glaubte, daß diese Gruppe geeint werde durch eine gemeinsame Mentalität: den Kampf gegen die Dekadenz des liberalen Systems und die universalisierenden Tendenzen der Moderne, zu deren Ursachen er auch das Christentum zählte.“ Mohlers Kritik am Christentum wurde aus dem konservativen Lager mehrfach zurückgewiesen. 

Nach 1945 war er bestrebt, die Ideen der „Konservativen Revolution“ – den Gegebenheiten der Zeit angepasst – zu „rehabilitieren“, so Weißmann. Er habe die Absicht verfolgt, „den geschlagenen Deutschen ihren Selbstbehauptungswillen zurückzugeben“, und „nach Konzepten für eine moderne rechte Intelligenz jenseits der tolerierten Form des Kulturkonservatismus“ gesucht.

Geprägt war Mohler unter anderem durch Oswald Spengler, Carl Schmitt und Ernst Jünger. Von Schmitt übernahm er die Freund-Feind-Unterscheidung. Bei Jünger arbeitete er zwischen 1949 und 1953 als Sekretär. Wenig angetan zeigte er sich davon, dass der von ihm bewunderte Schriftsteller von seinen früheren nationalrevolutionären Positionen abrückte und ältere Werke entsprechend überarbeitete. 

1953 ging Mohler als Korrespondent für die Schweizer Zeitung „Die Tat“ nach Paris. Ebenso schrieb er für „DIE ZEIT“ und die auflagenstarke Wochenzeitung „Christ und Welt“. Später wirkte er als Geschäftsführer der Carl Friedrich von Siemens Stiftung in München. Er konnte sich in Innsbruck habilitieren, eine Professur blieb ihm allerdings versagt.

Mohler publizierte umfangreich. So erschien etwa 1965 „Was die Deutschen fürchten. Angst vor der Politik – Angst vor der Geschichte – Angst vor der Macht“ oder 1968 „Vergangenheitsbewältigung. Von der Läuterung zur Manipulation“. Diese Thematik beschäftigte ihn nahezu durchgängig, 1989 veröffentliche er „Der Nasenring. Im Dickicht der Vergangenheitsbewältigung“.

Dem Zeitgeist stellte er sich stets vehement entgegen. Anlässlich seines 80. Geburtstages resümierte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, der seinerzeitige „Aufstand der Studenten mündete in den Antifaschismus der Nachgeborenen, als deren Zielscheibe sich Mohler auf ideale Weise anbot“.

In Frankreich sah Mohler das Vorbild für ein auch für Deutschland erstrebenswertes Nationalgefühl, Person und Politik des Staatspräsidenten Charles de Gaulle galten ihm als Orientierungspunkt. Die „Nouvelle Droite“ (Neue Rechte) bot ihm zahlreiche Ansätze, die seine eigenen Positionen widerspiegelten.

„Der Nasenring“

Bezüglich des politischen Gegners äußerte er: „Jeder Staat braucht Linke. Er braucht sie nicht allein als Stachel, der ihn hindert, in Sattheit zu versinken. Er braucht sie vor allem, damit immer wieder neue Kräfte in die Führungspositionen aufsteigen.“ Dieser Funktion wurde die Linke der Bundesrepublik nach Mohlers Auffassung jedoch nicht gerecht. 

In den 1950er Jahren war die „Deutsche Partei“ bestrebt, ihn für sich zu gewinnen. Später arbeitete er für Franz Josef Strauß und die CSU, in den 1980er Jahren fühlte er sich den „Republikanern“ verbunden. Spürbar Einfluss nehmen konnte er nur sehr bedingt.

Abseits der Politik und der politischen Publizistik widmete er sich Beiträgen über Literaten und Kunstgeschichte. Er zählt zu den Autoren von „Kindlers Malerei Lexikon“. Besondere Vorlieben hegte er für einige Vertreter der Moderne, etwa Frida Kahlo, Diego Rivera oder Edward Hopper. 

Mohlers spätere Bewegung in Richtung extremer Ansichten und seine sich immer weiter verfestigende Frontstellung gegen die Liberalen dürften eine Erklärung vor allem in einer Reihe von Enttäuschungen und massiven, jahrzehntelangen Angriffen auf ihn finden. Allerdings wusste er auch selbst auszuteilen. Der Literaturwissenschaftler Gunther Nickel urteilte, Mohler sei „ein intellektueller Husar, der sich nur im Kampf richtig wohl fühlt.“ Am 4. Juli 2003 ist er in München gestorben.

„Goya“-Katastrophe
Zirka 7200 Tote durch zwei Torpedos
Manuel Ruoff

Vor 75 Jahren wurde für die Flucht über die Ostsee fast alles mobilisiert, was schwimmen konnte. Dazu gehörte auch die „Goya“, obwohl es sich dabei um ein Frachtschiff handelte. Das Schiff war relativ neu. Vor acht Jahrzehnten, am 4. April 1940, wurde das in Oslo gebaute und nach dem spanischen Maler Francisco de Goya benannte Schiff in Dienst gestellt. Nach Verwendungen als Truppentransporter und Zielschiff war es schließlich Bestandteil der Evakuierungsflotte geworden. Die ersten vier Evakuierungsfahrten der „Goya“ verliefen erfolgreich. 19 785 Personen konnten dabei in den Westen gebracht werden. 

Dann kam am 16. April 1945 die fünfte Fahrt. Über 7000 Personen waren diesmal an Bord, Verwundete, Angehörige des Panzerregiments 35 und aus Ostdeutschland flüchtende Zivilisten. Bereits vor dem Lichten der Anker wurde das vor der Halbinsel Hela liegende Schiff Opfer alliierter Angriffe. Eine das Oberdeck durchschlagende Fliegerbombe zerstörte den Mineneigenschutz und das U-Boot-Ortungsgerät. Das immerhin 18 Knoten schnelle Schiff musste sich einem Konvoi anschließen, dessen langsamster Teil, der nur neun Knoten schnelle Dampfer „Kronfels“, das Tempo vorgab. 

Gegen 19 Uhr setzte sich der Konvoi in Bewegung und lief dem sowjetischen U-Boot L-3 in die Arme. Unweit der Stelle, an der wenige Monate zuvor S-13 die „Wilhelm Gustloff“ versenkt hatte, wartete nun Kapitän Wladimir Konowalow mit seinem U-Boot auf von Hela kommende Beute. Kurz vor Mitternacht war es so weit. Er pickte sich aus dem Konvoi das größte Schiff heraus. Das war die „Goya“. Vier Torpedos feuerte er auf das Schiff. Da war es acht Minuten vor Mitternacht.

Ein Torpedo traf das Vorschiff, ein zweiter mittschiffs. Der Kiel war gebrochen, die Bordwand mit riesigen Löchern versehen. Als für zivile Zwecke gebautes Schiff verfügte die „Goya“ über keinerlei entsprechende bauliche Sicherheitsmaßnahmen. Der Frachter bekam binnen Sekunden Schlagseite nach Steuerbord und versank in nur sieben Minuten in der nur drei Grad warmen Ostsee.

Die Einen wurden direkt durch die Torpedos getötet, andere ertranken im durch die Löcher in den Bordwänden hereinschießenden Wasser. Doch selbst die, die es aus dem Inneren an Deck schafften und nicht mit dem untergehenden Schiff in die Tiefe gerissen wurden, überlebten das Unglück in der Regel nicht. Nur ein Rettungsboot konnte ins Wasser gelassen werden, und das kenterte wegen Überlast. Angesichts der Wassertemperatur hatte nur der eine Chance, der sich aus dem kühlen Nass auf eine schwimmende Kiste, eine Planke oder eines der wenigen Rettungsflöße retten konnte. Weniger als 180 Schiffbrüchige wurden schließlich durch andere Schiffe des Konvois gerettet, die anderen schätzungsweise 7200 überlebten die letzte Fahrt der „Goya“ nicht.

S. 11 Geschichte & Preussen

Franklin D. Roosevelt
Kein neues „Mirakel des Hauses Brandenburg“
Vor 75 Jahren starb der 32. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Anders als beim Ableben der russischen Zarin Elisabeth während des Siebenjährigen Krieges blieb diesmal eine Kriegswende aus
Wolfgang Kaufmann

Am Nachmittag des 12. April 1945 saß der US-Präsident Franklin Delano Roosevelt auf seinem Landsitz Little White House in Warm Springs (Georgia) der Porträtmalerin Elizabeth Shoumatoff Modell, als er plötzlich über starke Kopfschmerzen klagte und dann bewusstlos zusammensackte. Der daraufhin herbeigeeilte Arzt Howard Bruenn diagnostizierte eine massive Hirnblutung. Kurz darauf starb Roosevelt im Beisein von Lucy Rutherfurd, seiner langjährigen Geliebten.

Für den deutschen Reichspropagandaminister Joseph Goebbels kündigte sich damit die Wiederholung des „Mirakels des Hauses Brandenburg“ an. So wie Preußen unter Friedrich dem Großen im Siebenjährigen Krieg durch den Tod der russischen Zarin Elisabeth gerettet worden sei, werde nun das Ableben von Roosevelt die Anti-Hitler-Koalition sprengen. Und das prophezeite dann auch Adolf Hitler in seinem Tagesbefehl vom 16. April 1945 an die Soldaten der Ostfront: „Im Augenblick, in dem das Schicksal den größten Kriegsverbrecher aller Zeiten von der Erde genommen hat, wird sich die Wende dieses Krieges entscheiden.“

Fernduell mit dem Empire

Das sollte allerdings eine Illusion bleiben – auch wenn mit dem am 30. Januar 1882 geborenen 32. Präsidenten der Vereinigten Staaten tatsächlich einer der verbissensten und mächtigsten Feinde Deutschlands das Zeitliche gesegnet hatte. Der Hass des vormaligen Rechtsanwaltes, der 1910 in die Politik gegangen und 1932 in das höchste Staatsamt der USA gewählt worden war, resultierte aus einem mehrmonatigen Kuraufenthalt in Bad Nauheim während seiner Kindheit. Letztlich war die Politik des Demokraten gegenüber Deutschland wie auch dessen Verbündeten Italien und Japan aber von seinem höchsten außenpolitischen Ziel geleitet, der Demontage des britischen Weltreiches bei gleichzeitiger Stärkung der globalen Machtposition der USA. Aus diesem Grunde provozierte er Berlin, Rom und Tokio bei jeder sich bietenden Gelegenheit – wohl wissend, dass ein dergestalt herbeigeführter internationaler Konflikt in letzter Konsequenz vor allem das Empire schwächen würde.

Wichtige Marksteine auf diesem Wege waren die sogenannte Quarantäne-Rede vom 5. Oktober 1937 und die nachfolgenden Boykottmaßnahmen insbesondere gegen Japan, die praktisch auf einen Wirtschaftskrieg hinausliefen und dafür sorgten, dass das fernöstliche Kaiserreich 1941 ökonomisch mit dem Rücken zur Wand stand. Durch das von Roosevelt initiierte internationale Embargo gegen Japan schrumpften dessen Außenhandel um 75 und dessen Ölimporte gar um 90 Prozent. Daraus resultierte schließlich der japanische Angriff auf Pearl Harbor, der wiederum die Kriegserklärung der Achsenpartner Deutschland und Italien an die USA nach sich zog. Damit war es Roosevelt gelungen, die bis dahin noch recht einflussreichen Befürworter eines isolationistischen Kurses im eigenen Lande kaltzustellen und jenen Flächenbrand im Pazifik und Südostasien auszulösen, an dessen Ende der Kollaps des britisch-indischen Kolonialreiches stand.

Trotz seiner Kriegstreiberei zählen seine Landesleute Roosevelt, der 1936, 1940 und 1944 wiedergewählt wurde und damit als einziger US-Präsident mehr als zweimal amtierte, neben George Washington und Abraham Lincoln zu den drei bedeutendsten Präsidenten ihres Landes. Roosevelts Mythos beruht neben seiner Rolle als Sieger im Duell mit den Achsenmächten sowie auch dem Fernduell mit dem britischen Empire auf dem sogenannten New Deal. Jenes Bündel wirtschaftlicher und sozialer Reformen war seine Antwort auf die Herausforderungen durch die Weltwirtschaftskrise. Dabei ist es fraglich ob die Änderungen in der Geldpolitik, die Versuche, die Finanzmärkte und das Bankenwesen zu regulieren sowie die Bemühungen zur Schaffung eines Sozialversicherungssystems tatsächlich so hilfreich waren, wie oft behauptet wird. Jedenfalls führten die massiven staatlichen Interventionen letztlich zu keinen nachhaltigen Fortschritten. So verschlechterten sich die ökonomischen Daten ab 1937 wieder. Roosevelts Reformprojekte stagnierten. Erst der außenpolitische Kurs des Präsidenten, der die USA sukzessive in den Zweiten Weltkrieg hineinlavierte, überwand den Nachfragemangel und verschaffte dem Lande den lange erwarteten nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung.

Krieg als Konjunkturprogramm

Kritisch zu sehen ist auch Roosevelts äußerst naive Haltung gegenüber dem sowjetischen Diktator Josef Stalin. Er lebte in der Illusion, „Onkel Joe“ werde bei einem Entgegenkommen der Westmächte mit deren Staatsmännern „für eine Welt der Demokratie und des Friedens zusammenarbeiten“. Diese eklatante Fehleinschätzung führte dazu, dass sich in der östlichen Hälfte Europas und anderswo auf der Welt neue totalitäre Regime etablieren konnten. Der sich so dezidiert christlich gebende Präsident öffnete dem Stalinismus Tür und Tor und legte damit faktisch den Grundstein für den Kalten Krieg. 

Möglicherweise resultierte die zum Kriegsende hin deutlich zunehmende Urteilsschwäche Roosevelts aus seinem desolaten Gesundheitszustand. Der Politiker litt schon ab 1921 an Kinderlähmung und konnte sich seitdem nur noch im Rollstuhl oder mit Hilfe eines schweren metallenen Stützkorsetts fortbewegen, was er aber vor der Öffentlichkeit nach Kräften zu verbergen suchte. Dazu kamen ab Anfang 1944 noch massiver Bluthochdruck in Verbindung mit Herzinsuffizienz und eine weit fortgeschrittene Arteriosklerose. Der Neurologe Steven Lomazow äußerte 2010 die Vermutung, dass Roosevelt zudem Hautkrebs gehabt und ein Melanom über seiner linken Augenbraue Metastasen ins Gehirn gestreut habe. Deshalb sei er auch kaum noch handlungsfähig gewesen, als er im Februar 1945 in Jalta mit dem britischen Premier Winston Churchill und Stalin über die Grundzüge der Nachkriegsordnung konferierte. Überprüfen lässt sich dies heute nicht mehr, denn die medizinischen Unterlagen des Präsidenten verschwanden kurz nach dessen Tod spurlos.

Norwegen
Als die Alliierten zu spät kamen
Wolfgang Kaufmann

Ab Ende 1939 planten Großbritannien und Frankreich, in Skandinavien eine zweite Front gegen Deutschland zu eröffnen – und zwar unter Verletzung der Neutralität Norwegens und Schwedens. Jedoch wurden die Vorbereitungen für die Operationen Avonmouth, Plymouth und Stratford allesamt wieder gestoppt, vor allem wegen des zu erwartenden Widerstands der Regierungen in Oslo und Stockholm. 

Einen neuen Versuch stellte der Plan R 4 dar. Nun wollten die Alliierten versuchen, Deutschland zum Angriff auf Norwegen zu provozieren, um hernach als scheinbare Verteidiger der norwegischen Neutralität aufzutreten. Dazu sollte die Royal Navy im Rahmen der Operation Wilfred Seeminen in den norwegischen Küstengewässern platzieren, die von deutschen Erzfrachtern befahren wurden. Der diesbezügliche Beschluss des Kabinetts in London erging am 3. April 1940.

Drei Tage später stachen die Minenleger unter dem Schutz zahlreicher schwerer Einheiten in See. Am 8. April trafen die britischen Schiffe auf die deutschen Marineverbände, die am Vortag zum Unternehmen Weserübung, der präventiven Besetzung Dänemarks und Norwegens, ausgelaufen waren. Dabei ging der britische Zerstörer „Glowworm“ verloren. Dergestalt alarmiert beschloss London, seine Landungstruppen, die sich bereits an Bord diverser Kreuzer in Rosyth und am 

Clyde befanden, wieder auszuschiffen. Anschließend eilten alle verfügbaren britischen Kriegsschiffe nach Osten, um die deutschen Absichten zu durchkreuzen. Aber dazu war es bereits zu spät.

Am Morgen des 9. April 1940 landete die Kriegsmarine größere Truppenverbände in Norwegen an, darunter Teile der 69. und der 163. Infanterie-Division sowie der 3. Gebirgs-Division. Daraufhin entsandten die Westalliierten dann doch die für die Annexion des skandinavischen Landes bereitgestellten Heereseinheiten nach Harstad, Namsos und Andalsnes, um die Norweger zu unterstützen. Das führte zu teilweise erbitterten Kämpfen, bei denen die britisch-französischen Kontingente schließlich unterlagen und evakuiert werden mussten. Danach blieb Norwegen keine andere Wahl, als am 10. Juni 1940 zu kapitulieren.

Das vielleicht bekannteste Opfer des alliierten Zuspätkommens war der britische Premier Neville Chamberlain. Er überlebte das Zuvorkommen der Deutschen bei der Besetzung Norwegens politisch nicht. Nach scharfer Kritik während der sogenannten Norwegendebatte im Unterhaus räumte er am 10. Mai 1940 Winston Churchill das Feld.

S. 12 Mensch & Zeit

Corona
Die Geheimdienste haben frühzeitig vor der Pandemie gewarnt
Deutscher BND, US-amerikanische CIA oder israelischer Mossad: Über ihre Spionage-Apparate waren die westlichen Regierungen bereits Anfang Januar über die Schwere der Gefahr aus China informiert
Wolfgang Kaufmann

Als ab November 2002 das (ebenfalls) aus China kommende Virus SARS-CoV-1 für die erste Pandemie des 21. Jahrhunderts sorgte, versuchte die Führung in Peking, den Ausbruch zunächst geheim zu halten: Eine offizielle Benachrichtigung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erfolgte erst am 10. Februar 2003. Trotzdem wusste die Bundesregierung schon Wochen vorher Bescheid über die Vorgänge in China. Denn der Bundesnachrichtendienst (BND) hatte damals Telefonate von Behördenmitarbeitern und Parteifunktionären im „Reich der Mitte“ abgehört.

Eine ähnliche Rolle spielte der BND auch in der Corona-Krise, wie das Nachrichtenportal „Business Insider“ meldet. So erfuhr unsere Staatsführung zahlreiche vertrauliche Details über die Ausbreitung des Virus in China, die Not und Verunsicherung der Bevölkerung, ihre verzweifelten Versuche zur Selbsthilfe und kriminelle Netzwerke, die aus der Katastrophe Profit zu schlagen versuchten. Außerdem legte der BND gemeinsam mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, dem Bundeskriminalamt und dem Bundesverfassungsschutz einen „Sonderbericht Wirtschaftsschutz“ vor, in dem die „Abhängigkeit der Gesundheitsversorgung westlicher Länder von der chinesischen Medikamentenherstellung“ dargelegt wird, wonach die Warnung folgt: „Zukünftig könnte dieser Zustand als indirektes Druckmittel Chinas für die Durchsetzung eigener Interessen dienen.“

In ähnlicher Weise dürften die Nachrichtendienste in anderen Ländern agieren. Theoretisch besonders gut aufgestellt sind dabei die USA, sie verfügen über 17 Geheimdienste unter Führung des Director of National Intelligence, Richard Grenell. Ihm untersteht nicht zuletzt auch das National Center for Medical Intelligence (NCMI), das zum Militärgeheimdienst Defense Intelligence Agency (DIA) gehört und sich mit allen Aspekten befasst, welche die US-Volksgesundheit tangieren.

Schon bei SARS Peking durchschaut

Die Dienste beschaffen ihre Informationen auf zwei Wegen: durch elektronische Aufklärung und die Abschöpfung menschlicher Quellen. Allerdings wird diese durch die Pandemie erheblich erschwert. Wo sollen die Agentenführer jetzt mit ihren V-Leuten zusammenkommen, wenn Restaurants und ähnliche Einrichtungen geschlossen sind und es keine Menschenansammlungen mehr gibt, in deren Schutz man unbemerkt interagieren kann? Oder wenn Ausgangs- und Kontaktsperren sogar jedwede Form von konspirativen Treffen unmöglich macht?

Desgleichen müssen nun auch viele Schlapphüte im Innendienst zu Hause arbeiten. Das wirft massive Probleme auf: Wie soll beispielsweise die Abhörsicherheit des „Home Office“ und der Datenleitungen zwischen diesem und der „Firma“ gewährleistet werden? Die CIA gibt die Kosten entsprechender präventiver Maßnahmen mit 25 000 bis 70 000 US-Dollar pro Heimarbeitsplatz an.

Trotzdem leisten die Geheimdienste einen wichtigen Beitrag, wenn es darum geht, ungeschminkte Informationen über das Ausmaß der jeweiligen nationalen Bedrohung durch Corona zu bekommen. So wurde US-Präsident Donald Trump bereits am 3. Januar gewarnt, dass eine von China ausgehende Pandemie bevorstehe. Ebenso wiesen die CIA und andere Dienste auf die erhöhte Gefahr von terroristischen Anschlägen hin, bei denen das Corona-Virus als Biowaffe eingesetzt werden könnte oder die Attentäter vom allgemeinen Chaos im Zielland zu profitieren suchen. Derartige Kassandra-Rufe müssen bei den jeweiligen Verantwortlichen dann natürlich auch auf offene Ohren stoßen – aber das gilt ja grundsätzlich für alle Meldungen der Geheimdienste.

Kein Problem, von ihrer Regierung ernstgenommen zu werden, haben der Mossad und der Schin Bet in Israel. Der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad besorgte auch gleich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion 100 000-Corona-Testsets aus dem Ausland – wahrscheinlich aus einem arabischen Staat, zu dem keine offiziellen diplomatischen Beziehungen bestehen. Dem sollen nun „Nachlieferungen“ von vier bis fünf Millionen Tests folgen. Parallel hierzu erfüllt der Inlandsgeheimdienst Schin Bet die Aufgabe, Mobiltelefone von israelischen Bürgern ohne richterliche Genehmigung zu kontrollieren und Bewegungsprofile zu erstellen, um den Aufenthaltsort von Corona-Infizierten zu ermitteln beziehungsweise die Einhaltung von Quarantäne-Auflagen zu überprüfen – ein spezielles Dekret von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu macht es möglich. Dabei verwendet der Schin Bet Methoden aus den Arsenalen des Anti-Terror-Krieges, was von der Opposition mittlerweile heftig kritisiert wird.

Mossad beschaffte heimlich Masken

Ebenso verstärkt das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz seine Inlandsaktivitäten. Die Behörde prüft nun beispielsweise nach eigener Aussage vom 26. März in „einem fortlaufenden Monitoring“, inwieweit in den durch sie „bearbeiteten Phänomenbereichen die Corona-Krise instrumentalisiert wird“. Darunter fällt wohl auch – wobei das auf eine explizite Anfrage von „Bild“ hin weder dementiert noch bestätigt wurde – das Verfolgen der Berichterstattung des Internet-Fernsehsenders RT-Deutsch, dem die bundesdeutschen Leitmedien unterstellen, Propaganda im Dienste des Kreml zu betreiben. Deuten sich hier Zensurmaßnahmen an? Immerhin vermeldete das „Strategische Kommunikationsteam Ost“ des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EEAS), es habe zwischen Januar und März 110 Falschmeldungen russischen Ursprungs zum Thema Corona registriert. Aus Sicht der Deutschen Welle, des öffentlich-rechtlichen Auslandsrundfunks der Bundesrepublik, kommen dabei drei Formen der Desinformation zum Einsatz: Die „Weiße Propaganda“ seitens der Regierung in Moskau, die „Graue Propaganda“ aus den Redaktionsstuben von RT Deutsch und die „Schwarze Propaganda“ vermittels Internet-Tarnfirmen, welche automatisierte Software und „Trolle“, also menschliche Experten für Stimmungsmache, einsetzten. Wobei hinter all dem russische Geheimdienste steckten. Bewiesen ist bisher indes nichts davon.

GeschlechterForschung
Und sie unterscheiden sich doch
Rückschlag für Gender-Ideologie: Forscher weisen deutliche Differenzen zwischen weiblichen und männlichen Gehirnen nach

Das absolut zentrale Dogma der Gender-Ideologie lautet, dass es keine naturbedingten Verhaltensunterschiede zwischen Männern und Frauen gebe und das Geschlecht eine fast ausschließlich „soziale Kategorie“ sei. Der Mensch komme quasi als Neutrum auf die Welt und finde dann erst später infolge von Umwelteinflüssen, allen voran natürlich die Erziehung, seine männliche oder weibliche Identität. 

Doch genau das wird vielfach angezweifelt – und zwar nicht nur von Laien, welche den gesunden Menschenverstand und ihre eigene Lebenserfahrung ins Spiel bringen, sondern auch von Wissenschaftlern: Es sei absurd, die unübersehbaren biologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen einfach zu ignorieren, so der Tenor.

Diese Kritiker erhalten jetzt neue argumentative Munition. Sie findet sich in einem Fachartikel von Hannah Kiesow von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen und acht weiteren Psychologen, Psychiatern und Neurowissenschaftlern aus Deutschland, Großbritannien, Kanada, den USA und den Niederlanden, der am 18. März in der angesehenen Fachzeitschrift „Science Advances“ erschien. 

In dem Text mit dem Titel „10 000 Social Brains: Sex Differentiation in Human Brain Anatomy“ (zu Deutsch: 10 000 soziale Gehirne: Geschlechterdifferenzierung in der Anatomie des menschlichen Gehirns) wird beschrieben, wie die Forscher die mittels von sogenannten Magnetresonanz-Tomografien gewonnenen Strukturdaten der Gehirne von 10 000 Erwachsenen untersuchten. Dabei hatten sich Kiesow und ihre Kollegen auf 36 unterschiedliche Hirnregionen konzentriert, welche für die Verarbeitung und Kontrolle von Emotionen, das Treffen von Entscheidungen, das Triebverhalten und die Reaktion auf soziale Reize zuständig sind. 

10 000 Hirne akribisch untersucht

Dazu zählen beispielsweise die paarig ausgebildete Amygdala (auch Mandelkern genannt) im linken und rechten Schläfenhirn, der ventromediale präfrontale Cortex (VMPFC) im Bereich der Stirnseite des Großhirns und das Belohnungszentrum Nucleus accumbens im unteren Vorderhirn. Bei der Analyse stellte sich heraus, dass das Volumen solcher Hirnregionen bei Männern und Frauen in aller Regel deutlich messbar voneinander abwich. Bei den weiblichen Probanden war beispielsweise die Amygdala, die unter anderem für das Empfinden von Angst und Furcht sowie lustbetonten Emotionen sorgt, vielfach deutlich vergrößert. Weitere Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern zeigten sich auch an diversen anderen Stellen.

Laut Kiesow und ihren Kollegen besteht ein unmittelbarer kausaler Zusammenhang zwischen den Unterschieden beim Umfang der untersuchten Abschnitte des Gehirns von Männern und Frauen und der sozialen Situation der jeweiligen Probanden, die ebenfalls akribisch erfasst wurde. Allerdings reagieren männliche und weibliche Gehirne hier auf unterschiedliche Weise: So führt die Zufriedenheit mit dem eigenen Umfeld bei Frauen zu deutlich stärkeren anatomischen Effekten im Bereich der Amygdala und des VMPFC als bei Männern. Deren Gehirn wiederum antwortet auf eine ungünstige soziale Situation mit gravierenderen Veränderungen im Bereich des Nucleus accumbens.

Hieraus lässt sich unschwer der Schluss ziehen, dass auch die kontinuierliche Fortentwicklung der Hirnregionen beim Menschen in Abhängigkeit von der jeweiligen Lebenslage und das daraus resultierende Sozialverhalten biologisch vorherbestimmt sind – je nachdem, ob es sich um eine männliche oder weibliche Person handelt.   W.K.

S. 13 Das Ostpreußenblatt

Corona-Krise im Nördlichen Ostpreussen
Moskauer und Königsberger fliehen an die Ostsee
Viele Russen haben den von Putin verordneten Zwangsurlaub missverstanden – schärfere Einschränkungen sind die Folge
Jurij Tschernyschew

Bislang wurden in Russland offiziell vergleichsweise wenige Corona-Erkrankte registriert, jedoch steigt ihre Zahl ständig.

Das Königsberger Gebiet zählt neben Moskau und St. Petersburg zu den drei Regionen der Russischen Föderation, in die in den vergangenen Monaten viele russische Urlauber aus dem europäischen Ausland zurückgekehrt sind. Laut Informationen von Gouverneur Anton Alichanow waren zirka 55 000 Bewohner des nördlichen Ostpreußens in den vergangenen zwei Wochen ins Ausland gereist. 

Polen hatte bereits am 8. März verschärfte Gesundheitskontrollen an der innerostpreußischen Grenze eingeführt und bei allen Reisenden die Temperatur gemessen, woraufhin sich sich lange Staus bildeten. Viele Russen versuchten deshalb, über Litauen einzureisen, um nicht den ganzen Tag an der Grenze zur Republik Polen zu verbringen. Zu diesem Zeitpunkt gab es an der Grenze zur Republik Litauen noch keine strengen Kontrollen. Kurze Zeit später schloss Polen seine Grenze komplett. Litauen tat das Gleiche erst Tage danach. Deshalb nutzten die Bewohner des Königsberger Gebiets diese Möglichkeit, nach Hause zu kommen. Danach blieb nur noch, per Flugzeug von Moskau aus nach Königsberg zu gelangen. Doch auch diese Variante steht jetzt kaum noch offen, da die Flugverbindungen so gut wie eingestellt sind.

Nach den Grenzschließungen bekommt das Königsberger Gebiet seine  besondere Lage als Exklave zu spüren, da die Versorgung des Gebiets über den Landweg durch benachbarte Staaten führt. Obwohl die Grenzen für Lkws weiterhin offen sind, ist der Verkehr aufgrund der verstärkten Gesundheitskontrollen an den Grenzen eingeschränkt, was sich jeden Moment negativ auf die Lebensmittelversorgungssicherheit der Region auswirken kann.

Unmittelbar nach dem Ausbruch der Epidemie in Europa Mitte März hatte Alichanow allen Beamten, Abgordneten und deren Angestellten sowie Mitarbeitern der örtlichen Verwaltungen Reisen ins Ausland untersagt. In Schulen und Hochschuleinrichtungen wurde Fernunterricht eingeführt und Massenveranstaltungen wurden abgesagt. Am 17. März wurde in der Region ein Hochsicherheitsmodus eingeführt. 

Als Wladimir Putin für das ganze Land ab dem 30. März bis zum 5. April eine arbeitsfreie Woche anordnete, haben die Regionalregierungen sofort alle Läden, Einkaufszentren und Servicebereiche schließen lassen. Die Dienstleistungen verschiedener kommunaler und staatlicher Einrichtungen für die Bevölkerung wurden auf ein Minimum reduziert und es ist verboten, sich in Gruppen zu versammeln. Lediglich Lebensmittelgeschäfte und Apotheken dürfen öffnen. Die Schließung fast aller Einrichtungen mit gleichzeitigem Zwangsurlaub führte dazu, dass es in der Stadt nichts zu tun gibt. Einfach zu Hause sitzen wollten viele nicht. 

Da das Wetter am vergangenen Wochenende warm und sonnig war, zogen die Städter in Scharen an die Ostsee. Sie nutzten alle nur zur Verfügung stehenden  Verkehrsmittel. Auf der Landstraße bildeten sich lange Staus, und auf den Promenaden von Cranz und Rauschen gab es ein regelrechtes Durcheinander. Von Distanz und eingeschränkten Kontakten zwischen Menschen konnte keineswegs die Rede sein.

Die Situation wurde noch durch die Vielzahl der Gäste aus Moskau verschärft, die Wohnungen und Häuser an der Ostsee besitzen. Statt zu Hause zu bleiben, sind sie massenweise an die Ostsee gefahren, um die freie Woche zu genießen. Im Glauben, an der frischen Seeluft der Coronovirus-Epidemie entfliehen zu können, drohen sie nun die Bevölkerung im nördlichen Ostpreußen massiv zu infizieren. Die Regionalbehörden haben daher fast alle Busse, die von Königsberg zum Meer fahren, sowie die Vorortzüge stillgelegt. Die Russischen Eisenbahnen verkaufen künftig nur noch Fahrkarten von Moskau nach Königsberg an diejenigen, die eine Aufenthaltsgenehmigung besitzen. Zudem hat Litauen eine Begrenzung der Zugpassagiere von Moskau nach Königsberg über sein Territorium gefordert. Es dürfen sich nicht mehr als 100 Personen in einem Zug befinden.

Darüber hinaus haben einige Städte im Königsberger Gebiet von sich aus schärfere Kontrollen eingeführt. Palmnicken beispielsweise hat Straßenpatrouillen eingeführt und kontrolliert die Zufahrt zur Stadt. Wer zur Erholung ans Meer fahren möchte, wird zurückgeschickt. 

Da auch Hotels und Erholungsheime geschlossen sind, wurden deren Gäste nach Hause geschickt. Nach offiziellen Angaben werden derzeit etwa 100 Patienten im regionalen Krankenhaus für Infektionskrankheiten des Königsberger Gebiets behandelt.  Etwa 2000 befinden sich in der Selbstisolierung in ihren Wohnungen. Täglich werden etwa 400 Tests auf das Virus durchgeführt.

Östlich von Oder und Neisse
„Seid ohne Furcht, glaubt nur“
Während der Coronakrise können Gläubige nun in oberschlesischen Kirchen live dabei sein
Chris W. Wagner

Fünf Jahre ist es her, dass das ZDF eine katholische Messe aus St. Bartholomäus im oberschlesischen Oberglogau [Glogowek] ausstrahlte. Dieses Ereignis lockte nicht nur Scharen von oberschlesischen Gläubigen vor die Bildschirme, auch tausende Heimatvertriebene und ihre Familien haben damals, am 28. Juni 2015, der Messe beigewohnt.

In Zeiten der Corona-Pandemie, in der Gottesdienste ohne Gläubige stattfinden müssen, lassen einige Gemeinden ihre Schäfchen nun am Internet-Gottesdienst teilnehmen. Dazu gehört auch die St.-Bartholomäus-Gemeinde in Oberglogau. Dort wird an den folgenden Sonntagen um 8.30 Uhr ein Gottesdienst in deutscher Sprache gefeiert (Parafia Glogowek; Youtube). Und wie bereits vor fünf Jahren wird die Messe von Pfarrer Joachim Kobienia gelesen - nun eben online.

Ein deutschsprachiger Gottesdienst ist nichts Neues in Oberglogau, denn ein solcher wird seit der politischen „Wende“ in der St.-Bartholomäus-Kirche wieder gehalten. Oberglogau wurde wegen der Verbreitung der deutschen Sprache auch nach dem Krieg oft als „Klein Berlin“ bezeichnet. Es ist noch gar nicht lange her, da konnte man auf dem Oberglogauer Ring ältere Menschen antreffen, die sich über dies und jenes auf Deutsch unterhielten. Und wer über den neusten Klatsch und Tratsch informiert werden wollte, besuchte Frisörmeister Heinrich Larisch in seinem Salon am Ring 25. Heute muss man schon sehr die Ohren spitzen, um Alltagsdeutsch in Klein Berlin herauszuhören. In der St. -Bartholomäus-Kirche  hört man es aber selbst von jungen Menschen, die mit einer Lesung zur deutschen Messe beitragen. „Die jetzige Situation kann eine Chance bedeuten, die familiäre Frömmigkeit zu vertiefen“, so Pfarrer Kobienia, der auch Pressesprecher des Bischofs der Oppelner Diözese ist. 

Ein deutschsprachiger Gottesdienst wie der in Oberglogau kann sogar noch mehr, er kann ein Zugehörigkeitsgefühl über die Gemeinde hinaus fördern. „Wir haben Rotz und Wasser geheult”, berichteten Oberschlesier aus der Bundesrepublik nach der ZDF-Messe 2015. Und auch nach fünf Jahren rührte die Internetübertragung so manchen Heimattreuen in der Bundesrepublik. „Meine Mutter stammt aus der Nähe von Oberglogau. Ich habe sie mehrfach begleitet bei ihren Besuchen in der Heimat. Jetzt ist sie zu alt und zu kränklich dafür und im Moment geht reisen eh nicht. Durch den Internetgottesdienst konnte Mutter wieder zu Hause sein“, berichtet Gerhard Kaisik aus Baden-Württemberg.

Die spätbarocke St.-Bartholomäus-Kirche ist jedoch nicht die einzige Pfarrei in der Hochburg der deutschen Volksgruppe in Oberschlesien, die deutschsprachige Gottesdienste überträgt. An den jetzigen Sonntagen um 9.30 Uhr wird eine katholische Messe auch aus Chronstau (Chrzastowice, www. chrzastowice.com) übertragen, ebenso um 9.30 Uhr aus Rosenberg (www.parafia-olesno.pl). Allerdings ist in beiden Fällen nur die Liturgie auf Deutsch, nicht jedoch die Predigt. Beim Gottesdienst deutscher Liturgie um 12 Uhr aus Zülz verrät der Facebook-Eintrag unter „Parafia biala prudnicka“ nicht, welche Sprache der Predigt den Hörer erwartet.

Der katholische Seelsorger der Deutschen in der Diözese Oppeln, Peter Tarlinski, ruft derzeit zum gemeinsamen Gebet auf. Tarlinski bietet jeden Tag an, dass man sich um 20 Uhr zu seinem Gebet online hinzuschaltet.

Diese Übertragungen erfolgen aus der St.-Hyazinth-Kapelle in Groß Stein [Kamien Slaski] unter: streaming.airmax.pl/kamienslaski/embed.html. Tarlinski, der auch Leiter der Eichendorff-Bibliothek in Oppeln ist, ruft dazu auf, ihm unter der E-Mail-Adresse: andacht@cbje.pl Intentionen und Gebete zu schreiben, die er gegebenenfalls in die Fürbitten miteinbezieht. „Sie können auch für uns wichtig sein. Schreiben Sie uns über Ihre Hoffnungen. Diese können in der Zeit der Bedrohung Mut machen. Das Niederschreiben der Erlebnisse und Erfahrungen kann daneben auch beruhigend und heilend wirken“, so Pfarrer Tarlinski.

Die Worte: „Seid ohne Furcht, glaubt nur”, die wie ein roter Faden durch den ZDF-Gottesdienst von 2015 führten, bekommen dieser Tage wieder ein besonderes Gewicht.

S. 14 Glückwünsche

Wir gratulieren …

ZUM 102. GEBURTSTAG

Liebe, Dorothea, aus Friedeberg, Kreis Elchniederung, am 6. April

ZUM 101. GEBURTSTAG

Buttkus, Otto, aus Ruckenfeld, Kreis Elchniederung, am 8. April

ZUM 98. GEBURTSTAG

Däumel, Irmela, geb. von Kannewurf, aus Baitenberg, Kreis Lyck, am 9. April

Domnick, Charlotte, aus Dippelsee, Kreis Lyck, am 4. April

Dyck, Hella, aus Prostker Vorstadt, Kreis Lyck, am 4. April

Fischer, Gertrud, geb. Weiss, aus Seefeld, Kreis Lötzen, am 1. April

Kleimann, Marta, geb. Itzek, aus Steinberg, Kreis Lyck, am 7. April

Mildner, Ruth, geb. Gonschorrek, aus Herrendorf, Kreis Treuburg, am 9. April

ZUM 97. GEBURTSTAG

Hübner, Frieda, geb. Tanski, aus Fürstenwalde, Kreis Ortelsburg, am 6. April

Klein, Margarete, geb. Dorroch, aus Neuendorf, Kreis Lyck, am 4. April

Krohn, Ellinor, geb. Hinz, aus Klein Engelau, Kreis Wehlau, am 8. April

ZUM 96. GEBURTSTAG

Abelmann, Hildegard, geb. Red-szus, aus Streulage, Kreis Elchniederung, am 7. April

Albrecht, Edeltraud, geb. Wiemer, aus Cranz, Kreis Fischhausen, am 4. April

Hintze, Erika, geb. Krause, aus Leißienen, Kreis Wehlau, am 7. April

Klimkat, Emmy, aus Ruckenfeld, Kreis Elchniederung, am 3. April

Medendorp, Christel, geb. Mauritz, aus Groß Friedrichsdorf, Kreis Elchniederung, am 7. April

Persian, Arno, aus Weidlacken, Kreis Wehlau, am 5. April

Polten, Elisabeth, geb. Schliebenow, aus Lyck, Yorkstraße 34, am 4. April

ZUM 95. GEBURTSTAG

Donder, Otto, aus Gutenborn, Kreis Lyck, am 5. April

Dronsek, Herbert, aus Hennenberg, Kreis Lyck, am 8. April

Frenzel, Olga, geb. Köhler, aus Ebenrode, am 3. April

Klein, Reinhold, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 9. April 

Koyro, Heinz, aus Nußberg, Kreis Lyck, am 7. April

Schmall, Elisabeth, aus Parnehnen, Kreis Wehlau, am 7. April 

Wetzel, Hildegard, geb. Metschulat, aus Klein Friedrichsgraben, Kreis Elchniederung, am 7. April

ZUM 94. GEBURTSTAG

Ehrenberg, Rudy, aus Neidenburg, am 4. April

Kaldonek-Eggert, Ilse, aus Wolittnick, Kreis Heiligenbeil, am 4. April

Müller, Herta, geb. Kurpjuhn, aus Eibenau, Kreis Treuburg, am 7. April

Naujok, Bruno, aus Klein Ponnau, Kreis Wehlau, am 7. April

Pieper, Hildegard, geb. Kolbuss, aus Zeysen, Kreis Lyck, am 9. April

ZUM 93. GEBURTSTAG

Anke, Gerda, geb. Neumann, aus Seerappen, Kreis Fischhausen, am 7. April

Flasdick, Annemarie, geb. Killburger, aus Lyck, Kaiser-Wilhelm-Straße 137, am 7. April

Kloß, Waltraud, aus Fuchshügel, Kreis Wehlau, am 9. April 

Kulessa, Marga, geb. Reinoß, aus Heldenfelde, Kreis Lyck, am 7. April

Preuß, Reinhold, aus Neidenburg, am 3. April

Putzki, Gerda, geb. Plaar, aus Wehlau, am 4. April

Wenk, Elfriede, aus Neuendorf, Kreis Lyck, am 8. April

ZUM 92. GEBURTSTAG

Bernhard, Toni, geb. Puchalski, aus Kobulten, Kreis Ortelsburg, am 9. April

Falk, Irma, geb. Sompazewski, aus Omulefofen, Kreis Neidenburg, am 5. April 

Hammer, Hildegard, geb. Prengel, aus Allenstein, am 7. April

Hungor, Gertrud, geb. Ciesla, aus Talhöfen, Kreis Neidenburg, am 3. April 

Juse, Charlotte, aus Wappendorf, Kreis Ortelsburg, am 5. April

Kniest, Ruth, geb. Joswig, aus Mostolten, Kreis Lyck, am 9. April

Müller, Hannelore, aus Friedrichsfelde, Kreis Ortelsburg, am 9. April

Satzer, Erna, geb. Völlmann, aus Groß Engelau, Kreis Wehlau, am 6. April

Stiebel, Heinrich, aus Auersberg, Kreis Lyck, am 8. April

Wischnewski, Gerhard, aus Neuhof, Kreis Neidenburg, am 4. April 

ZUM 91. GEBURTSTAG

Engel, Herbert, aus Kuglacken, Kreis Wehlau, am 3. April

Hesse, Willi, aus Groß Birkenfelde, Kreis Wehlau, am 6. April 

Hoff, Erika, geb. Brzosda, aus Hamerudau, Kreis Ortelsburg, am 8. April

Koehler, Lieselotte, geb. Sado, aus Lindenwiese, Kreis Lötzen, am 8. April

Neubert, Irmgard, geb. Radtke, aus Theerwisch, Kreis Ortelsburg, am 8. April

Niederhaus, Kurt, aus Krupinnen, Kreis Treuburg, am 6. April

Rohloff, Irmgard, geb. Gumz, aus Wehlau, am 9. April

Salk, Horst, aus Siemienau, Kreis Neidenburg, am 6. April 

Scharnweber, Gertrud, geb. Waldeck, aus Windberge, Kreis Ebenrode, am 9. April

Venohr, Waltraud, aus Lank, Kreis Heiligenbeil, am 8. April 

ZUM 90. GEBURTSTAG

Aschmann, Winfried, aus Wittenberg, Kreis Preußisch Eylau, am 4. April

Bogdahn, Ursula, aus Tranatenberg, Kreis Elchniederung, am 8. April

Classen, Oswald, aus Gardienen, Kreis Neidenburg, am 6. April 

Frech, Herta, geb. Boseniuk, aus Garbassen, Kreis Treuburg, am 6. April

Fries, Hedwig, geb. Solinski, aus Kleinkosel, Kreis Neidenburg, am 7. April

Gedenk, Günter, aus Tannenhöhe, Kreis Elchniederung, am 9. April

Junghans, Brigitte, geb. Pietrzyk, aus Kölmersdorf, Kreis Lyck, am 4. April

Kaesler, Edith, geb. Ragnitz, aus Zeysen, Kreis Lyck, am 5. April

Mikoteit, Gerhard, aus Finkenhagen, Kreis Tilsit-Ragnit, am 9. April

Niksa, Anna, geb. Zielitzki, aus Lindenort, Kreis Ortelsburg, am 6. April

Oppermann, Hans Georg, aus Grünweide, Kreis Ebenrode, am 6. April 

Quadt, Christel, geb. Kobialka, aus Steinberg, Kreis Lyck, am 4. April

Schipper, Marliese, geb. Hamann, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 6. April

Ungermann, Herta, geb. Schwiderowski, aus Bieberswalde, Kreis Wehlau, am 8. April 

ZUM 85. GEBURTSTAG

Ariceus, Ruth, aus Usdau, Kreis Neidenburg, am 5. April

Augustin, Heinz, aus Ossafelde, Kreis Elchniederung, am 3. April

Basche, Erika, geb. Wiechert, aus Plibischken, Kreis Wehlau, am 5. April

Cirkel, Helga, geb. Sotopski, aus Skurpien, Kreis Neidenburg, am 9. April 

Gantowski, Ulrich, aus Hellen-grund, Kreis Ortelsburg, am 3. April

Gimbott, Lieselotte, geb. Weigel, aus Nickelsdorf, Kreis Wehlau, am 6. April 

Keuchel, Else, geb. Grabowski, aus Usdau, Kreis Neidenburg, am 5. April

Kirschnick, Marianne, geb. Ebert, Kreisgemeinschaft Preußisch Eylau, am 9. April

Kohls, Herta, geb. Schneider, aus Sargensee, Kreis Treuburg, am 7. April

Krohm, Waltraud, aus Dorntal, Kreis Lyck, am 7. April

Kühn, Brigitte, geb. Huhmann, aus Treuburg, am 6. April

Lambrecht, Horst, aus Imten, Kreis Wehlau, am 7. April 

Losereit, Christel, aus Bersbrüden, Kreis Ebenrode, am 3. April

Malchin, Christel, geb. Taudien, aus Grünhausen, Kreis Elchniederung, am 4. April

Maxin, Ernst, aus Hardichhausen, Kreis Neidenburg, am 9. April 

Mursall, Brunhilde, geb. Malessa, aus Ortelsburg, am 9. April

Piorr, Herbert, aus Wehlau, am 4. April

Rüther, Evelin, geb. Hasse, aus Neidenburg, am 6. April

Sadowski, Georg, aus Scharnau, Kreis Neidenburg, am 5. April

Schindler, Irmgard, aus Angerburg, am 1. April

Schwittay, Alfred, aus Mingfen, Kreis Ortelsburg, am 5. April

Stephan, Ruth, geb. Olschewski, aus Gollen, Kreis Lyck, am 7. April

Steinau, Ingeborg, geb. Sadegor, Kreisgemeinschaft Preußisch Eylau, am 5. April

Stoll, Ruth, geb. Parczanny, aus Fließdorf, Kreis Lyck, am 7. April

Thamm, Hilde, geb. Radke, aus Amalienhof, Kreis Ebenrode, am 8. April

Zimmermann, Hildegard, geb. Schmunz, aus Ebenrode, am 3. April

ZUM 80. GEBURTSTAG

Boiar, Sigrid, geb. Kiparski, aus Flammberg, Kreis Ortelsburg, am 8. April

Bose, Karla, geb. Opalka, aus Nareythen, Kreis Ortelsburg, am 9. April

Brinlinger, Lothar, aus Neu Sellen, Kreis Elchniederung, am 9. April

Fenner, Edith, geb. Sbresny, aus Kalthagen, Kreis Lyck, am 6. April

Gipner, Gerhard, aus Nußdorf, Kreis Treuburg, am 3. April

Grau, Manfred, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 4. April

Herrmann, Ursula, geb. Schwarz, aus Königsberg, am 3. April

Lehmkuhl, Renate, geb. Lux, aus Groß Grablick, Kreis Lötzen, am 4. April

Marks, Ulrich, aus Treuburg, am 4. April

Müller, Hannelore, geb. Brodde, aus Wokellen, Kreis Preußisch Eylau, am 4. April

Napierski, Wolfgang, aus Kallenau, Kreis Ortelsburg, am 7. April 

Neumann, Helmut, aus Köllmisch Damerau, Kreis Wehlau, am 4. April

Schlenke, Siegfried, aus Klein Engelau, Kreis Wehlau, am 7. April 

Schramm, Dagmar, geb. Heuer, aus Fischhausen, am 9. April

Seidlitz, Joachim, aus Schwentainen, Kreis Treuburg, am 9. April

Strysio, Siegfried Erich, Kreis 

Johannisburg, am 18. März 

Strzalla, Walter, aus Andreken, Kreis Lyck, am 4. April

Symanowski, Ute, geb. Borrek, aus Nußdorf, Kreis Treuburg, am 7. April

Türmer, Renate, geb. Frese, aus Großschmieden, Kreis Lyck, am 5. April

Viehöfer, Hans-Werner, aus Haldenau, Kreis Ebenrode, am 3. April

ZUM 75. GEBURTSTAG

Alex, Hans-Gerhard, aus Canditten, Kreis Preußisch Eylau, am 3. April

Losch, Gerhard, aus Wilhelmsthal, Kreis Ortelsburg, am 7. April

Mathika, Ehrenfried, aus Horn-heim, Kreis Neidenburg, am 8. April

Stanko, Elsbeth, aus Merunen, Kreis Treuburg, am 5. April

S. 15 Heimat

Aus den Landesgruppen der Landsmannschaft Ostpreußen e.V.

Bayern

Vorsitzender: Christoph Stabe Ringstraße 51a, App. 315, 85540 Haar Tel.: (089)23147021 stabe@low-bayern.de, www.low-bayern.de

Hof – „Wer nach der Wahrheit, die er bekennt, nicht lebt, ist der gefährlichste Feind der Wahrheit selbst.“ (Julius Rupp)

Kulturwart Bernd Hüttner stellte den Mitgliedern der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen, Ortsgruppe Hof, im März den deutschen Theologen, Publizisten und Hochschullehrer Friedrich Julius Leopold Rupp vor. Der 1809 in Königsberg geborene Julius Rupp besuchte in seiner Heimatstadt das Altstädtische Gymnasium und studierte an der Albertus-Universität Königsberg evangelische Theologie und Philosophie. Nach zwei Jahren am Predigerseminar in Wittenberg promovierte er und wurde 1835 an seiner früheren Schule als Lehrer eingestellt. Er unterrichtete die Fächer Religion, Deutsch und Geschichte. In den folgenden Jahren habilitierte er sich für Philosophie und Literaturgeschichte und war danach bis 1852 erst Privatdozent, dann Honorarprofessor an der Albertus-Universität. 

Aufsehen erregte seine öffentliche Kritik an der Kirchenpolitik König Friedrich Wilhelms IV. 1845/46 gründete Julius Rupp in Königsberg die erste freie evangelische Gemeinde und wurde zu ihrem Prediger gewählt. Losgelöst von der Landeskirche und als politischer Verein eingestuft, unterlag diese polizeilicher Überwachung. Wegen seiner öffentlich vertretenen theologischen Auffassung wurde Rupp als Pfarrer entlassen. Auch aus dem Königsberger Gustav-Adolf-Verein, dessen Gründungsmitglied er war, wurde er ausgeschlossen. 1848/49 beteiligte er sich an der Revolution und wurde nach deren Ende Mitglied des preußischen Landtages.

In Königsberg steht seit 1909 neben dem Dom ein Denkmal für Julius Rupp; genau an der Stelle, wo sich der Vorgarten seines Hauses befunden hatte. Den großen Findling ziert ein Relief. Dieses war eine der frühesten plastischen Arbeiten seiner Enkelin Käthe Kollwitz. Das seit Kriegsende verschwundene Relief wurde von dem Berliner Bildhauer Harald Haacke nach alten Vorlagen nachgearbeitet und 1991 wieder angebracht. Darauf findet man eingemeißelt eine der Maximen, nach denen Julius Rupp sein Leben lebte: „Wer nach der Wahr-heit, die er bekennt, nicht lebt, ist der gefährlichste Feind der Wahrheit selbst.“

Landshut – Am Dienstag, den 21.4.2020 findet um 14.00 Uhr unser nächstes Treffen im Gasthaus „Zur Insel“, Badstraße 16, 84028 Landshut statt. Wir sehen uns einige Video-Rückblicke an und genießen unser munteres Beisammensein. 

Sollte das Treffen aufgrund der Corona-Pandemie verschoben oder abgesagt werden, wird das an dieser Stelle bekanntgegeben.


Hessen

Vorsitzender: Ulrich Bonk Stellv. Vorsitzender:: Gerhard Schröder, Engelmühlenweg 3, 64367 Mühltal, Tel. (06151)148788

Nach dem Ende der zweimonatigen Winterpause trafen wir uns am 14.3.2020 zu unserer Veranstaltung wie gewohnt im Luise-Büchner-Haus in Kranichstein. Das Thema, der Veranstaltung lautete „Die Zerstörung Königsbergs“; ein ergänzender Bericht von Sigurd Struwecker über seine Reise nach Königsberg. Bedingt durch die Corona-Pandemie kamen trotz vieler Zusagen leider nur acht Mitglieder und ein Gast, um sich den Vortrag von Herrn Struwecker anzuhören.

Die kurzen Grußworte sprachen Gerhard Schröder und Christian Keller, wobei Christian Keller darauf hinwies, dass unsere kommenden Treffen bis auf Widerruf wegen der Corona-Situation ausfallen. Dies wurde dann auch so beschlossen.

Da es vor dem Osterfest unser letztes Treffen war, hatte Gisela Keller für den österlichen Schmuck und Waltraud Barth für den Blumenschmuck gesorgt. Kaffee und Kuchen hat allen gut getan, trotz der vielen Lücken zwischen den Teilnehmern.

Christian Keller hatte vor Beginn schon die Technik aufgebaut, sodass Herr Struwecker nach dem Kaffeetrinken sofort mit seinem Vortrag beginnen konnte. In Wort und Bild stellte der Referent dar, wie Königsberg vor dem Zweiten Weltkrieg und nach der Zerstörung der Stadt aussah. Auch das heutige Stadtbild zeigte die Dokumentation. Herr Struwecker erklärte mit ausführlichen Worten die gezeigten Bilder. Mit großem Beifall bedankten wir uns für diesen gelungenen Vortrag.

Allen Teilnehmern wünschten wir eine schöne vorösterliche Zeit – und ganz besonders, dass sie alle gesund bleiben mögen.

Unsere Mitglieder, die bei der Veranstaltung nicht anwesend waren, wurden telefonisch von dem Absetzen der LOW-Treffen wegen der Schließung des Luise-Büchner-Hauses in Kranichstein unterrichtet und erhalten nach Wiedereröffnung schriftlich Nachricht.

Wanderfahrt mit zwei Affen nach Pommern

Wetzlar – „Wanderfahrt mit zwei Affen nach Pommern“. So lautet das Thema eines Lichtbildervortrages von Wolfgang Post (Herborn) bei der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen – Kreisgruppe Wetzlar. Die Veranstaltung findet am Montag, 6. April, um 13 Uhr in der Gaststätte „Grillstuben“ (Stoppelberger Hohl 128) statt. Der Eintritt ist frei. Bitte informieren Sie sich beim Leiter unserer Kreisgruppe, Kuno Kutz, ob das Treffen stattfindet oder wegen der Corona-Pandemie abgesagt wird. Kontakt: Kuno Kutz, Telefon (06441)770559.


Nordrhein-Westfalen

Vorsitzender: Wilhelm Kreuer, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel.: (02964)1037. Fax (02964)945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: Ostpreussen-NRW.de

Landesgruppe – Auswirkungen der Corona-Pandemie: Verschiebung und Neuterminierung der Landesdelegiertenversammlung

Wie an dieser Stelle mitgeteilt, musste die für den 21. März 2020 vorgesehene Delegiertenversamlung wegen des Corona-Virus verschoben werden. Vereinsrechtlich ist eine Delegiertenversammlung mindestens einmal jährlich vor dem 1. Mai vorgeschrieben (§ 9 Abs. 2 der Satzung der Landsmannschaft Ostpreußen, Landesgruppe Nordrhein-Westfalen e.V.), doch kann diese Satzungsregelung in diesem Jahr nicht eingehalten werden. Ich beabsichtige daher die Einberufung einer Delegiertenversammlung in der zweiten Jahreshälfte – voraussichtlich zum 24. Oktober 2020, dem für die Herbsttagung vorgesehenen Termin. 

Wilhelm Kreuer, 

Vorsitzender der Landesgruppe

Düren – Die Landsmannschaft  Ost-Westpreußen Kreisgruppe  Düren e.V. hat am Mittwoch, den 4.3.2020, ihre Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen im  Bund der Vertriebenen sowie der  Landsmannschaft Ost-Westpreußen abgehalten. Die Versamm-lung hat angefangen um 17.00  Uhr im Haus des deutschen Ostens in der Holzstraße 7a, 52349 Düren.

Die Mitglieder wurden alle fristgerecht eingeladen. Die Vorsitzende der Landsmannschaft  Ost- und Westpreußen, Gerda Wornowski, eröffnete die Jahreshauptversammlung mit der Begrüßung der Teilnehmer. Dann gab zunächst die BdV-Vorsitzende Ursula Kluge ihren Jahresbericht ab. Anschließend folgte ein Bericht des Kassenwartes und der Kassenprüfer. Der Vorstand wurde entlastet. Dann schritten wir zur Neuwahl im BdV. Zum Wahlleiter wurde Lothar Brinlinger bestellt, dann wurde die Wahl durchgeführt. 

In den Vorstand wurden gewählt: 1. Vorsitzende – Ursula 

Kluge, 2. Stellvertr. Vorsitzende – Gerda Wornowski, Kassenwart – Ursula Schöneberg, Kassenprüfer – Lothar Brinlinger und Horst Schöneberg, Schriftführerin – Gerda Wornowski. Der neue Vorstand wurde einstimmig gewählt, und alle gewählten nahmen die Ämter an. Anschließend bedankte sich der neu gewählte Vorstand für das erbrachte Vertrauen.

Danach haben wir uns alle mit  Nudelsalat und Würstchen gestärkt, das Essen und Trinken  hatte uns das Geburtstagskind  (83) Ernst Wornowski gespendet.  Gestärkt und in guter Stimmung  nahmen wir dann die Wahl der Landsmannschaft Ost-Westpreußen in Angriff. Die Vorsitzende der Landsmannschaft Gerda Wornowski gab ebenfalls einen Jahresbericht für 2019 ab. Erfreulich ist zu berichten, dass wir im Jahr 2019 keinen Todesfall im Verein zu beklagen hatten. Zu den zahlreichen Aktivitäten gehörten u.a. die Teilnahme mit vier Personen an der Frühjahrstagung in Oberhausen, und im Mai waren wir beim großen Ostpreußentreffen in Wolfburg.

Zum Jahrestreffen der Vereinigten Landsmannschaften auf  Schloss Burg an der Wupper hat-ten wir einen Kleinbus gemietet.  Dort haben wir mit 15 Personen teilgenommen. Im September machten wir mit 16 Personen eine schöne gemeinsame Fahrt mit der Ostdeutschen Siedlergemeinschaft Boisdorf zum Bauer Ewald. Und im Oktober waren wir mit fünf Personen in Düsseldorf zur 70-Jahr-Feier der Landesgruppe der Ostpreußen in NRW. Im Oktober hatten wir zudem einen schönen Ausflug zum Allwetter-Zoo nach Arnheim unternommen. Am Volkstrauertag im November haben wir uns mit einer kleinen Gruppe auf dem Friedhof Düren-Ost getroffen, um der Toten der Weltkriege zu gedenken. Im Dezember mussten wir leider unsere Adventsfeier ausfallen lassen wegen schwerer Erkrankung.

Nach dem Bericht der Vorsitzenden folgte der Kassenbericht der Landsmannschaft Ost- und Westpreußen von Kassenwart Ernst Wornowski, anschließend der Bericht der Kassenprüfer Franz Grunwald. Der Vorstand wurde entlastet. Der bestellte Wahlleiter  Lothar Brinlinger leitete die Neuwahlen ein. In den Vorstand der Landsmannschaft Ost-und Westpreußen wurden gewählt:

1. Vorsitzende – Gerda Wornowski, 2.Stellvertr. Vorsitzende Ruth Seidscheck, Kassenwart – Ernst Wornowski, Kassenprüfer – Lothar Brinlinger und Ursula Schöneberg, Schriftführerin – Ruth Seidscheck. Alle gewählten wurden einstimmig gewählt, und alle nahmen die Ämter an. Der neue Vorstand bedankte sich für das in ihn gesetzte Vertrauen. Mit Volksliedern und zum Abschluss das Ostpreußenlied war gegen 20.00 Uhr unsere Jahreshauptversamm-lung beendet.

In heimatlicher Verbundenheit und besten Grüßen

Gerda Wornowski


Schleswig-Holstein

Vorsitzender: Edmund Ferner, Julius-Wichmann-Weg 19, 23769 Burg auf Fehmarn, Tel.: (04371) 8888939, E-Mail: birgit@kreil.info

Neumünster – Die Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen des Vorstandes der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen, Gruppe Neumünster, fand am 11. März 2020 statt. Trotz des Coronavirus konnten wir doch noch viele Teilnehmer begrüßen.

Es war ein erfolgreiches Jahr, das bestätigt, dass die Bemühungen des Vorstandes mit interessanten und informativen Themen für Veranstaltungen von allen Teilnehmern angenommen wurden. Es war ein Jahr voller Erlebnisse, neuer Eindrücke und Begegnungen, das vom Vorstand viel Arbeit und Einsatz forderte, aber auch Erfolg und Freude brachte.

Für die anstehende Neuwahl wurde Horst Lessing zum Wahlleiter gewählt. Neu in den Vorstand gewählt wurden:

1. Vorsitzende – Brigitte Profè, Kulturwart und Schriftführung.

1. Beisitzer – Horst Lessing; 2. Beisitzerin – Annemarie Wilken. Die Kassenwartin Hildegard Henning steht 2021 zur Wahl. 

1. Kassenprüfer ist Dietmar Anger, 2. Kassenprüfer Werner Broscheit.

Die Kassenprüfer bestätigten eine gesunde Lage der Kasse, die ohne Beanstandungen geprüft wurde.

Der gesellige Teil lockte anschließend mit Gesang und Musik den Frühling herbei.

Die April-Veranstaltung fällt wegen der Corona-Pandemie aus.

Nach der unverhofften Zwangspause treffen wir uns wahrscheinlich am 13. Mai 2020 wieder.

Brigitte Profé

Schwarzenbek - Die Corona-Pandemie zwingt die Landsmann-schaft der Ost- und Westpreußen Schwarzenbek, die am 18. April 2020 vorgesehene Feier zum 70-jährigen Bestehen der Landsmannschaft zu verschieben. 

Wenn es die Situation zulässt, ist der 8. August 2020 als neuer Termin angedacht. Der 8. August ist der nächstgelegene Sonnabend zum 70-jährigen Bestehen der Charta der Vertriebenen, die bereits am 5. August 1950 von namhaften Vertretern der Vertriebenen unterzeichnet wurde. Darin verzichteten die Vertriebenen nach allem ihnen zugefügten Leid und Unrecht, nach dem unwiederbringlichen Verlust ihrer Heimat und der totalen Enteignung, auf Rache und Vergeltung. Sie bekundeten, mit allen Kräften die Schaffung eines geeinten Europas zu unterstützen, in dem Völker ohne Furcht und Zwang leben können. Die Vertriebenen verpflichten sich in ihrer Charta auch, durch unermüdliche Arbeit am Wiederaufbau Deutschlands und Europas teilzunehmen.

Peter Gerigk

S. 17 Heimat

Heimatkreisgemeinschaften

Elchniederung

Kreisvertreter: Manfred Romeike, Anselm-Feuerbachstr. 6, 52146 Würselen, Tel.: 02405-73810, GF: Barbara Dawideit, Am Ring 9, 04442 Zwenkau, Tel./Fax: 034203 – 33 567

Ausfall des Nachbarschafts-treffens

Das für Sonnabend, 16. Mai 2020 vorgesehene Nachbarschaftstreffen mit Tilsit-Ragnit und Stadt Tilsit muss leider ausfallen. 

Das Coronavirus breitet sich immer weiter aus. Die Meldungen über Infizierte häufen sich und deswegen sollten Veranstaltungen gemieden werden. 


Königsberg-Land

Kreisvertreterin: Dr. Bärbel Beutner, Käthe-Kollwitz-Ring 24, 59423 Unna, Telefon (02303) 14017, E-Mail: dr.beutner@t-online.de. Geschäftsstelle: Ralf Woitschikowski, Bergkirchener Straße 21, 32429 Minden, Telefon (0571) 5091022

Liebe Landsleute und Freunde, die aktuelle Situation erlaubt es nicht, unser Treffen am 25.April in Leipzig durchzuführen.

Wir, die Landsmannschaft Ost-und Westpreußen Landesgruppe Sachsen im Freistaat Sachsen e. V., die Kreisgemeinschaften Wehlau, Labiau und Königsberg-Land, wünschen Ihnen alles Gute und viel Gesundheit.

Bitte geben Sie diese Information auch an Ihre Freunde und Bekannte weiter.


Labiau

Kreisvertreterin: Brigitte Stramm, Hoper Straße 16, 25693 St. Michaelisdonn/Holstein, Telefon (04853) 562. info­@stramm­verlag. de, Internet: www.labiau.de 

Liebe Landsleute und Freunde, die aktuelle Situation in der Corona-Pandemie erlaubt es nicht, unser Treffen am 25. April in Leipzig durchzuführen.

Wir, die Landsmannschaft Ost-und Westpreußen Landesgruppe Sachsen im Freistaat Sachsen e. V., die Kreisgemeinschaften Wehlau, Labiau und Königsberg-Land, wünschen Ihnen alles Gute und viel Gesundheit.

Bitte geben Sie diese Information auch an Ihre Freunde und Bekannte weiter.


Lötzen

Kreisvertreter: Dieter Arno Milewski, Am Forstgarten 16, 49214 Bad Rothaenfelde, Telefon (05424) 4553, Fax (05424) 399139, E-Mail: kgl.milewski@osnanet.de Geschäftsstelle:  Telefon (0152) 29032268, E-Mail: KGL-info@web.de Archiv: E-Mail: KGL.Archiv@gmx.de

Ab sofort ist die Geschäftsstelle unter der Telefonnummer +49 (0) 152 290 32 268 zu erreichen. In dringenden Fällen steht auch der Kreisvertreter als Ansprechpartner zur Verfügung. Außerdem gibt es ab jetzt eine E-Mail-Adresse für die Geschäftsstelle: KGL-info@web.de


Lyck

Kreisvertreterin: Bärbel Wiesensee, Diesberg 6a, 41372 Niederkrüchten, Telefon (02163) 898313. Stellv. Kreisvertreter: Dieter Czudnochowski, Lärchenweg 23, 37079 Göttingen, Telefon (0551) 61665

Absage Regionaltreffen Nord in Lübeck

Aufgrund der Corona-Pandemie fällt das Treffen am 26.April 2020 in Lübeck aus.


Neidenburg

Kreisvertreter: Ulrich Pokraka, An der Friedenseiche 44, 59597 Erwitte, Telefon (02943) 3214, Fax -980276, E-Mail: u-pokraka@t-online.de. Stellvertreter: Frank Jork, Oberbörry 18, 31860 Emmerthal-Börry, Telefon (0171) 7086334

Kreistreffen in Lüneburg

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit unseren „Neidenburgern “ zum Heimattreffen der Kreisgemeinschaft Neidenburg in Lüneburg. Selbstverständlich sind auch Gäste willkommen.

Das Heimattreffen findet am 

6. September 2020 im Festsaal der Krone statt. Ab 9.00 Uhr ist das Lokal geöffnet, und man kann die ersten Kontakte pflegen. Den ganzen Tag über besteht die Möglichkeit, das neue Ostpreußische Landesmuseum zu besichtigen. Es liegt neben unserem Veranstaltungslokal.

Hauptthema unseres Heimattreffens ist die Ahnen- und Familienforschung. Hierzu wird unser in Fachkreisen angesehener Familienforscher Reinhard Kayss einen Vortrag mit Tipps und Hinweisen halten. Da dieses Thema auch für jüngere Heimatverbundene interessant sein kann, hoffen wir auf Teilnahme vieler Nachkommen unserer Landsleute. Bitte bringen Sie ihre Kinder und Enkelkinder zu diesem Heimattreffen mit.

Wir vom Vorstand freuen uns auf ein angenehmes, erfolgreiches Heimattreffen.

Ulrich Pokraka


Schloßberg (Pillkallen)

Kreisvertreter: Michael Gründling, Große Brauhausstraße 1, 06108 Halle/Saale. Geschäftsstelle: Tanja Schröder, Tel.: (04171) 2400, Fax (04171) 24 24, Rote-Kreuz-Straße 6, 21423 Winsen (Luhe)

Deutsch-Russisches Ferienlager

In der Zeit vom 22.7. bis 3.8.2020 führt die Kreisgemeinschaft Schloßberg in Verbindung mit dem Patenkreis Harburg ein deutsch-russisches Ferienlager für das Alter von 11-14 Jahren durch. In der Jugendherberge Otterndorf gibt es jede Menge Möglichkeiten, die Sommerferien abwechslungsreich zu gestalten. Vom Baden, Wattlaufen, Fahrten durch das Ahlenmoor, den Besuch des Heideparks und der Stadt Hamburg bis hin zu vielen anderen Sportaktivitäten bietet diese Veranstaltung ein attraktives Programm. Des Weiteren wird das Thema Ostpreußen, also die Geschichte des Gebietes, aus dem die russischen Teilnehmer kommen, auf dem Programm ste-hen, sowie die unterschiedlichen Lebensverhältnisse in Deutschland und Russland für Kinder in der heutigen Zeit.

Der Eigenbeitrag liegt bei 240,00 Euro. Es sind noch einige Plätze frei. Teilnehmer von anderen Kreisgemeinschaften sind herzlich willkommen.

Anmeldungen und weitere Informationen bei Norbert Schattauer, Landesstraße 19, 21776 Wanna, Tel. (04757)463 oder schattauer-wanna@t-online.de

Deutsch-Russische Jugendbegegnung

Unsere deutsch-russische Jugend-begegnung ist für den Zeitraum vom 27. Juli bis 5. August 2020 geplant. In Zusammenarbeit mit der russischen Kreisverwaltung kommt es dort zu einer weiteren interessanten Veranstaltung im Kreis Schloßberg/Rayon Krasnoznamensk. In Lasdehnen werden wir mit russischen Jugendlichen die Geschichte, Gegenwart und Zukunft dieses Landes erleben. In diesem Jahr planen wir, mit einem Kleinbus selbst nach Ostpreußen zu fahren und möchten dabei einige Hilfsgüter mitnehmen und soziale Einrichtungen unterstützen, so dass es eine Mischung aus Hilfstransport und Jugendbegegnung wird. So sind wir mobiler und werden natürlich wieder Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung machen. So steht der Besuch von Trakehnen, Gumbinnen, Tilsit, Insterburg, Schloßberg, die Samlandküste und auch Königsberg auf dem Programm.

Falls wir nicht über die Grenze ins Königsberger Gebiet kommen, werden wir in Masuren unsere Ferien verbringen. Auch hier sind Teilnehmer aus anderen Kreisgemeinschaften willkommen.

Die Teilnehmer sollten zwischen 16 und 18 Jahren alt sein. Der Teilnehmerbeitrag liegt bei 200 Euro. Weitere Informationen s.o.


Sensburg

Kreisvertreterin: Gudrun Froemer, In der Dellen 8a, 51399 Burscheid, Telefon (02174) 768799. Alle Post an: Geschäftsstelle Kreisgemeinschaft Sensburg e.V., Stadtverwaltung Remscheid, 42849 Remscheid, Telefon (02191) 163718, Fax (02191) 163117, E-Mail: info@kreisgemeinschaft sensburg.de, Internet: www.kreis gemeinschaftsensburg.de

Infolge der weltweit grassierenden Corona-Epidemie muss auch das Sorquitter Kirchspieltreffen, das für den 25. April 2020 anberaumt ist, bedauerlicherweise ausfallen. Ein eventuell später stattfindendes Treffen, das für den Oktober 2020 oder aber erst für Ende April 2021 geplant werden könnte, wird rechtzeitig bekanntgegeben. 


Tilsit-Ragnit

Kreisvertreter: Dieter Neukamm, Am Rosenbaum 48, 51570 Windeck, Telefon (02243) 2999, E-Mail: neukamm-herchen@t-online.de Geschäftsstelle: Hans-Joachim Scheer, Wrister Str.1, 24576 Weddelbrook, Telefon (04192)4374, 

E-Mail: hans-joachimscheer@t-online.de

Für den 16. Mai 2020 war von den Kreisgemeinschaften Tilsit-Ragnit und Elchniederung sowie der Stadtgemeinschaft Tilsit ein sogenanntes Nachbarschaftstreffen in Lüneburg geplant. Dieses ist nun aufgrund der aktuellen Corona-Situation abgesagt. 


Tilsit-Stadt

Stadtvertreter: Erwin Feige, Am Karbel 52, 09116 Chemnitz, Telefon (0371) 3363748. Geschäftsführer: Manfred Urbschat, E-Mail: info@tilsit-stadt.de

Ausfall des Nachbarschafts-treffens

Das für Sonnabend, 16. Mai 2020, geplante Nachbarschaftstreffen mit Tilsit-Ragnit und Elchniederung muss leider ausfallen. Das Corona-Virus breitet sich immer weiter aus. Die Meldungen über Infizierte häufen sich und deswegen wäre es unverantwortlich, eine solche Veranstaltung stattfinden zu lassen. 


Wehlau

Kreisvertreter: Uwe Koch, Schobüllerstraße 61, 25813 Husum. Telefon (04841) 663640. Schriftleiter: Werner Schimkat, Dresdener Ring 18, 65191 Wiesbaden, Telefon (0611) 505009840. Internet: www.kreis-wehlau.de

Liebe Landsleute und Freunde, die aktuelle Situation erlaubt es nicht, unser Treffen am 25.April in Leipzig durchzuführen.

Wir, die Landsmannschaft Ost- und Westpreußen Landesgruppe Sachsen im Freistaat Sachsen e. V., die Kreisgemeinschaften Wehlau, Labiau und Königsberg-Land wünschen Ihnen alles Gute und viel Gesundheit.

Bitte geben Sie diese Information auch an Ihre Freunde und Bekannte weiter.

Eberhard Grashoff


S. 18 Heimat

Pest in Ostpreussen
Als der „Schwarze Tod“ zurückkehrte
Die große Pest-Epidemie raffte in Ostpreußen 241 171 Menschen dahin
Bettina Müller

Die Bilder der Militärkonvois in Italien, die dieser Tage die vielen Toten der Corona-Seuche abtransportieren, sind extrem verstörend. Ein Virus, das man nicht sehen kann, das aber schlimmstenfalls den Tod bringt, lähmt überall das öffentliche Leben. Vielerorts ist der „Krieg“ gegen den „Feind“, die unbarmherzige Furie „Corona“, ausgerufen worden. Man hätte es eigentlich nicht mehr für möglich gehalten in dieser hoch technologisierten, digitalisierten, angeblich allwissenden und aufgeklärten Welt. 

Auch Anfang 1709 wähnten sich die Menschen zunächst in Sicherheit. Die Pest galt damals in Ostpreußen als gerade erst erloschen, ein kollektives Aufatmen durchfuhr das Land; das Leben ging also doch noch weiter. Doch am 3. Juli 1709 kehrte sie zurück, brach zunächst im benachbarten Danzig aus und verbreitete sich so rasant, dass Königsberg schließlich rund ein Viertel seiner Einwohner verlor.

Düsteres Szenario in Königsberg 

Ein Schneidergeselle aus Danzig hatte die Seuche eingeschleppt. Augenzeugen beschrieben ein düsteres Horrorszenario, das Richard Arnstedt in seiner Königsberg-Chronik 1899 wiedergab: „Jeder Umgang mit den Kranken war bei Todesstrafe verboten, keine liebende Hand durfte Linderung bringen, schon die Krankheit zerriss die Familienbande. Erst wenn die Schatten der Nacht Straßen und Plätze deckten und nur die Pestfeuer ihren lodernden Schein zum Himmel warfen, begannen Menschenpflicht und Nächstenliebe ihre Tätigkeit. Pestträger, Pestärzte und Pestprediger walteten ihres schweren Amtes, bekleidet mit wachsleinenen und durch Pestessig gereinigten Gewändern, in der Hand die Glocke, um die Gesunden vor der verderblichen Begegnung zu warnen. Die Pestträger durchsuchten die infizierten Häuser und nahmen die Toten mit. War ein Haus ausgestorben, wurde es vernagelt und mit großen weißen Kreuzen versehen, alle getragenen Sachen wurden verbrannt.“ Noch im November wütete die Pest in der Stadt so verheerend, dass innerhalb von acht Tagen 700 Menschen starben. Die Namen der Verstorbenen wurden während der Epidemie von „Pestschreibern“ aufgezeichnet und fanden so auch Eingang in kirchliche Totenbücher. So kann man zum Beispiel im Kirchenbuch des Königsberger Stadtteils Haberberg diesen verzweifelten Hilferuf des Pfarrers lesen: „Gott wende doch die Plage und solche Unordnung einmal ab!“

Nicht nur die Pest wütete

Augenzeugen berichteten auch davon, dass weniger Menschen als vermutet an der „Echten Pest“ gestorben seien, die sich mit Eiterbeulen, punktförmigen Haut- oder Schleimhautblutungen (Petechien) oder Pestbeulen (Bubonen) äußerte und die die bedauernswerten Opfer in Kürze dahinraffte, sondern viele auch an Fleckfieber, Pocken, roter Ruhr und „Durchlauf“ (Durchfall) dahingesiecht waren. Diese Toten hatte man als Pesttote mitgezählt. 

Es überrascht dabei mit dem heutigen Wissen nicht, dass die Tragödie ganz besonders die Wohnviertel traf, in denen arme Leute und Handwerker in sehr beengten Verhältnissen lebten. Wer es sich leisten konnte – und das waren wohl die Wenigsten –, flüchtete auf seine Landgüter. Für „social distancing“ benötigte man damals zwingend das nötige Kleingeld. Sind heutzutage vor allem renitente Menschen, die sich zum Beispiel zu perfiden „Corona-Parties“ treffen, ein Problem, so zeigte sich damals recht schnell auch die Schattenseite der Menschheit, bei der die Losung eigentlich „Zusammenhalt“ hätte heißen müssen. „Mein armes Königsberg, komm her, hier ist dein Spiegel, der deine Scheußlichkeit dir vor die Augen stellt!“, hieß es unter anderem in einem Gedicht des damaligen Königsberger Bürgermeisters Derschau, der darin den Verfall der Sitten und der Moral durch die chaotischen Zustände in der Stadt anprangerte. Nicht nur Diebstähle und Überfälle häuften sich, sondern auch ganz besonders skrupellose Fälle wie beispielsweise das Verbergen von Toten aus Profitgier. So fand man im Königsberger „Haberkrug“ im Keller unter den Dielen elf Pestleichen. Man hatte sie dort heimlich verscharrt, um den Betrieb der Gaststätte nicht zu gefährden. Der Königsberger Magistrat reagierte mit entsprechender Härte. Die Verbrecher wurden ins Pesthaus gebracht und dort mit der Verrichtung von „unflätigen Arbeiten“, wie dem „Wegbringen der Exkremente“, bestraft. 

Der Erreger der Pest, das Bakterium Yersinia pestis, war damals noch völlig unbekannt. Die Menschen glaubten damals an eine Materie namens „Miasma“ als Krankmacher. Das aus dem Altgriechischen stammende Wort bedeutet „übler Dunst, Verunreinigung, Befleckung, Ansteckung“. So stemmte man sich dem vermeintlichen Übeltäter vor allem mit dem (sinnlosen) „Räuchern“, also mit Feuer, entgegen. Dass man grundsätzlich etwas an den Lebensumständen der Bevölkerung ändern und gleichzeitig deren Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein wecken musste, wurde erst wesentlich später erkannt. 

Gegenwart erinnert an die Tragödie

Die Krankheit ging nicht nur vom Menschen selber aus, sondern auch von einer Leiche, von Kleidung, Hausrat, Tieren und so weiter. Im 19. Jahrhundert war es unter anderem der Chemiker und Physiker Max von Pettenkofer, der sich aufgrund der schweren Cholera-Epidemien des 19. Jahrhunderts mit der Wissenschaft der Hygiene und der Epidemiologie befasste. Nach einem Streit mit Robert Koch über die Ursache der Cholera ging er sogar so weit, in einem Selbstversuch eine Kultur von Cholera-Bakterien zu verschlucken um zu beweisen, dass Umweltbedingungen wesentlich mehr zu einer möglichen Erkrankung beitragen als die Erreger selber. Er erkrankte tatsächlich nicht.

Die Pestwelle in Ostpreußen erreichte im Laufe des Jahres 1710 ihren Höhepunkt, bis sie dann Anfang 1711 endgültig erlosch. 

Den Namen „Große Pest“ erhielt sie später völlig zu Recht. Sie gilt bis heute als die schlimmste Epidemie der Vergangenheit: In Ostpreußen starben damals von ungefähr 600 000 Einwohnern 241 171 Menschen. Ein zeitgenössisches Pestlied resümierte diese Tragödie, an die man in diesen Zeiten wieder erinnert wird, sehr makaber mit diesen Zeilen: „Die wilde Pest heert weit und breit, mit Leichen ist die Welt bestreut. Schon manchen Toten deckt sein Grab, der’s graben wollt, sank selbst hinab.“

Sudetendeutsche
Die Begegnung geht trotz Corona weiter

Schweren Herzens hat der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, bekannt gegeben, dass der nächste Sudetendeutsche Tag wegen der notwendigen Bekämpfung des Coronavirus nicht wie gewohnt an Pfingsten stattfinden kann. Dies sei besonders bedauerlich, weil es im Mai genau 75 Jahre her ist, dass mehr als drei Millionen Angehörige der Sudetendeutschen Volksgruppe aus der damaligen Tschechoslowakei vertrieben und wie auch die wenigen 10 000 Heimatverbliebenen kollektiv entrechtet wurden. 

Heute sei das jährliche Pfingsttreffen ein europäischer Begegnungsort, der auf der Basis der gemeinsamen böhmisch-mährisch-schlesischen Kultur und des Völkerverständigungsgedankens nicht nur Deutsche von diesseits und jenseits des Böhmerwaldes zusammenführe, sondern auch immer mehr Tschechen und Gäste aus allen Teilen Europas. Der Bundesvorstand der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) strebt zweifachen Ersatz an: Zum einen werde es voraussichtlich vom 

20. bis 22. November einen „Kleinen Sudetendeutschen Tag“ in München geben mit Verleihung des Europäischen Karlspreises der Sudetendeutschen, kulturellen und heimatpolitischen Akzenten sowie einem Jubiläumsfest „70 Jahre Sudetendeutsche Jugend“. Zum anderen sei geplant, zu Pfingsten nächsten Jahres, also vom 21. bis 23. Mai 2021, den 72. Sudetendeutschen Tag, verbunden mit einem Donau-Moldau-Fest in der Innenstadt, wie ursprünglich für dieses Jahr vorgesehen in Regensburg abzuhalten. 

Posselt kündigte außerdem an, in der Zwischenzeit über die vielen ehrenamtlichen Funktionsträger der Landsmannschaft Kontakt mit den Mitgliedern zu halten, vor allem jenen, die momentan besonders einsam sind. Auch die Nutzung elektronischer Medien werde von der SL-Pressestelle systematisch erweitert. 

Posselt: „Gerade in solchen schweren Zeiten gilt es, die Einheit und den Zusammenhalt der sudetendeutschen Gemeinschaft mit ihren vielen Erscheinungsformen zu pflegen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass der erfolgreiche Verständigungsprozess mit dem tschechischen Volk trotz vorübergehender Grenzschließungen fortgesetzt werden kann. Tschechen und Sudetendeutsche haben vor 30 Jahren bei der Beseitigung des Eisernen Vorhanges zusammengearbeitet, jetzt muss uns dies auch angesichts der mentalen Barrieren gelingen, die nationalistische Demagogen unter Missbrauch der Corona-Krise zwischen uns errichten wollen.“

Der Volksgruppensprecher und SL-Bundesvorsitzende schloss seinen Aufruf mit den Worten: „Bleiben Sie gesund, wir brauchen Sie! Aus Südtirol habe ich den Tipp erhalten, dass man die Hände immer so lang waschen soll, wie ein ,Vater unser‘ dauert. Diese doppelte Reinigung wird Ihnen und uns allen guttun.“

EB

Kontaktdaten Sudetendeutsche Landsmannschaft e.V. Hochstraße 8, 81669 München, Telefon (089) 48000354, Mobil: 0171/2049747 

E-Mail: schuster@sudeten.de, www.sudeten.de

S. 19 Die Pommersche Zeitung

Erinnerungen
Vor 75 Jahren im Raum Stettin
Originalaufzeichnungen des Arztes Dr. Hermann Manske – Weiter nach Westen – letzter Teil
Brigitte Klescewski

Bei Greifenhagen und bei den Übergängen der Autobahn finden Kämpfe statt. In den letzten Tagen gelingt es den Russen aber, bei Kolbitzow einen Brückenkopf zu halten und bis Tantow zu erweitern. Die Lage wird ernster. Ich habe wie auch die anderen Offiziere meinen Koffer beim Tross abgegeben.

Am 23.04. werden Schutzimpfungen gegen Pocken und Typhus vorgenommen. Es erscheinen alle aus meiner Kompanie, keiner drückt sich. Man weiß nicht, was uns noch bevorsteht.

24.04. Heute bin ich mit Feldwebel Hinz über die Oder mit dem Kahn gefahren, um die Impfung im Forsthaus vorzunehmen. Die politische Lage wird immer ernster, die militärische Lage in Ost und West ist eine Katastrophe.

Am 25. 04. geht es wieder über die Oder, um die letzte Kompanie zu impfen. Als ich dort ankomme, ist alles in Aufregung. Uns wird mitgeteilt, dass wir sofort umkehren sollen, denn Stettin soll geräumt werden. Stettin wird „Offene Stadt“. Die Kompanien erhalten den Befehl, bis 18.00 Uhr die Inseln zu räumen. Am Nachmittag werden die Werke an der Oder bis hoch nach Pölitz gesprengt. Die gesamte Industrie, an deren Aufbau Generationen gearbeitet haben, ist in wenigen Stunden ein Raub der Flammen. Um 21.00 Uhr besteige ich mit Hauptmann Amann zum letzten Mal den Bismarckturm. Er bleibt zwar stehen, aber der Ausblick, der sich bietet, ist unvergesslich. Großfeuer reiht sich an Großfeuer. Der Altdammer Kirchturm ist im Mondschein als Silhouette zu erkennen. Wann werden wir die Heimat wiedersehen?

Wir vom Stab marschieren als Letzte um 23.00 Uhr ab. Der 1. Sammelpunkt für das Bataillon ist Vogelsang. In Vogelsang kommen russische Bomber über die Straße und werfen Bomben ab. Ein Soldat wird schwer verletzt. Während ich ihn im Chausseegraben verbinde, kommen Tiefflieger und beschießen uns.

Nach dieser Nacht geht der Marsch weiter auf Sandwegen nach Polchow,    Glambecksee und Völschendorf. Dort liegt der Regimentsstab. Bis 05 Uhr bleibe ich dort. Der Verwundete ist bis hierher geschafft worden.

26.04. Ich besorge ein Pferdefuhrwerk, auf das der Verwundete gelegt wird. Unser Tagesziel für heute ist Boeck. Ich marschiere mit Hauptmann Amann und Oberleutnant Stelter. Es geht in Richtung Daber. Am Straßenrand liegen tote Pferde und umgeworfene Wagen, auch tote Soldaten sehen wir. Hinter Daber ist der Weg durch Panzersperren behindert. Unzählige Fahrzeuge liegen hier fest. Der Weg ist verstopft. Männer und Pferde müssen das Letzte hergeben, um die Wagen und Geschütze auf dem Sandweg vorwärts zu bringen. Von unserem Bataillon wird Leutnant Moebius mit seiner Kompanie als Nachhut zurückgelassen. Fahrzeuge bleiben liegen. An der Chaussee, in einem der ersten Häuser von Boeck, mache ich meinen Verbandsplatz auf. Meine Sanitäter finden sich hier ein. Neue Verwundete kommen hinzu. Feindliche Bomber fliegen dicht über die Dächer. Kein deutsches Flugzeug ist zu sehen oder zu hören. Stabsarzt Bräuer kommt zu mir. Er ist am Ende seiner Kraft. Mit Hilfe einer Tasse Bohnenkaffee erholt er sich langsam. Der Schwerverwundete, den ich transportieren ließ, stöhnt. Da sein Verband stark durchblutet ist, muss ich etwas tun, um sein Leben zu retten. Ich entschließe mich zu einer Operation, da eine innere Blutung besteht. Es gelingt mir, die Blutung mit Hilfe meiner Sanitäter abzubinden, die Wunde zu vernähen. Um uns schlagen die Granaten ein. An diese Operation werde ich mein Leben lang denken. Ich hoffe, dass ich diesen Verwundeten retten konnte. Er wird auf ein stehengebliebenes Lieferauto gelegt, das an ein Pferdefuhrwerk gehängt wird.

Es muss weiter zurückgehen, heraus aus dem Beschuss. Wir ziehen uns ins Dorf zurück. Viele Verwundete suchen uns auf. Als kleine Erfrischung finden wir in einem Keller eingeweckte Kirschen und Blaubeeren. Jeder Verwundete bekommt eine kleine Portion. Wir bleiben solange, bis sich die Kompanie vom Feind gelöst hat. Wir haben schwere Verluste. Unsere Artillerie schoss zu kurz. Die Russen werden auf Lastwagen bis in die vorderste Linie gebracht, unsere Soldaten dagegen  müssen laufen, haben keine Ruhepausen und wenig Zeit zum Essen. Am Abend geht es weiter nach Blankensee. Hier werden unsere Artilleriestände in die Luft gesprengt. Wir müssen sehen, dass wir bis Rothenklempenow kommen. Dort soll es dann eine Ruhepause geben. Die Verpflegung kommt nicht nach. Nicht schwach werden. Wer schwach wird, ist verloren. Es gibt keine Ruhepause, weiter geht es über Dämme, durch Wälder in Richtung Stallberg. Alle Dörfer sind fast leer. Das Vieh ist auf der Straße oder an der Kette geblieben. Um Mitternacht sind wir in Damm.

27.04. Wir befinden uns in der Ueckermünder Heide. Auf einer Koppel an einem See sind hunderte von Kühen bei Uhlenkrug zusammengetrieben worden. Dort steht auch ein Lastwagen voll mit Konservendosen beladen. Wir nehmen einige mit. Am Morgen kommen wir in Stallberg an. Überall werden wir bei den Bauern als lästig empfunden. Obwohl auf den Höfen die Milch steht, erhalten wir Wasser zum Trinken widerwillig gereicht. Weiße Fahne hängen aus den Häusern. Es war schon ein wildes Flüchten vor uns. Und der Führer erlässt Tagesbefehle an die Soldaten an der Ostfront: „Berlin bleibt deutsch und Wien wird wieder deutsch. Wenn wir die Russen geschlagen haben, geht es an die Westfront.“ Wie und womit sollen wir den Feind schlagen? Wir laufen uns die Füße wund. Was wir in 12 Stunden Marsch schaffen, erreicht der Russe auf Lastkraftwagen in einer Stunde.

Wir beziehen ein Gehöft als Bataillonsgefechtstand im Wald. Anderthalb Kilometer von uns entfernt liegt in einem anderen Gehöft der Regimentsgefechtsstand mit Major Klos. Endlich können wir uns etwas erholen. Ich ziehe meine Stiefel aus, die anderen auch. Dann öffne ich ihnen die Blasen an den Füßen. Wir laufen in Holzpantoffeln herum. Das Gehöft ist vom Besitzer verlassen worden. Wir heizen die Öfen und kochen uns Eier. Plötzlich geht die Schießerei wieder los. Die Fernverbindung ist noch intakt. Major Klos teilt uns mit, dass er eingeschlossen sei. Er befiehlt, dass die Kompanie in Stellung bleiben und keinen Versuch zur Rettung unternehmen soll. Wir sehen die Russen über das Feld laufen. Ein Stoßtrupp käme nicht mehr durch. Plötzlich ist die Fernsprechleitung unterbrochen. Ob sich der Kommandeur noch retten konnte, ist ungewiss. Wir verlassen das Gehöft und lagern in 200 m Entfernung im Wald. Nach einer Stunde ist unser Gehöft von Russen besetzt. Das Bataillon zieht sich weiter in den Wald zurück. Wir sind von allen Seiten eingeschlossen. Die Kochgeschirre werden liegengelassen, damit sie uns durch ihr Geklapper nicht verraten. Um 22.00 Uhr schleichen wir uns, das Bataillon besteht nur noch aus 157 Offizieren und Soldaten, weiter in den Wald. Es gelingt uns einzeln die Hauptstraße nach Pasewalk, die schon von den Russen befahren wird, ohne Verluste zu überqueren. Auch die Bevölkerung hatte sich in den dichten Wäldern versteckt. Allmählich haben wir genug Abstand von den Russen. In einer Scheune wird kurz gerastet. Der Nachtmarsch geht weiter bis um Torgelow herum, vorbei an einem großen Werk, weiter über Eggesin bis nach Ueckermünde. Wir sind der letzte Trupp. Sprengladungen liegen schon an den Brücken. Beim Landratsamt in Ueckermünde machen wir Halt. Der Hausverwalter versorgt uns mit Kaffee. Auf der Uecker ist ein Lastkahnzug aufgestellt worden, mit dem auch Zivilisten abwärts getrieben werden sollen. Um 9.30 Uhr besteigen wir den Schleppzug und fahren die Uecker hinaus aufs Haff. Russische Panzer beschießen uns von einer Ziegelei, die am östlichen Ufer von Ueckermünde liegt. Langsam kommen wir vorwärts bis in die Höhe von Lassan. Dort müssen wir vor Anker gehen.

Hier endet das Tagebuchfragment. Leider ist das Tagebuch meines Vaters ohne das Kriegsende geblieben. Der Schleppkahn, der die Reste des Bataillons Amann aufnehmen konnte, brachte die Fliehenden bis zu einem größeren Schiff. Aus Erzählungen weiß ich, dass das rettende Schiff, wahrscheinlich die „Schlesien“, vor Kopenhagen längere Zeit auf Reede lag, denn die Dänen ließen kein Schiff mehr in ihren Hafen. Die Zustände auf dem Schiff müssen zunehmend lebensbedrohlich gewesen sein. Mit einem Fernglas, so seine Aussage, hätte er die kleine Meerjungfrau gesehen. Die Engländer schleppten 1945 das Schiff nach Kiel. Die Soldaten kamen ins Gefangenenlager bei Satjendorf im Kreis Plön. Von dort aus nahm mein Vater Kontakt zu seiner Familie auf, deren Adressen er durch seine Cousine, einer Lehrerin in Stelle bei Harburg, erfahren konnte. Diese Adresse in der Lüneburger Heide führte unsere Familie wieder zusammen. 

Brauchtum
Pfeifchen schnitzen und Gründonnerstagskringel backen

So war es in Pommern –

Mit Palmsonntag beginnt die stille Zeit der Karwoche. Dieser Sonntag erinnert an das Wedeln mit Palmzweigen beim Einzug Jesu in Jerusalem. Im protestantischen Pommern ersetzten die Kätzchen der Salweide oder auch Birkenzweige die Palmwedel.

Über der Palmwoche und Ostern schwebte stets ein Hauch von Frühling, von Fröhlichkeit und Festlichkeit.

Wenn also in dieser Zeit die linden Lüfte wehten, pflegte mein Vater am Wochenende zu sagen: „Mal sehen, ob schon die Pfeifchen an den Bäumen wachsen?“

Er zog mit seinen Kindern, es muss wohl im Jahr 1939 das letzte Mal gewesen sein, ins Grüne, um mit ihnen wieder zum großen Jungen zu werden. Plattdeutsch konnte er auch sprechen und brachte uns einen Spruch aus seiner Kinderzeit bei:

„Roer, roer Piepke,

mok mi n‘ Piepke,

mi eint, die eint,

annert Lüre jo keint.“

Dazu mussten wir klatschen. Vorsichtig klopfte er mit seinem geschlossenen Taschenmesser die Rinde von einem Weidenzweig. Auf seinem fertig geschnitzten Pfeifchen blies er dann eine Melodie, die sich wie „Hänschen klein“ anhörte.

Anleitung zum Pfeifchen schnitzen


Zuerst wird die Rindenschale eines Weidenzweiges mit dem Taschenmesser abgeklopft. Es entsteht eine Rindenhülse. Vom inneren Holz ein Stückchen abschneiden und etwas abflachen. In die Rindenhülse vorsichtig ein Flötenloch kerben. Das abgeflachte Holzstück in die Rindenhülse als Mundstück stecken. Das Pfeifchen ist nun fertig. Steckt das innere Stückchen tief in der Hülse, werden die Töne hell. Je weiter man es herauszieht, umso tiefer werden die Töne.

Einen weiteren Vers zum Pfeifchen schnitzen fand ich in einem Reprint einer Königsberger Heimatfibel.


Piepke, Piepke gerond mi doch,

denn warscht du ok nich plinse.

wenn du mi got geroade warscht,

denn back ök di ok Flinse.

Für den, der nun für seine Enkelschar Pfeifchen schnitzen möchte, kommt diese Zeichnung zum Abschluss.

Nicht ärgern, wenn das Pfeifchen nur eine Tröte wird.

                                  Brigitte Klesczewski  


Gründonnerstagskringel

Die Kringel – kleine oder auch ein paar Pfund schwere – wurden in Ostdeutschland traditionsgemäß am Donnerstag vor Ostern gebacken. 

Wie bei allen Spezialitäten gibt es auch bei diesem Hefegebäck verschiedene Varianten, die sich nach den örtlichen Gepflogenheiten richten oder als Familienrezept an die nachfolgenden Generationen weiter gegeben wurden. Nach diesem Rezept haben schon unsere Urgroßmütter die Kringel gebacken. 

Man nehme: 500 Gramm Mehl, 40 Gramm Hefe, zwei Eier, 125 ml Milch, 250 Gramm Butter, 150 Gramm Zucker, 300 Gramm Sultaninen, 125 Gramm Mandeln, Zitrone und ein Ei zum Bestreichen. 

Und so wird’s gemacht: Aus etwas Mehl, Hefe und Milch ein Hefestück ansetzen und gehen lassen. Mehl mit Eiern, Zucker, einer Prise Salz und der restlichen Milch gut verkneten, mit dem Hefestück mischen und die abgeriebene Zitronenschale zugeben. Den sehr festen Teig noch einmal gehen lassen, ausrollen, eine Hälfte mit recht kalten Butterscheiben belegen, zusammenklappen. Wieder ausrollen und erneut mit Butter belegen, insgesamt dreimal. Den ausgerollten Teig in zehn Zentimeter breite Streifen schneiden, mit geriebenen Mandeln und vorher eingeweichten Sultaninen belegen, Ränder überschlagen und eine Rolle drehen, von der kleine Stücke abgeschnitten werden, die wieder zusammengedreht und zu Kringeln geformt werden.

Mit dem mit Wasser verklopften Ei bepinseln, mit gehackten Mandeln belegen und hellbraun backen. Die Kringel können dann nach Belieben mit Zuckerguss bestrichen werden, besonders beliebt war ein mit Obstsaft rosa gefärbter Zuckerguss. Dieses Rezept ist im ostpreußischen „Doennigs Kochbuch“ unter der Bezeichnung „Rosinenkringel“ zu finden.

BS

S. 20 Leserforum

Leserforum

Alles geht jetzt langsamer

Zu: Ein Stresstest für die globalisierte Welt (Nr. 12)

Was in der EU undenkbar war: Es werden wieder Grenzen zwischen den Ländern kontrolliert und überwacht. Es war also nicht die unüberschaubare illegale Einwanderung, die eigentlich eine Grenzkontrolle notwendig gemacht hätte, sondern es waren kleine unsichtbare gefährliche Viren. Wenn auch Deutschland ziemlich spät zu dieser Erkenntnis gelangt ist, so waren Grenzkontrollen das einzig Richtige. Solche Maßnahmen müssen wir leider hinnehmen. Trotz alledem bleibt nun Zeit für jeden, über seine Gesundheit nachzudenken. Alles geht jetzt langsamer! 

Wolfgang Hornuff, Berlin 






Kinder als „Türöffner“ 

Zu: Humanität und Verantwortung (Nr. 11)

Deutschland will nun doch auf Druck von Asyl-Lobbyisten, Linken, Grünen und der NGO „Seebrücke“ Kinder aus Griechenland aufnehmen. Auf ihren Transparenten fordern sie: „Das Ziel müssen alle sein“, und: „Wir haben Platz“. 

Man sollte sie beim Wort nehmen und ihnen „Schutzsuchende“ zur Unterbringung und Versorgung zuweisen. Sie und alle anderen Hypermoralbesessenen haben mit diesem scheinheiligen Polit-Theater offensichtlich ihren Verstand an der Garderobe abgegeben, denn sie unterschlagen, dass die Integration der im September 2015 eingefluteten 1,5 Millionen von meist Illegalen ohne Ausweispapiere noch lange nicht bewältigt und teils unmöglich ist.

Zudem verschaffen sich über unsere offenen Grenzen täglich immer noch rund 450 meist illegale „Flüchtlinge“ Zutritt nach Deutschland, zuzüglich derjenigen, die über den Luftweg einreisen. Angesichts des Geschehnis-Ablaufs von 2015 könnte die jetzt geplante Aktion zum endgültigen Zusammenbruch von Recht und Ordnung führen.

Grenzt es nicht schon an Gewissenlosigkeit jener Eltern, die ihre minderjährigen Kinder auf eine äußerst gefahrvolle Reiseroute schicken? Sie benutzen sie als „Türöffner“, um später im Rahmen der Familienzusammenführung, teils als Großfamilien, im gelobten Land eine lebenslange Rundumversorgung zulasten der Steuerzahler genießen zu können. 

Solange die Kanzlerin nicht bereit ist, unsere höchsten Sozialdienstleistungen als Lockmittel wenigstens zu kürzen beziehungsweise teils in Sachleistungen umzuwandeln, werden auch Kinder weiterhin als Vorhut missbraucht werden.

Gisela Recki, Eitorf






Die wiedereröffnete DDR

Zu: Ein Gespenst taucht auf (Nr. 11)

Zu dem zutreffenden Kommentar (über die Aufstellung eines Lenin-Denkmals in Gelsenkirchen, d. Red.) ist anzumerken: Der Kollege Lenin steht schon dick und groß in der Eingangshalle des Deutschen Historischen Museums in Berlin, ohne jede Hintergrunderklärung. 

Jürgen Schaar, St. Wendel 






Die „Genickschusspartei“

Zu: Die Camouflage der Linkspartei, (Nr. 11)

„Dann endlich dringen die wahren Stimmen aus dem innersten Herzen. Und die Maske wird abgerissen; es bleibt die Sache“, schrieb einst ein römischer Epiker. Solches geschah am 29. Februar und 1. März bei der Strategiekonferenz der Linken in Kassel, als die Genossin Sandra L. lustvoll die Sau rausließ. Energiewende sei auch nach der Revolution nötig. Wenn man erst einmal ein Prozent der Reichen erschossen habe, müsse man doch weiter für den Alltag sorgen, sprach sie. Damit steht diese „Pistolera“ voll in der Tradition der SED, von Lenin und Stalin. 

Im Paradies der Werktätigen wurden auch zunächst nur die Reichen, die Adeligen und die Geistlichen erschossen, bald danach die intellektuellen Eliten. 

Dann kamen die Kulaken, die Bauern, die etwas Land und ein paar Kühe hatten, an die Reihe und schließlich in den Großen Säuberungen die Genossen selber. Nicht einmal die Armee, die Stütze des Terrors, blieb verschont. Von 56 hohen Offizieren und Generalen wurden 52 erschossen. Wir wissen also, was uns blüht, sollte die Linke jemals wieder an die Macht gelangen. 

Offenbar hatte in Kassel die Genossin nur das gesagt, was alle in ihrer Partei denken, denn es gab keinen Proteststurm, sondern nur eine freundliche Korrektur durch Parteichef Bernd Riexinger, der grinsend meinte: „Ich wollt’ noch sagen, wir erschießen sie nicht, wir setzen sie schon für nützliche Arbeiten ein.“ 

Damit liegt er genau auf der Linie von Lenin und Stalin. Die nämlich richteten den grauenhaften Gulag, das Universum der Konzentrationslager, ein, dessen Devise war: Vernichtung durch Arbeit. Dort sind etwa 25 Millionen Menschen, darunter zwei Millionen deutscher Kriegsgefangener und ziviler Verschleppter, umgebracht worden.

Diese Erblast übernehmen alle, die mit der Linken turteln, koalieren oder, wie jetzt in Erfurt geschehen, einem kommunistischen Ministerpräsidenten zur Macht verhelfen. Selbst Stalin ist in linken Kreisen noch immer eine Ikone. Darum erscheint die Partei Die Linke unglaubwürdig, wenn sie sich als Verteidigerin der Demokratie gebärdet oder gar den Verdacht des Totalitarismus weit von sich auf andere schiebt. 

Wer so locker mit der Erschießung und der Zwangsarbeit der Klassenfeinde hantiert, wie jetzt in Kassel zu beobachten war, ist ein Fall für den Verfassungsschutz. Hätte jemand von der AfD auch nur eine entfernt vergleichbare Äußerung getan, so wäre die Beobachtung sofort fällig gewesen. Den einen hängt man mit viel Getöse an, wofür sie nicht verantwortlich sind, die anderen genießen größte Nachsicht selbst da, wo aller Grund zur Entrüstung besteht. 

Die Linke darf sich aber nicht beschweren, sollte man sie in Zukunft mit dem Beinamen „Genickschusspartei“ belegen.

Adolf Frerk, Geldern






Ein Retter für die FDP?

Zu: Manchem Parteifreund ist er zu rechts (Nr. 10)

Der Historiker und Soziologe Rainer Zitelmann ist seit über 20 Jahren FDP-Mitglied. Erste bundesweite Bekanntheit erlangte Zitelmann im Jahr 1993 durch seinen Sammelband „Für Deutschland“. Bezogen auf die FDP in Thüringen aber wohl ebenso gemünzt auf die FDP-Bundeselite schreibt Zitelmann im „Focus“: „Wer sich kleinmacht, wird kleingemacht ... Nicht nur die CDU, auch die FDP hat die Verantwortung, AfD-Wähler zu gewinnen.“ Zitelmann hat absolut recht. 

Mir scheint, dass die im Artikel erwähnten Christian-Lindner-Kritiker Johannes Vogel, Konstantin Kuhle und Ria Schröder, die sich konkret einen „Linksruck“ der FDP ersehnen, damit weder ihrer Partei noch dem Land und noch nicht einmal sich selber dienen würden, denn die politischen Mehrheiten für eine von ihnen wahrscheinlich angestrebte grüne Ampel-Koalition aus Grünen, SPD und FDP erscheinen mir realitätsfremd und gehen zumindest gegenwärtig völlig am gegenwärtig verstärkt nötigen strukturellen, politischen Stabilitätsbedürfnis der deutschen Gesellschaft vorbei.

Helfen dürfte der FDP politisch vielmehr, wenn Parteichef Lindner Herrn Zitelmann ab sofort herausgehoben in die Arbeit der Bundespartei einbinden würde, um wenigstens zukünftig ehemalige AfD-Wähler politisch an die FDP wieder verstärkt zu binden. 

Die Kommunalwahlen in Bayern allerdings sind für die FDP wohl schon verloren, eine politische Kurskorrektur braucht mindestens vier Wochen, um zunächst in der politischen Agenda sichtbar zu werden und um sich dann in Umfrageergebnissen auszuzahlen. 

Dr. Frank Wolfram Wagner, Lemgo

S. 21 Lebensstil

Asterix und Obelix
Widerspenstige Gallier
Die Comicwelt betrauert den Tod des Zeichners Albert Uderzo – Mit seinen Figuren parodierte er auch politische Zustände
Eva-Maria Michels

Am 24. März verstarb im Alter von 92 Jahren Albert Uderzo, einer der beiden „Väter“ von Asterix und Obelix. Der Sohn italienischer Einwanderer schuf zusammen mit René Goscinny 1959 die weltberühmten Comicfiguren. Uderzo zeichnete, Goscinny textete. Die Abenteuer der widerspenstigen Gallier entwickelten sich ab den 60er Jahren zu einem nationalen und internationalen Verkaufsschlager. Bis heute wurden weltweit 370 Millionen Exemplare der 38 Asterix-Bände verkauft.

Uderzo war nach dem frühen Tod seines Mitstreiters Goscinny, der 1977 im Alter von 51 Jahren an einem Herzinfarkt starb, alleiniger Autor von elf weiteren Bänden. Damit wurde „Asterix“ die weltweit erfolgreichste Comicserie noch vor „Tim und Struppi“. Die Erlebnisse der Gallier wurden in 111 Sprachen und Dialekte übersetzt. Dazu kommen bisher elf Filme, Vermarktungsprodukte sowie ein ganzer Themenpark im Norden von Paris. 2013 übertrug Uderzo die Rechte an Asterix an Jean-Yves Ferri und Didier Conrad. Aus ihrer Feder stammen die fünf letzten Bände.

Die Asterix-Serie des Duos Goscinny/Uderzo ist eine Parodie der französischen Gesellschaft ihrer Zeit, der Regionalismen und sämtlicher Stereotypen kultureller und gesellschaftlicher Art. Über die Abenteuer der Gallier können Klein und Groß lachen: Die Kinder haben Spaß an den grotesken Situationen und Uderzos Zeichnungen, die Erwachsenen amüsieren sich über Goscinnys Wortspiele und seine sehr feine Ironie, mit der er gesellschaftliche Entwicklungen herausarbeitet, ohne sie direkt zu kritisieren.

Für die Übersetzer der Asterix-Bände dürfte es eine Sache der Unmöglichkeit sein, das sprachliche Feuerwerk und die Wortwitze exakt in andere Sprachen zu übertragen – zumal dem Nicht-Franzosen die kulturellen Referenzen zum französischen Alltag fehlen. Asterix ist deshalb auf Französisch wohl noch wesentlich lustiger als in den Übersetzungen.

Traditionalisten gegen Progressive

Im Laufe der Jahre entwickelten sich Asterix und seine Mitstreiter aus dem letzten freien Dorf Galliens zu Widerstandssymbolen des traditionellen Frankreichs: rechte Franzosen sehen sich selbst in der Tradition von Asterix und Obelix im Kampf gegen fremde Besatzungsmächte. Nach dieser Sichtweise haben die EU und die US-Massenkultur den Imperialismus des Römischen Reiches ersetzt. Progressive dagegen sehen in Asterix das Symbol von fehlender Anpassung an den Gang der Geschichte. Sogar Präsident Emmanuel Macron nahm darauf Bezug, als er im August 2018 vor der dänischen Königin Margarete die Offenheit für Transformationen des dänischen „lutherischen Volkes“ lobte und beklagte, dass sich die Franzosen als „widerspenstige Gallier“ Veränderungen widersetzten.

Das Duo Goscinny/Uderzo wies dagegen zeitlebens jegliche politische Positionierung Asterix’ zurück. Wenn sie gesellschaftliche Entwicklungen oder politische Ereignisse ihrer Zeit, wie den Sportkult und die Dopingfrage, den Massentourismus am Mittelmeer, die liberale Konsumgesellschaft, die Frauenemanzipation oder den Umgang mit der Kollaboration parodierten, taten sie dies als Zustandsbeschreibung, nicht als politische Propaganda. 

Doch bereits die 68er konnten darüber häufig nicht lachen und warfen Goscinny und Uderzo beispielsweise wegen der dominanten, wenig charmanten Häuptlingsfrau Gutemine Menschenfeindlichkeit und Antifeminismus vor. Die beiden Autoren nahmen diese Anschuldigungen jedoch mit Humor und setzten ansonsten ihr Werk unbekümmert fort.

Nach Goscinnys Tod übernahm Uderzo auch das Szenario. Obwohl die Verkaufszahlen weiter in die Höhe schossen, waren die Kritiken negativ: Uderzo gelang es nicht, sprachlich so fein pointiert die gesellschaftlichen Entwicklungen darzustellen wie Goscinny. Die Witze wurden banaler und derber und die Szenarien immer abgehobener, unrealistischer. Uderzo führte sogar Fantasy- und Science-Fiction-Elemente in die Handlungen ein.

Ab Ende der 1980er Jahre wurde Asterix ein Produkt der Massenkultur: Im Zuge der damaligen Mode von Themenparks nach amerikanischem Vorbild erfolgte 1989 die Eröffnung des Parc Astérix im Norden von Paris. Ab Ende der 1990er Jahre kamen dann zahlreiche Filmadaptionen in die Kinos, darunter die bis dahin teuerste französische Filmproduktion aller Zeiten „Asterix und Obelix gegen Cäsar“ mit Christian Clavier und Gérard Depardieu in den Hauptrollen. Obwohl der Film viel Geld einspielte, waren die Kritiken überwiegend negativ. Für die echten Asterix-Liebhaber bleiben die drei Asterix-Zeichentrickfilme, die Goscinny und Uderzo selbst in den 70er Jahren herausbrachten, die einzige echte Referenz.

Lektürehinweis Am 2. April ist der Sonderband „Asterix – Tempus Fugit – Wahre Mythen und falsche Fakten“ erschienen (Ehapa Verlag, 15 Euro)

E-Learning
Unterricht frei Haus
Lernen in Zeiten der Corona-Krise – Schüler und Studenten versuchen mit digitalen Mitteln den Lernausfall zu kompensieren
Nils Aschenbeck

Schulen und Universitäten waren und sind auf die aktuelle Krise nicht vorbereitet. Millionen Schüler sitzen seit zehn Tagen zu Hause und warten auf digitale Bildungsangebote. Und knapp drei Millionen Studenten werden nach der Osterpause vermutlich ebenfalls einige Wochen zu Hause verbringen und den Online-Unterricht, die sogenannten E-Learning-Angebote, der Universitäten und der Professoren konsumieren. 

Doch nur wenige Lehrer können sinnvolle Angebote liefern. Viele werden Folien von Präsentationsprogrammen ins Internet stellen, einige wenige werden selbstproduzierte Filme bieten. Ein ausreichender Ersatz für Präsenzveranstaltungen wird keines der Formate sein, es sind Krücken der Wissensvermittlung.

Dass die Studenten live einer Lehrveranstaltung übers Internet beiwohnen, wäre zwar technisch umsetzbar, aber dafür fehlen in den Fachbereichen und bei den Dozenten Erfahrung und Kompetenz. Selbst Telefonkonferenzen unter Professoren erweisen sich manchmal als schwierig. Es zeigt sich, dass an den Schulen genauso wie an den Hochschulen und den Universitäten die immer wieder geforderte Digitalisierung verschlafen wurde. 

Der technische Rückstand ist nicht zuletzt in der Abneigung vieler Professoren gegen neue Medien begründet. Portale wie YouTube gelten als unwissenschaftlich, und den wenigen Professoren, die sich dort tummeln, wird von den Kollegen gerne Populismus vorgeworfen. Der Universitätsbetrieb ist, zumindest in den Geisteswissenschaften, noch immer erstaunlich altmodisch.

Der Geist der Digitalisierung

Die Corona-Krise – diese Prognose kann man jetzt schon geben – wird die Digitalisierung deutscher Bildungseinrichtungen gewaltig voranbringen und die Fakultäten modernisieren. In wenigen Monaten werden die akademischen Lehrpersonen wissen, wie Inhalte digital zu vermitteln sind – ob sie es wollen oder nicht. Inzwischen wird sogar diskutiert, ob Prüfungen nicht sogar via dem Internet-Videodienst Skype abgehalten werden können. Der Kandidat müsste dann seinen Ausweis in die Kamera halten und auch dokumentieren, dass er allein im Raum ist. 

Wenn sich die Online-Lehre und die Online-Prüfung in den nächsten Wochen bewähren, dann wird es kaum mehr möglich sein, diese Methoden wieder vergessen zu machen. Wie alle Fortschritte der Digitalisierung wrden die Einfachheit und die Schnelligkeit ihrer Anwendung dazu führen, dass die analogen Varianten ins Hintertreffen geraten. Wieso soll man noch eine Prüfung vor Ort durchführen, wenn dafür ein Raum zu reservieren ist, wenn dafür die Prüfer womöglich anreisen müssen und wenn dadurch alles so unflexibel geworden ist, dass Terminverschiebungen kaum möglich sind. 

Der Geist der Digitalisierung, der jetzt, bedingt und massiv beschleunigt durch die Corona-Krise, aus der Flasche gelassen ist, der wird nicht wieder einzufangen sein. 

Das mag man begrüßen – als dringend notwendige Modernisierung des deutschen Bildungssystems. Die Digitalisierung verspricht einen niederschwelligen Zugang zu Informationen. Sie vereinfacht den Austausch mit Kollegen und fördert darüber hinaus noch die Internationalisierung. Die digitale Verfügbarkeit von Wissen beschränkt zudem die Macht von Institutionen.

Bald Uni-Seminare ohne Studenten?

Dass der Geist der Digitalisierung aus der Flasche gelassen wurde, kann man aber auch mit Sorge betrachten. Schon heute scheint die digitale Affinität der Studenten eher ein Hindernis der Wissensvermittlung denn ein Segen zu sein. Es ist üblich geworden, dass Studenten ihre Semesterarbeiten nur auf der Basis einer meist flüchtigen Internet-Recherche schreiben. Ein großer Teil der Studenten kennt die jeweilige Bibliothek nicht von innen. Das mühsame Lesen von Büchern, das oftmals mühsame Zusammentragen und Vergleichen von gedruckten Informationen – es langweilt die heutige Studentengeneration nur. 

Wenn den Studenten – wie jetzt in der gegenwärtigen Pandemie-Krise – über Wochen oder Monate gezeigt wird, dass man auch zu Hause den Vorlesungen folgen und auch vom Wohnzimmer aus bei den Seminaren teilnehmen kann, dann wird das Lehrpersonal im nächsten regulären Semester ohne Corona-Epidemie vermutlich fast allein in den Hörsälen stehen. Die vom Segen der Digitalisierung überzeugten Studenten werden der Meinung sein, dass Bildung nicht durch die Diskussion mit Kommilitonen und Lehrenden erreicht wird, sondern dass unter Bildung allein das Aufsaugen digitaler Inhalte zu verstehen ist. 

Diese Tendenzen waren schon vor der Corona-Krise zu beobachten, sie werden jetzt aber massiv verstärkt werden. Man muss befürchten, dass die aus der Not geborene Digitalisierung der Bildung und der Wissensvermittlung einen Bärendienst erweist.

Der Autor unterrichtet an der Universität Vechta im Fach Designpädagogik

S. 22 Literatur

Erinnerung
Maler und Theologe
Bernhard Modereggers Leben in Text und Bildern

Bernhard Moderegger Der in Königsberg gebürtige Pastor und Maler Bernhard Moderegger (1914–2005) stammt aus einer ostpreußischen Theologenfamilie, die als Nachkommen von Salzburger Glaubensflüchtlingen 1732 im Zuge der Salzburger Emigration nach Ostpreußen kamen.   

   In Folge des Zweiten Weltkriegs hatte die Familie ihre ostpreußische Heimat sowie fast alle Erinnerungsstücke verloren. Als Geistlicher fand Moderegger in der niedersächsischen Landgemeinde Rössing und später in Göttingen in der neu gegründeten Corviniuskirchengemeinde eine neue Heimat. Er betreute die deutschen Vertriebenen seelsorgerisch und nahm an Veranstaltungen zum Gedenken an die Toten des Krieges teil.

    Modereggers Sohn Martin hat den Lebensweg seines Vaters mit dessen handschriftlichen Erinnerungen, Briefwechseln mit seinen Eltern, Brüdern, Onkeln und Freunden, aber auch Predigten, Gemeindebriefen und anderem Schriftgut nachgezeichnet. Hilfreich dabei war sicherlich die Tatsache, dass Moderegger nach seiner Pensionierung damit begonnen hatte, biografische Erinnerungen niederzuschreiben. Entstanden ist eine umfangreiche Biografie, unterteilt in 15 Kapiteln, in denen zunächst der Werdegang geschildert wird, gefolgt von Abschnitten über sein Leben als Pastor, den Einfluss seines salzburgischen und ostpreußischen Erbes sowie über seine wichtigsten Wegbegleiter. An ein Nachwort und eine Zeittafel schließen sich Tagebuchaufzeichnungen sowie Predigttexte, Andachten und weitere theologische Beiträge an. Alle Kapitel sind mit zahlreichen Fotografien und/oder Zeichnungen und Gemälden des Porträtierten versehen.   

   Das Schlusskapitel ist dem Maler Bernhard Moder-egger gewidmet. In den Abbildungen der ausdrucksstarken und farbenfrohen Gemälde kommt die Vielseitigkeit des Künstlers zum Ausdruck. Moderegger zeichnete, malte in Aquarell oder Öl Landschaften, Porträts, Stillleben und fertigte Holzschnitte an. Inspiriert wurde er schon in früher Kindheit von Königsberg, der Stadt, deren Bürgertum der Kunst gegenüber sehr aufgeschlossen war, wovon die große Gemäldegalerie im Schloss mit Gemälden berühmter Maler zeugen. 

...Neben seiner Leidenschaft für Musik begleitete Moderegger die Kunst zeit seines Lebens. In den 1970er Jahren hat das „Ostpreußenblatt“ regelmäßig seine Holzschnitte und Zeichnungen vorgestellt. Wer den Menschen Bernhard Moderegger näher kennenlernen möchte und seinen Malstil liebt, dem sei die Lektüre der Biografie dringend empfohlen. MRK

Martin Moderegger: „Bernhard Moderegger. Pastor und Maler“, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2020, gebunden, 281 Seiten, 29,95 Euro


Psychologie
Furcht vor sozialem Abstieg
Wie geschickte Meinungsmanipulationen der herrschenden Elite das Bewusstsein der Bevölkerung verändern und zum Abbau der Demokratie führen
Wolfgang Kaufmann

Rainer Mausfeld war bis 2016 Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Psychologie an der Universität Kiel. In seinen Publikationen beschäftigt er sich mit der Umwandlung von Demokratien in autoritäre Sicherheitssysteme und psychologischen Techniken der Meinungsmanipulation durch die Herrschenden. So zum Beispiel auch in dem höchst aufschlussreichen Buch „Warum schweigen die Lämmer?“ aus dem Jahre 2018. Hieran anknüpfend legt Mausfeld nun das etwas schmalere, aber dennoch ähnlich inhaltsschwere Bändchen „Angst und Macht“ vor.

Darin vertieft und ergänzt er seine bisherigen Aussagen über die umfassende Beeinflussung des Bewusstseins der Bevölkerung in neoliberalen Demokratien, wobei der Schwerpunkt diesmal auf der systematischen Erzeugung von Furcht vor sozialem Abstieg und sozialer Ausgrenzung liegt. Diese dient laut Mausfeld vorrangig dem Zweck, eine angemessene Urteilsbildung zu blockieren und die Entschluss- beziehungsweise Handlungsbereitschaft der Menschen zu lähmen. Die dergestalt manipulierten Massen könne die Elite dann in jede gewünschte Richtung lenken. Eine besonders wichtige Rolle misst Mausfeld dabei dem Aufbau von Feindbildern zu: Zum einen hielten dieselbigen das Volk permanent in Atem und verstellten so den Blick auf die wirklichen Probleme, zum anderen lieferten sie jede Menge Vorwände für den „alternativlosen“ Abbau von demokratischen Strukturen und die sukzessive Einschränkung von Freiheits- und Bürgerrechten.

Gleichzeitig sorge die herrschende Elite aber auch für reichlich Ablenkung durch Konsum und vielerlei Formen von seichter Unterhaltung, damit die induzierte Angst nicht zu stark wahrgenommen werde. Denn das könnte die Beherrschten dazu animieren, das System als solches in Frage zu stellen, statt sich an den dargebotenen Ersatz-Feinden abzureagieren.

Bei der Lektüre nahezu jeder Seite des Buches dürften sich bei Lesern, welche die gegenwärtige politische und gesellschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik mit wachen Sinnen verfolgen, Aha-Effekte einstellen: Plötzlich passt alles zusammen – selbst solche scheinbar eher nebensächlichen Dinge wie das immer infantiler werdende Fernsehprogramm erweisen sich nunmehr als wichtige Mosaiksteine, die das Bild von einer durch und durch manipulierten Bevölkerung komplett machen.

Im Schlussteil versucht Mausfeld dann Ratschläge zu geben, wie die Menschen sich von den durch die Eliten verursachten Ängsten frei machen können. Diese bleiben allerdings leider recht vage.

Rainer Mausfeld: „Angst und Macht. Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“, Westend Verlag, Frankfurt/M. 2019, broschiert, 123 Seiten, 14 Euro

Globalisierung
Von Kreuzrittern bis zur Gegenwart
Die Historiker Jürgen Osterhammel und Niels P. Petersson weisen anhand von Beispielen nach, dass es Globalisierungstendenzen schon früher gab
DirK Klose

Unter Globalisierung wird das immer stärkere politische und wirtschaftliche Zusammenwachsen der Welt verstanden. Der Historiker Jürgen Osterhammel (unter anderen Festredner zum 60. Geburtstag der Bundeskanzlerin) hinterfragt zusammen mit seinem britischen Kollegen Niels P. Petersson den mitunter allzu raschen Gebrauch dieses Wortes, so als sei etwas ganz Neues über die Welt gekommen. Osterhammel ist in fast all seinen Publikationen über eine enge eurozentrische Sicht hinausgegangen und hat auf spannende Weise gezeigt, wie sehr Ereignisse – etwa in Asien oder in der arabischen Welt – die Weltgeschichte beeinflusst haben.

Weltumspannende Herrschaft

Globalisierung, so weisen beide Autoren in diesem kleinen, in bester historischer Manier geschriebenen Buch nach, ist keineswegs ein Phänomen der Neuzeit. Man kann sie, weltweit betrachtet, in der Geschichte weit zurückverfolgen. Seit der Antike bis in unsere Zeit lag imperialen Großreichen die Tendenz zu weltumspannender Herrschaft zugrunde. „Großräumige Integration“ beobachten die Autoren bereits im frühen Mittelalter, dann im 13. Jahrhundert, als von Europa aus die ersten Entdeckungsreisen und Eroberungszüge begannen (Kreuzritter und italienische Seerepubliken) und als zur gleichen Zeit in Asien durch die gewaltigen Kriegszüge der Mongolen (heute unter Historikern allerdings eher als zivilisatorische „Pax Mongolica“ gewürdigt) und in der arabischen Welt extreme Auseinandersetzungen um große Herrschaftsräume stattfanden. 

Eine Globalisierung ebenfalls weltweiten Ausmaßes sehen die Autoren in der beginnenden Kolonisation, in den sich zu Weltkriegen ausweitenden europäischen Konflikten und im kommerziell vollendet betriebenen Sklavenhandel (zirka zwölf Millionen Menschen) im 18. Jahrhundert. Globalisierung, so das etwas lapidare, aber historisch überzeugend begründete Fazit, ist letztlich in der Weltgeschichte nichts Neues: „Die angeblich als charakteristisch für ein gegenwärtiges Zeitalter der Globalität zu verstehenden Muster waren schon in früheren Zeiten verfügbar.“ Gleichwohl habe das Wort einen Sinn als Sammelbegriff für Interaktionen und Handlungen „mit planetarischer Reichweite“. Aber zugleich gelte auch: „Lokalität bleibt Schicksal.“ Das sieht man, betrachtet man den eigenen Staat als jeweilige Lokalität, gerade in diesen Tagen. 

Jürgen Osterhammel/ Niels P. Petersson: „Geschichte der Globalisierung. Dimensionen, Prozesse, Epochen“, C.H. Beck Verlag, München 2019, broschiert, 128 Seiten, 9,95 Euro

Für Sie Gelesen

Schicksale nach dem Krieg

Im Januar 1947 befindet sich die junge Ostpreußin Friederike Matthée mit ihrer Mutter im ausgebombten Köln. Sie haben die Flucht aus Gumbinnen ausgehungert, zwar unverletzt am Körper, aber nicht an der Seele, überstanden. Friederike muss für beide sorgen und nimmt deshalb den nächstbesten Arbeitsplatz an – sie wird ein Mitglied der weiblichen Polizei. Der reservierte, britische Ermittler Richard Davies von der Royal Military Police benötigt Friederike bei einer Mordermittlung. Davies erzählt niemandem, dass er eigentlich ein deutscher Jude ist, der im Alter von 15 Jahren flüchten konnte. Seine Eltern wurden in einem Konzentrationslager getötet. 

Der Leser dieses historischen Krimis wird mit den beiden Hauptpersonen bei der Suche nach einem Mörder durch das ausgebombte Köln geführt und erfährt dabei auch etwas über den seelischen Kummer der Ermittler. Der Winter ist bitterkalt und so mancher hat bereits den Kältetod gefunden. 

Dieser Roman schildert einfühlsam die Lebensumstände und den Kampf der Überlebenden sowie den Versuch der Sieger, ein System in das „wilde“ neue Deutschland zu bekommen, da jeder nur darauf aus ist, seinen Hunger auf Nahrung und Leben zu stillen. Diese Geschichte bewegt, weil wirklich jede Seite des Leidens miteinbezogen wird, die der Zweite Weltkrieg und die Herrschaft der Nationalsozialisten verursacht haben. Angela Selke

Beate Sauer: „Echo der Toten“, Ullstein Verlag, Berlin 2018, broschiert, 377 Seiten, 13 Euro 





Krimi aus dem Nachkriegs-Köln

Richard Davies, Ermittler der britischen Royal Military Police, hat seinen Dienst aufgegeben und ist nach London zurückgekehrt. Für einen letzten Fall wird er aber noch einmal nach Köln einberufen. Da er für Friederike Matthée mehr als Sympathie empfindet, fordert er sie wieder für die neue Ermittlung an. 

Diesmal herrscht eine große und lange Hitzewelle in Köln. Die Suche nach dem Mörder einer früheren Kollegin führt Frederike in verlassene, zerbombte Häuser, wo Kinder und Jugendliche in den Kellern zusammen versuchen zu überleben. Durch Diebstahl, Prostitution und Schwarzmarkthandel bekommen sie ein Minimum an Nahrung, um über die Runden zu kommen. Jugendliche, die aufgegriffen werden, steckt man in ein polizeiliches Jugendschutzlager, in dem die Zustände immer noch nationalsozialistische Züge tragen. Die Entnazifizierung der Polizei hat nicht überall gegriffen. 

Des Weiteren ermittelt Davies den Mord dreier britischer Piloten, die gegen Ende des Krieges umgebracht wurden. Ihre Leichen wurden verscharrt in einem Waldstück bei Köln entdeckt. Auch der zweite Krimi von Beate Sauer ist sehr fesselnd und gut recherchiert geschrieben. Alle Angaben wirken nachvollziehbar und realistisch. A.S.

Beate Sauer: „Der Hunger der Lebenden“, UIlstein Verlag, Berlin 2019, broschiert, 428 Seiten, 13 Euro

S. 23 Rautenberg Buchhandlung

Rautenberg Buchhandlung

Rautenberg Buchhandlung

S. 24 Panorama

Der Wochenrückblick
Wenn die Lüge erstmal sitzt
Der Amoktäter von Hanau war gar kein Rechtsextremist – Aber das macht jetzt auch nichts mehr
Hans Heckel

Krisenstunden sind immer auch Stunden der Wahrheit. Das liegt daran, dass im Durcheinander der Krise manche zuvor sorgsam errichtete Kulisse zu wanken anfängt und den Blick freigibt auf Dinge, die man zuvor verborgen hielt. Das ist nicht günstig für die Verantwortlichen, die dem empörten Volk dann einige Überraschungen zu erklären haben, sofern sie jemand danach fragt. Derzeit ist das beispielsweise die wundersame Fähigkeit der Bundesrepublik, ihre Grenze zu schließen. Eine Fähigkeit, die wir ja angeblich gar nicht besitzen, wie uns die Kanzlerin 2015 fest in die Hand versprochen hat. Nun ja, hat sie wohl gelogen.

Aber das hatten wir hier ja schon, weshalb wir uns heute einem anderen Aspekt der Corona-Krise widmen wollen. Der bestätigt die alte Weisheit, dass selbst übelste Dinge auch etwas Positives hervorbringen können. 

Die Aufregung um das Virus fesselt unsere Sinne dermaßen, dass wir andere Sachen kaum noch wahrnehmen können. Was daran gut sein soll? Nun, in dieser Stimmung aus Lärm und Erregung kann man peinliche Wahrheiten viel unbekümmerter zugeben als sonst, weil einem derzeit sowieso keiner zuhört. So traute sich „tagesschau.de“ mit der Nachricht ans Licht, dass das Bundeskriminalamt (BKA) zu dem „überraschenden Fazit“ gelangt sei, bei dem Attentäter von Hanau habe es sich um keinen Anhänger einer rechtsextremistischen Ideologie gehandelt. 

So? Aber hat Tobias R. nicht ganz gezielt südländische Opfer ausgewählt? Ja, hat er. Das sei aber, so das Ergebnis der BKA-Untersuchung, nicht aus Rassismus geschehen, sondern, „um größtmögliche Aufmerksamkeit für seinen Verschwörungsmythos von der Überwachung durch einen Geheimdienst zu erlangen“.

R. habe weder eine „typisch rechtsextreme Radikalisierung durchlaufen“, noch sei er „durch rassistische Äußerungen oder Verhalten aufgefallen“, vielmehr habe er „das Kapitel zu Ausländern und seinen Vernichtungsphantasien erst spät“ in sein „Manifest“ aufgenommen.

Das Blut von R.s Opfern war bekanntlich noch nicht trocken, da flochten Politiker der etablierten Parteien und regierungstreue Medien bereits haarige Legenden zusammen, um eine Mitschuld der AfD an dem Hanauer Massaker an diesen Haaren herbeizuziehen. Der Unterschied zwischen rechts und rechtsextrem hinsichtlich der AfD spielte in dem Gekreische sowieso keine Rolle mehr. Nun erweist sich, dass R. gar nicht politisch motiviert war. 

Eigentlich müssten die AfD-Verfemer von eben heute bei der angefeindeten Partei Schlange stehen, um sich zur Entschuldigung tief zu verbeugen vor den zu Unrecht mit Dreck Beworfenen. Ob sie das wohl tun werden? Sagen Sie nichts!

Aufmerksamkeit, ja, das wollte er vor allem anderen. R. maß sich selbst eine Rolle von wahrhaft welthistorischer Dimension zu. Wenn er allerdings über seine Schulter blickte, musste er feststellen, dass er, der 43-Jährige, immer noch in seinem Kinderzimmer hockte und die Welt da draußen einen feuchten Kehricht auf sein wirres Geschwafel gab. Eine Lösung musste her. Da zeigte sich, dass Geisteskranke nicht notwendigerweise dumm sein müssen. Im Gegenteil: Nicht selten bewohnen Genie und Wahnsinn denselben Schädel.

Sagen wir es klar heraus: Hätte R. wahllos Deutsche ermordet, wäre er ohne Federlesens in der Rubrik „Verwirrter Einzeltäter“ abgeheftet und vergessen worden. Das muss diesem Monster irgendwann klargeworden sein, nachdem es jahrelang gegen die Wand gesabbelt hatte, ohne auch nur die kümmerlichste Resonanz zu ernten. Dann kam er drauf und erkannte, dass ihm die Aufwertung zum politischen Akteur von zeitgeschichtlicher Gravität sicher wäre, wenn er seinen Amok rassistisch garniert. Also fügte er seinem „Manifest“ schnell noch die dafür erforderlichen Floskeln hinzu und schritt zur Tat.

Und siehe da: Er sollte absolut recht bekommen. Die Schreihälse und AfD-Ankläger  taten genau das, was sich R. in seinem kranken Traum ersehnt hatte, posthum zwar, aber das ist bei Amoktätern nun mal so, das kalkulieren die ein.

Dass jetzt alles aufgeflogen ist, muss den Mann in der Hölle nicht einmal unglücklich machen. Denn die Kampagne gegen die AfD, für die er den Startschuss spendete, ist längst erfolgreich durchgelaufen. Das bleibt jetzt hängen, Erkenntnisse hin, BKA-Ermittlungen her, völlig egal: „Hanau“ hat man der AfD für immer an die Backe genagelt. Mehr wollte man ja gar nicht.

Darüber hinaus kann sich R. auf die willigen Claqueure seiner Legende auch weiterhin felsenfest verlassen. Der Soziologe und „Rechtsextremismus-Forscher“ Matthias Quent warnt davor, „die gesellschaftliche Botschaftswirkung eines Anschlags wie in Hanau zu unterschätzen“, lesen wir bei „tagesschau.de“. Wir sollen die Tat laut Quent „vom Täter getrennt betrachten“. 

Der Herr Quent ist übrigens der Autor jenes „Zeit“-Artikels, der noch am 15. März die Forderung nach Grenzschließungen als typischen Beleg rechtsextremer Gesinnung entlarvt hat. Also genau an dem Tag, als eine ganz große Koalition aus Schwarz, Rot, Grün und Gelb mit eben diesen Schließungen begann, wie wir neulich berichteten. 

Quents Verrenkung ist aufschlussreich, denn sie erklärt uns recht gut, wozu so ein „Rechtsextremismus-Forscher“ eigentlich da ist. Er nimmt sich je nach mutmaßlichem Gebrauchswert Nachrichten heraus und deformiert sie so lange, bis die gewünschte „gesellschaftliche Botschaftswirkung“ heraustropft. Dabei ist es völlig unerheblich, was den Täter eines Verbrechens wirklich angetrieben hat. Um die „Botschaftswirkung“ zu erzielen, wird die Tat kurzerhand „vom Täter getrennt“, und fertig ist der braune Sud.

Der Sud wird danach über demjenigen ausgeschüttet, den man schon immer erledigen wollte. Die eigenhändig vorgenommene Besudelung nimmt man dann als „Beweis“ dafür, dass der Besudelte ein Schmutzfink sei. Kurz gesagt: Die Unterstellung produziert den Verdacht, der zur Verurteilung führt.

Eine äußerst simple, aber sehr erfolgreiche Methode. Vollkommen wasserdicht, obwohl man sie schwerlich originell nennen mag, denn das Schnittmuster ist altbekannt. Danach waren schon die Schauprozesse in Stalins Sowjetunion geschneidert, wo die Unterstellung ebenfalls bereits das Urteil bedeutete, welches auch nicht anders ausgefallen wäre, wenn zwischendrin eine honorige Behörde namens BKA ermittelt hätte, die es in Stalins Reich sowieso nicht gab. Später kopierten die Nationalsozialisten das Prinzip für ihre Tribunale am „Volksgerichtshof“ und danach die junge DDR bei den berüchtigten „Waldheimer Prozessen“.

„Rechtsextremismus-Forscher“ Quent ist übrigens eng mit der Amadeu-Antonio-Stiftung der früheren Stasi-Zuträgerin Anetta Kahane verbandelt und war als Mitarbeiter einer Thüringer Landtagsabgeordneten der Linkspartei tätig. Womit mal wieder alles beieinander wäre, was zusammengehört.

Aufgeschnappt

Selbst wenn es frivol klingt, doch aus Sicht des Umweltschutzes hat die Corona-Pandemie auch positive Seiteneffekte gezeitigt: Die Luft über China ist sauberer als seit Langem, auch das Wasser in den Kanälen von Venedig ist so klar und sauber wie ewig nicht. Allerdings fördert die Erstarrung von Wirtschaft und Verkehr infolge der Covid-19-Maßnahmen nicht bloß die Sauberkeit der Natur. Sie reinigt unsere Umwelt offenbar auch von bislang eifrig verbreiteten Umweltmythen: Der Meteorologe Jörg Kachelmann zeigt auf seiner Facebook-Seite ein Diagramm, laut dem die Stickoxid-Werte am Stuttgarter Neckartor seit Beginn des „Shutdowns“ nicht etwa gesunken sind, wie es hätte kommen müssen, wenn der Autoverkehr für die Belastung ursächlich gewesen wäre. Nein, die Werte sind hochgegangen. Mit diesen Daten bröckelt die Behauptung, Verbrennungsmotoren und darunter vor allem der Diesel seien verantwortlich für die erhöhte Belastung durch Stickoxide (NOx), meint auch Wetterexperte Kachelmann.   H.H.

Stimmen zur Zeit

Achim Theiler, Hersteller und Großhändler für Hygieneartikel, hat die Bundesregierung bereits Anfang Februar vor Engpässen bei Hygieneartikeln schriftlich gewarnt. In der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ (26. März) warf er den Verantwortlichen schwere Versäumnisse bei der Virus-Krise vor:

„Wir haben keine Reaktion bekommen. Da arbeiten 700 Mitarbeiter in dem Ministerium, warum hatte das niemand im Blick, wenn die schon meine Briefe nicht lesen? Für uns ist es nicht nachvollziehbar, dass die so unglaublich schlecht vorbereitet sind. Wir hatten sechs Wochen Zeit.“





Erich Wiedemann durchschaut auf „Tichys Einblick“ (30. März), was manche EU-Staaten antreibt, die ihre Schulden nun über „Corona-Bonds“ am liebsten auf Deutschland, Österreich, die Niederlande und andere Länder abwälzen wollen:

„Das Corona-Thema könnte brisantes Spaltmaterial freisetzen, das die Einheit Europas ernstlich bedroht. Die EU ist eine Kongregation von Egoisten. Es gibt Staaten auch außerhalb der Südschiene, die vor einem Ausstieg aus der Wertegemeinschaft nicht zurückschrecken würden, wenn sie den Eindruck hätten, dass ihnen die Mitgliedschaft keine materiellen Vorteile mehr bringt.“





Die frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) warnt gegenüber „heise.de“ (28. März) vor einer Unterhöhlung der Freiheitsrechte im Schatten der Corona-Krise:

„Ich kann verstehen, dass die Menschen jetzt zuerst auf Sicherheit für sich setzen. Aber genauso wichtig ist, dass alle einschränkenden Maßnahmen immer wieder auf ihre Berechtigung überprüft werden. In Krisenzeiten haben die Grundrechte keinen Ausschalter. Angst essen Freiheit auf, habe ich es in meinem Buch genannt. Dem will ich eine andere Sichtweise entgegensetzen ... Auch in Krisensituationen gelten die Gewaltenteilung und die Grundrechte.“





Die Netzzeitung „Epochtimes“ (30. März) zitiert Markus Krall, Volkswirtschaftler und Sprecher der Geschäftsführung der Degussa Goldhandel, mit einer düsteren Vorhersage:

„Die kommende Wirtschafts- und Systemkrise wird von den Machtinhabern, den Gewinnern korrupter Maschinerien und den auf die ganze Macht hoffenden Sozialisten genutzt werden, eine Ergreifung nicht mehr demokratisch kontrollierter Macht anzustreben.“ 





Wort der Woche

„Das Virus wirkt wie ein Katalysator. Aufgehäufte Probleme stehen nun gleichzeitig auf der Tagesordnung, es droht ein Flächenbrand.“

Milosz Matuschek, Schweizer Journalist, weist in der „Neuen Zürcher Zeitung“ (31. März) darauf hin, dass viele alte, aber nur aufgeschobene Probleme (Asyl, Schulden und Zinsen, Euro, Wirtschaft etc.) nun durch Corona auf einmal entfesselt werden könnten